11 Klima-Fragen an die Beatsteaks: „Ich kann mir Berlin ganz ohne Verbrenner vorstellen“

Was denken Berliner über Klimawandel und Klima-Kleber? Heute: Die Band Beatsteaks über Zukunftsängste und Badetage.

Peter Baumann und Bernd Kurtzke von den Beatsteaks sind dankbar für Klima-Proteste
Peter Baumann und Bernd Kurtzke von den Beatsteaks sind dankbar für Klima-ProtesteBerliner Zeitung/Uroš Pajović

Der Sommer war zu heiß, der Herbst zu warm, das Jahr 2022 wieder viel zu trocken. Nur noch vier von hundert Bäumen in Berlin sind gesund. Das Klima verändert sich. Auch politisch bewegt das Thema die Stadt, 180.000 Menschen haben unterschrieben, dass Berlin schon 2030 klimaneutral werden soll, es wird einen Volksentscheid geben. Fast täglich blockiert die Protestgruppe Letzte Generation die Straßen.

Was sollen wir tun, um dem Klimawandel zu begegnen, wie soll sich Berlin verändern? Wir wollen in der Berliner Zeitung so viele Stimmen wie möglich zu Wort kommen lassen. Diesmal haben Peter Baumann und Bernd Kurtzke unsere Fragen beantwortet.

Herr Baumann, Herr Kurtzke, Der Klimawandel wird unser aller Leben verändern. Wovor haben Sie am meisten Angst?

Peter Baumann: Am stärksten ist die Sorge, dass das Klima immer menschenfeindlicher wird und zukünftige Generationen keine lebenswerte Welt mehr vorfinden.

Bernd Kurztke: Dass meine Kinder es schlechter haben werden als wir.

Was tun Sie persönlich, um Ihre CO₂-Bilanz zu senken?

Baumann: Fahrrad fahren.

Kurtzke: Wenig Auto fahren, Ökostrom von Greenpeace beziehen und als Lichtquelle LED-Lampen verwenden. Nur zweimal die Woche Fleisch essen und ein vernünftiges Heizmanagement betreiben.

Worauf wollen Sie trotz Klimawandel nicht verzichten?

Baumann: Reisen.

Kurtzke: Das wäre die falsche Einstellung.

Was muss sich in Ihrer Branche am dringendsten ändern?

Baumann: Es sollten noch viel mehr Veranstaltungen versuchen, einen CO₂-neutralen Fußabdruck zu erreichen.

Kurtzke: Branchenunabhängig geht es darum, die grundsätzliche Einstellung zu diesem Thema zu ändern, damit das Narrativ vom Verzicht endlich verschwindet. Wenn wir alles wieder hinbiegen könnten, wäre es ja ein großer Gewinn!

Klimaaktivisten blockieren regelmäßig Straßen in Berlin. Hilft das der Sache oder schadet es mehr?

Baumann: Obwohl es natürlich mal ärgerlich ist, wenn man selbst davon betroffen ist, so finde ich es doch wichtig und richtig, immer wieder auf das Thema aufmerksam zu machen. Ich bin dankbar, dass es Leute gibt, die dieses wichtige Thema tatsächlich an die erste Stelle setzen.

Kurtzke: Sowohl als auch. Traurig ist, dass ihnen offensichtlich nur noch radikale Aktionen bleiben, um auf sich aufmerksam zu machen. Leider ruft das auch Unmut bei Menschen hervor, die sich damit nicht auseinandersetzen wollen. Es hilft aber den Menschen, nicht zu vergessen, wie wichtig das Thema ist und bleibt, die etwas verändern wollen.

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Paul Gärtner
Zu den Personen
Bernd Kurtzke (links) und Peter Baumann gehören zu den Gründungsmitgliedern der Beatsteaks, einer Band, die 1995 in Berlin zusammenkam und seitdem acht Studioalben aufgenommen hat. Kurtzke ist Lead-Gitarrist, Baumann spielt Rhythmus-Gitarre, Keyboard und singt. Die Bandmitglieder engagieren sich auch politisch, unter anderem für die Initiative Viva con Agua, die sich weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt, und gegen rechts.

Können Sie sich Berlin ganz ohne Autos vorstellen?

Baumann: Leider nein.

Kurtzke: Nein, aber Berlin ganz ohne Verbrenner schon.

Haben Sie vor, Ihr Auto abzuschaffen?

Baumann: Abschaffen erst mal nicht, aber so wenig wie möglich benutzen, ja.

Kurtzke: Ich werde, sollte das Budget es zulassen, mein Auto eintauschen gegen eins auf Wasserstoffbasis.

Was erwarten Sie von der Politik – was sollte sie als dringendste Klimaschutzmaßnahme durchsetzen?

Baumann: Einhaltung der selbst gesetzten Klimaziele als Minimum.

Kurtzke: Die Politik sollte Sorge dafür tragen, dass Klimaschutz und entsprechende Maßnahmen leicht verständlich sind, um die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite für das Thema zu sensibilisieren und mitzunehmen. Es müssen Anreize finanzieller und nichtfinanzieller Art geschaffen werden für die breite Masse der Bevölkerung und eben nicht nur für Großkonzerne. Veränderung beginnt immer in den Köpfen.

Klimaschutzminister Habeck duscht nur noch zwei Minuten. Wie lange stehen Sie noch unter der Dusche?

Baumann: Länger. Dafür mache ich hinter mir immer das Licht aus, drehe wenn es geht die Heizung runter und lasse mein Auto nur im Ausnahmefall im Stand laufen.

Kurtzke: Meine Familie hat zweimal die Woche Badetag, das heißt eine Wanne für Mama, Papa und Tochter. Jeden Tag duschen geht gar nicht.

Was ist Ihr bester klimaschonender Alltagstipp?

Baumann: Fahrrad fahren, so oft es möglich ist.

Kurtzke: Da gibt es nicht den einen, ganz viele kleine Sachen machen am Ende auch ganz viel aus.

Berlin im Jahr 2030: Was muss geschehen, damit wir es in der Stadt auch dann noch aushalten?

Baumann: Nazis raus.

Kurtzke: Ob wir es dann noch aushalten, hängt davon ab, wie rasant der Klimawandel voranschreitet. Und der Mensch im Allgemeinen ist sehr leidensfähig, solange ein Ereignis nicht plötzlich eintritt. Geschehen muss eine Menge.