Für jemanden, der einen der anstrengendsten Behörden-Jobs in dieser Stadt übernommen hat, wirkt Christoph Bonny ziemlich gelassen. Dabei steht ihm nicht nur viel Arbeit bevor, er wird auch viele Diskussionen führen müssen – mit Bürgern, die um jeden Baum kämpfen. Der Bauingenieur vom Wasserstraßen-Neubauamt Berlin (WNA) leitet ein Projekt, das in Kreuzberg heftig umstritten ist: Der 51-Jährige ist für die Instandsetzung des Landwehrkanals verantwortlich, die jetzt in die Umsetzungsphase geht. Nun gab das Amt erste Einzelheiten bekannt. Die Arbeiten sollen 2020 beginnen, ihr Ende wird für 2030 erwartet.

Lang ist der Kanal nicht – 10,74 Kilometer. Besonders wichtig ist er auch nicht, zumindest nicht für überregionale Gütertransporte. Auf der nur rund 22 Meter breiten und zwei Meter tiefen Bundeswasserstraße fahren Sportboote und Fahrgastschiffe. Ein Planer: „Wer weiß, vielleicht wäre sie irgendwann zugeschüttet worden, wie der Luisenstädtische Kanal in Kreuzberg.“

Dann rückte der Kanal plötzlich ins Blickfeld. Am 19. April 2007 stürzte eine Ufermauer am Maybachufer ein, fast drei Wochen später sackte Boden am Tempelhofer Ufer ab. Schlagartig wurde klar, wie sehr der Bund die Anlage vernachlässigt hatte. Doch als er begann, an den Ufern zu arbeiten, verspielte er bald das Vertrauen der Anwohner.

Bürger ketteten sich an Bäume, die gefällt werden sollten, und sammelten 26.000 Unterschriften. Auf Druck des Verkehrsministeriums begann ein Mediationsverfahren, das den Konflikt entschärfen sollte. Es zog sich rekordverdächtig in die Länge. Nach 140 Sitzungen in rund sechs Jahren einigten sich Anwohner und Behörden 2013 auf die „Sanierungslösung Landwehrkanal“.

2007 sei einiges „schiefgelaufen“, schätzt Rolf Dietrich, der Leiter des Neubauamtes, heute ein. Längst sei klar: „Die Bürger haben diesen Kanal gerettet. Ihr Engagement kann man nicht hoch genug einschätzen.“ Anstatt die Wasserstraße stillzulegen, stellt der Bund 68 Millionen Euro bereit, um sie zu erhalten.

Nun wird nach jahrelangen Debatten das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Es soll 2018 starten, die Genehmigung wird spätestens nach zwei Jahren für Mitte 2020 erwartet. Die Arbeiten werden zehn Jahre dauern, sagt Christoph Bonny. Warum? „Wir werden nur im Winter bauen, von November bis April wird der Kanal gesperrt.“ In den übrigen Monaten werde er offen sein, dann können Fahrgastschiffe fahren.

Der Projektleiter sagt: Was Anwohner und Behörden über Jahre erarbeitet haben, gilt. „Mit der ,Sanierungslösung‘ gehen wir in das Genehmigungsverfahren.“ Damit sei klar: „Wir werden die vorhandene Bausubstanz so weit wie möglich erhalten.“ Schäden an den Ufermauern sollen mit dem gleichen Material ausgebessert werden: Sandstein mit Sandstein, Granit mit Granit. Von rund 23 Kilometern Ufer werden zirka 15 Kilometer instand gesetzt. Davon sollen knapp sieben Kilometer mit Steinschüttungen befestigt werden, um die Mauern vor Wellenschlag zu schützen. Auf mehr als 3,4 Kilometern Länge werden Spundwände in die Kanalsohle gerammt – so tief, dass die Stahlplatten nicht aus dem Wasser schauen.

Die Prinzipien stehen fest, bekräftigt Bonny. Er sagt aber auch: Wenn sie bald Ufermeter für Ufermeter in Detailplanungen übersetzt werden, kann es zu Abweichungen kommen. Das gilt auch für die Bäume. „Unser Ziel ist und bleibt, so viele wie möglich zu erhalten. Doch es ist nicht auszuschließen, dass es Fällungen geben wird“, sagt Bonny. „Wir gehen aber davon aus, dass es nur sehr wenige sein werden“, so Amtsleiter Dietrich. Die Bürger werden ihnen auf die Finger schauen.