Potsdam - .Eigentlich sollte es eine ganz normale Verkehrskontrolle werden. Doch als der von der Streife ins Visier genommene Kleintransporter mit ungarischem Kennzeichen in Neu Bochow (Potsdam-Mittelmark) auf das Gelände eines einstigen Agrarbetriebs abbog, wurden die Beamten misstrauisch. Sie fuhren hinterher und machten einen überraschenden Fund. Im Laderaum des Wagens entdeckten sie an jenem Abend Mitte Januar eine Unmenge an Plastikpfandflaschen und Zehntausende gefälschter Pfandetiketten. Doch das war noch nicht alles. In einer Lagerhalle stießen sie auf einen weiteren ungarischen Transporter. Der Wagen hatte ebenfalls unzählige Plastikflaschen geladen, die offenbar billig in Osteuropa produziert worden waren. Dort gibt es kein Pfandsystem, die Flaschen landen im Müll.

„Erstaunlich großer Aufwand“

Den Polizisten war klar: Sie waren einem großangelegten Betrug mit Einwegpfandflaschen auf die Spur gekommen. Die fünf Männer aus Osteuropa, die sie antrafen, wurden festgenommen. Gegen zwei 35 und 31 Jahre alte Männer aus Ungarn und einen 35-jährigen Serben wurde später Haftbefehl erlassen. Offenbar sollten sie in der Region ein gut organisiertes Netz aufbauen.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die geständigen Männer wegen bandenmäßigen Betrugs. „Es sind durchaus organisierte Strukturen erkennbar“, sagt Christoph Lange, der Sprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Potsdam. Nach seinen Worten wurden rund 100.000 Flaschen in Neu Bochow gefunden. Bei 25 Cent Pfand pro Flasche hätte der Gewinn bei 25 000 Euro gelegen. „Dafür war der Aufwand schon erstaunlich groß“, so Lange. Die Flaschen müssten schließlich nach Deutschland geschafft, die Etiketten gedruckt und aufgeklebt werden. Und man könne das Leergut in dieser Anzahl auch nicht auf einmal abgeben, ohne Verdacht zu erregen.

Für die Ermittler ist der Fund von Neu Bochow der bisher größte Fall von Betrug mit Plastikflaschen in Brandenburg. Den bisher größten derartigen Fall in Deutschland registrierte die Polizei in Schleswig-Holstein. Dort flog 2006 eine Bande auf, die 150.000 billig in Litauen produzierte Plastikflaschen mit gefälschten Barcodes versehen hatte und versuchte, sie in Supermärkten abzugeben. Die Einzelhandelsbranche übte damals harsche Kritik am Pfandsystem. Der hohe Pfand von 25 Cent pro Flasche würde Betrüger anlocken, hieß es.

Kleinere Fälle von Pfandbetrug sind indes keine Seltenheit. So versuchte vor einem Jahr ein Mann in Waltersdorf (Dahme-Spreewald), an einem Supermarkt-Automaten Flaschen mit gefälschtem Etikett abzugeben. Mitarbeitern fiel der Betrug auf. Die Polizei fand bei dem Täter 43 Säcke mit mehr als 4500 Flaschen. Im Erfolgsfall hätte er damit 1100 Euro eingenommen. Im mittelfränkischen Ansbach gab eine stets wieder auftretende Pfütze in einem Markt Rätsel auf. Als man ein undichtes Dach ausschließen konnte, legten sich Mitarbeiter auf die Lauer – und ertappten einen Spielsüchtigen. Um an Geld zu kommen, hatte er in dem Laden immer wieder Flaschen aus dem Regal genommen, ausgekippt und das Leergut an der Kasse abgegeben.

Höchster Pfandwert in Europa

Für Verena Böttcher, die Geschäftsführerin der Deutschen Pfandsystem GmbH, gibt es auch nach dem Fund in Neu Bochow keine Anzeichen dafür, dass es vermehrt zu Betrügereien kommt. Für sie ist es ein Einzelfall. „Das Rücknahmesystem hat sich seit Jahren bewährt, das Sicherheitsniveau ist sehr hoch“, sagt sie. Gefälschte Etiketten würden auffallen. „Sie werden nur in zugelassenen Druckereien hergestellt. Diese müssen sich jedes Jahr zertifizieren lassen.“ Ebenso würden auch die Automaten regelmäßig überprüft.

Verena Böttcher sagt aber auch, dass sie nicht ausschließen könne, dass Leute mit hoher krimineller Energie trotzdem versuchen würden, zu betrügen. Immerhin sei der Pfandwert in Deutschland von 25 Cent der höchste in Europa. Die Technik für die Sicherheit könne aber nicht immer weiter aufgerüstet werden, die Kosten dafür müssten wirtschaftlich vertretbar bleiben.