Ein Anschlag hat den Schienenverkehr auf der Strecke zwischen Berlin und Potsdam am Donnerstag lahmgelegt. Auf einer linksextremistischen Internetseite bekannten sich Unbekannte zu der Tat. Vom Morgen bis in den Abend hinein konnten auf dem Streckenabschnitt zwischen Westkreuz und Wannsee weder S-Bahnen noch andere Züge fahren. Betroffen waren mehrere zehntausend Fahrgäste, so ein Bahnsprecher.

Nach ersten Erkenntnissen des Landeskriminalamtes handelte es sich um Brandstiftung. Die Abteilung Staatsschutz der Polizei, die für die Aufklärung politisch motivierter Straftaten zuständig ist, übernahm die Ermittlungen. Am späten Vormittag erschien auf der Internetseite Linksunten ein Bekennerbrief.

Darin heißt es: „Wir verlängern den 1. Mai [...] und bringen die zerstörerische Normalität des Arbeits- und Ausbeutungsalltages für eine kurze Zeit ins Stocken.“ Die Autoren behaupten, dass sie auch Leitungen der Telekommunikation stillgelegt hätten. Die Polizei hält das Schreiben für authentisch.

Erinnerung an den Ostkreuz-Anschlag

Es ist nicht der erste linksextremistische Anschlag auf den Schienenverkehr in Berlin. Im November 2010 legten militante Atomkraftgegner Feuer an einer Kabeltrasse an der Ringbahn in Neukölln. Im Mai 2011 brannte eine Kabelbrücke am Ostkreuz, was noch größere Teile des S-Bahn-Verkehrs sowie Daten- und Telefonleitungen stundenlang lahmlegte. Ende Februar dieses Jahres gab es einen Brand auf einer Kabelbrücke in Lichtenberg – auch er geht nach Informationen der Berliner Zeitung auf einen Anschlag zurück.

Das jüngste Feuer war im Grunewald nahe des Fischerhüttenwegs am Bahnkilometer 19,56 ausgebrochen. Gegen 3.20 Uhr morgens sah ein Lkw-Fahrer auf der benachbarten Avus die Flammen und alarmierte die Feuerwehr. Der Brand zerstörte einen Verteilerschrank, in dem Kommunikationskabel der Bahn und Signalkabel des Stellwerks Wannsee verlaufen.

Folge war, dass alle Signale auf Rot sprangen. Betroffen war nicht nur die S-Bahn-Linie 7, auch die Züge der Regionalverkehrslinien RE 1, RE 7, RB 21 und 22 konnten nicht mehr fahren. Die Schienenstrecken werden werktags von insgesamt mehr als 55.000 Fahrgästen genutzt. Wegen des dichten Rauchs und der Löscharbeiten musste die Autobahn A 115 zeitweise gesperrt werden.

Am 1. Mai hatten Sicherheitsleute der Bahn und Bundespolizisten die Bahnanlagen in Berlin verstärkt überwacht. Doch am Mittwoch sei nichts passiert, hieß es. Die Täter schlugen erst in der Nacht darauf zu, an einer abgelegenen Stelle. „Es ist unmöglich, alle Strecken ständig zu überwachen. Wir können auch nicht überall Absperrungen errichten, denn unsere Anlagen müssen immer zugänglich sein, damit Techniker bei Störungen schnell an sie herankommen“, sagte ein Eisenbahner.