Eine Ärztin auf der Intensivstation.
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BerlinDer Senat vergibt 1000 Euro extra an Landesangestellte, die in der Corona-Krise unser System am Laufen halten. An Polizisten, Ärzte, Pfleger, Kita-Erzieherinnen, auch an die Angestellten der Behörden. Doch Einmal-Prämien sind bei weitem nicht genug. Die Politik darf sich nicht auf ihnen ausruhen.

Was sind schon einmalig 1000 Euro extra? Für Polizisten, die zurzeit jedes Wochenende von Linken und Rechten auf unerlaubten Demonstrationen angespuckt werden? Für Erzieherinnen, die jeden Tag ohne Maske von Dutzenden Kindernasen Rotz abwischen? Für Ärzte, Schwestern und Pfleger, die ihre Mundschutze einen ganzen Tag lang tragen sollen, weil das Land an der Beschaffung von Schutzmaterial scheitert? 1000 Euro sind ein Hohn.

Das gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass Berlin seine Angestellten in vielen Bereichen – zum Beispiel bei der Polizei – im Ländervergleich schon lange am schäbigsten bezahlt. Der Senat hat vor der Krise daran gearbeitet zu korrigieren, was kaputtgespart wurde. Daran muss er festhalten. Die Löhne der systemrelevanten Landesangestellten müssen insgesamt steigen, es braucht endlich wieder faire, flächendeckende Tarifverträge.

Massiven Druck muss der Senat auch auf private Unternehmen aufbauen. Denn wer zahlt den Kassiererinnen mehr, die seit Wochen in Supermärkten Überstunden ohne Ende schieben, die Hunderte Kundenkontakte pro Tag haben? Es wäre steuerpolitischer Wahnsinn, sollte das Land auch hier zahlen.

Das ist Pflicht des Lebensmittelhandels, der zu den großen Profiteuren der Corona-Krise zählt. Er macht zurzeit nach Schätzungen mehr als 50 Prozent Umsatzplus. Die Mehrarbeit ihrer Angestellten aber haben Supermarkt-Ketten bisher lediglich mager entlohnt - meist in Warengutscheinen, zum Einkaufen im eigenen Haus. Auch das ist Aufgabe der Politik: Sie endlich zum Zahlen zu bewegen.