11 Klima-Fragen an Kai Wegner: „Die Letzte Generation nervt die Berliner“

Was denken Berliner über Klimawandel und Klima-Kleber? Heute: Der Berliner CDU-Chef hält Verzicht und Verbote für falsch und hat einen simplen Alltagstipp.

Berliner CDU-Chef Kai Wegner.
Berliner CDU-Chef Kai Wegner.Berliner Zeitung/Uroš Pajović Foto: dpa/
Christophe Gateau

Der Sommer war zu heiß, der Herbst zu warm, das Jahr 2023 begann fast mit T-Shirt-Wetter. Nur noch vier von hundert Bäumen in Berlin sind gesund. Das Klima verändert sich. Auch politisch bewegt das Thema die Stadt, 180.000 Menschen haben unterschrieben, dass Berlin schon 2030 klimaneutral werden soll, es wird einen Volksentscheid geben. Fast täglich blockiert die Protestgruppe Letzte Generation die Straßen.
Was sollen wir tun, um dem Klimawandel zu begegnen, wie soll sich Berlin verändern? Wir wollen in der Berliner Zeitung so viele Stimmen wie möglich zu Wort kommen lassen. Alle Fragebögen finden Sie hier. Diesmal hat Kai Wegner, Berlins CDU-Chef,  geantwortet.

Der Klimawandel wird unser aller Leben verändern. Wovor haben Sie am meisten Angst?

Angst ist immer ein schlechter Berater. Ich habe keine Angst. Wir müssen uns dem Klimawandel stellen, Berlin so schnell wie möglich klimaneutral machen und dabei darauf achten, dass unsere Stadt lebenswert und bezahlbar für alle ist.

Was tun Sie persönlich, um Ihre CO2-Bilanz zu senken?

Ich heize bewusster und achte mehr auf meinen Stromverbrauch. Zudem nutze ich ein E-Auto.

Worauf wollen Sie trotz Klimawandel nicht verzichten?

Gute Klimapolitik funktioniert so, dass die Menschen nicht auf Lebensqualität verzichten müssen. Im Übrigen gilt: Wenn sich jeder ganz bewusst im Kleinen, wo es gar nicht wehtut, klimafreundlich verhält, macht das in der Summe auch einen großen Unterschied.

Was muss sich in Ihrer Branche am dringendsten ändern?

Wir müssen den Menschen Spaß auf Klimaschutz machen – klingt komisch, ist aber so. Ich bin überzeugt: Wir kommen nicht mit Verboten weiter, sondern nur mit Angeboten und Freiwilligkeit.

Klimaaktivisten blockieren regelmäßig Straßen in Berlin. Hilft das der Sache oder schadet es mehr?

Diese sogenannten Aktivisten leisten dem Klimaschutz einen Bärendienst. Seit Anfang des Jahres klebt sich die Letzte Generation in Berlin überall fest und nervt die Berlinerinnen und Berliner. Ich will nicht länger darüber sprechen, wie wir kriminelle Handlungen verhindern, sondern darüber, wie wir unsere Klimaschutzziele erreichen.

Können Sie sich Berlin ganz ohne Autos vorstellen?

Nein.

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dpa
Zur Person
Kai Wegner, 50, ist als CDU-Partei- und Fraktionschef Berlins wichtigster Oppositionspolitiker. Der frühere Bundestagsabgeordnete will seine Partei nach sechs Jahren zurück in den Senat führen. Mit ihm als Regierenden Bürgermeister an der Spitze.

Haben Sie vor, Ihr Auto abzuschaffen?

Noch mal, nein. Ich will durch attraktive Angebote dafür sorgen, dass alle Menschen, die es sich wünschen, jederzeit umsteigen können. Ein gut organisierter, attraktiver ÖPNV, der auch die Außenbezirke einbezieht, ist ein Schlüssel dafür.

Was erwarten Sie von der Politik – was sollte sie als dringendste Klimaschutzmaßnahme durchsetzen?

Die Politik muss viel mehr Anreize für den Klimaschutz setzen. Durch steuerliche Förderung und attraktive Zuschussprogramme kann beispielsweise der energetischen Gebäudesanierung ein neuer Schub verliehen werden.

Klimaschutzminister Habeck duscht nur noch zwei Minuten. Wie lange stehen Sie noch unter der Dusche?

In der Regel bis ich sauber bin – das geht mal schneller und mal langsamer.

Was ist Ihr bester, klimaschonender Alltags-Tipp?

Nicht so viel wegwerfen. Beispielsweise, indem man Einkäufe bewusst plant.

Berlin im Jahr 2030: Was muss geschehen, damit wir es in der Stadt auch dann noch aushalten?

Fassadenbegrünung voranbringen, Versiegelung so weit wie möglich vermeiden. Und: Ganz viele neue Bäume pflanzen – unter anderem als Klimawald auf dem Tempelhofer Feld.