Berlin - Um der Wohnungsnot in Berlin entgegenzuwirken, hat die Berliner FDP-Fraktion den Senat aufgefordert, mit einem Sofortprogramm „10.000 Dächer für Berlin“ für mehr Wohnraum zu sorgen. Dafür sollen nicht ausgenutzte Dachgeschosse und Bestandsgebäude genutzt werden.

Innerhalb des S-Bahn-Rings will die FDP-Fraktion, dass begrenzt auf einen Zeitraum von fünf Jahren die Häuser um ein weiteres Vollgeschoss aufgestockt werden – sofern keine zwingende Gründe dagegen sprechen. Das könnten zum Beispiel die Statik oder der Denkmalschutz sein. Im Einzelfall könnte man auch zwei Stockwerke aufstocken, heißt es in dem Antrag, der der Berliner Zeitung vorliegt. 

Umsetzung teilweise unmöglich

„Ein Baustein, um dem Wohnungsmangel in Berlin zu begegnen, ist neben dem Neubau von Wohnungen auch die konsequente Nutzung des bestehenden Potenzials. Dabei spielt die Aufstockung von Häusern und der Ausbau von Dachgeschossen eine wichtige Rolle“, sagte Stefan Förster, Sprecher für Bauen, Wohnen und Denkmalschutz in der FDP-Fraktion. Hier müsse Berlin „Schrittmacher werden, unnötige bürokratische Hürden“ beseitigen und gesetzliche Vorgaben vereinfachen, sagte Förster weiter.

Mit dem Ausbau von Dachgeschossen und dem Aufstocken der Bestandsbauten könnten Zehntausende neue Wohnungen gewonnen werden, heißt es in der Begründung. Aber die bisherigen Vorschriften behinderten dieses Vorhaben, so dass die Umsetzung teilweise unmöglich sei.

So verlangen die strengen Vorschriften unter anderem, dass es für Dachgeschosswohnungen neben dem normalen Treppenhaus einen zweiten Rettungsweg gibt.

Pilotprojekt zur Dachaufstockung

Die FDP will die Vorschriften der Berliner Bauordnung deshalb lockern und sieht dringenden Handlungsbedarf im Sinne neuer Wohnperspektiven für die wachsende Stadt. So sollen für die zusätzlichen Geschosse keine Aufzüge gebaut und Außentreppen, Rettungsplattformen und Rettungsschläuche als Rettungsweg zugelassen werden. Zudem sollten Straßenbäume für die Schaffung von Rettungswegen gefällt und beschnitten werden dürfen.
Im September hatte der Senat ein Handlungsprogramm zur Beschleunigung des Wohnungsbaus beschlossen, um Wohnraumpotenzial in Berlin ausfindig zu machen. 

Bis zum Jahr 2021 will Berlin 30.000 neue städtische Wohnungen bauen. Darauf haben sich SPD, Linke und Grüne im Koalitionsvertrag verständigt. Der „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030“ rechnet mit 194.000 zusätzlich benötigten Wohnungen. Laut Bauverwaltung startet bald ein Pilotprojekt zur Dachaufstockung, um neuen Wohnraum zu generieren. Das hatte Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) kürzlich im Abgeordnetenhaus bestätigt.