Berlin-KreuzbergViel Gutes hörte man in den vergangenen Monaten nicht aus dem Kreuzberger Wrangelkiez: Die Polizei erklärte die Gegend zwischen Schlesischem Tor und Görlitzer Park zum Kriminalitäts-Hotspot, Kinder fanden Spritzen auf Spielplätzen, Anwohner beklagten sich über Vermüllung. Einer der Brennpunkte im Kiez ist der namenlose Platz zwischen Cuvry- und Falckensteinstraße. Im Sommer campierten hier Obdachlose, auf dem Spielplatz spielen schon lange keine Kinder mehr, die Schaukeln sind längst abgebaut. Im Herbst verschwanden auch die Bänke am Rande des Platzes.

Doch jetzt soll alles anderes werden. Am Mittwoch bewilligte der Haushaltsauschuss des Bundestages Gelder für ein Modellprojekt, das den Platz zu neuem Leben erwecken soll: Zwischen Cuvry- und Falckensteinstraße soll ein künstlicher Fluss angelegt werden, ein urbaner Bachlauf, eingebettet in eine 5500 Quadratmeter große Grünfläche.

Der urbane Bachlauf soll zwischen Cuvry- und Falckensteinstraße verlaufen. 

Das Projekt ist Teil einer sogenannten stadtklimatischen und sozialräumlichen Qualifizierung und wird finanziert über den Energie- und Klimafonds. Darin wurde auf Initiative der SPD-Bundestagsfraktion ein Investitionsprogramm aufgesetzt, mit dem Parks und Grünflächen an den Klimawandel angepasst werden sollen. 990.000 Euro stellt der Bund nun also dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zur Verfügung, um das Projekt umzusetzen. Der Bezirk selbst beteiligt sich mit 110.000 Euro.

„Wir wollen diesen Bereich schon lange umgestalten“, sagte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) der Berliner Zeitung. „Mit den Fördermitteln hätten wir endlich die hierfür benötigten finanziellen Ressourcen.“

Angestoßen hat das Projekt die Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe (SPD). Der Wrangelkiez liegt in ihrem Wahlkreis, sie ist dort aufgewachsen. „Ich habe schon als Kind auf dem Platz ohne Namen gespielt“, sagt sie. „Wenn ich den Platz und seinen Zustand heute sehe, blutet mir das Herz. Das konnte ich mir nicht länger ansehen.“ Gemeinsam mit Kiezeinrichtungen, Anwohnern und Bezirk wurde dann das Projekt entwickelt.

Der urbane Bachlauf soll gleich mehrere Probleme lösen: Zum einen geht es darum, den verwahrlosten Platz  zur Erholungsfläche für die Anwohner zu machen. Zum anderen soll die Begrünung das Stadtklima verbessern. Eine eher selten erwähnte Eigenschaft des Görlitzer Parks ist seine Bedeutung als städtischer Naturraum, dort wurden bereits gefährdete Brutvogelarten wie Feldsperling, Gartengrasmücke und Gelbspötter gesichtet – im Kiez selbst aber selbst gibt es kaum Grünflächen. Die thermische Belastung ist dort eine der höchsten in ganz Berlin.

1,1 Millionen Euro sind eine Menge Geld für den kleinen Wrangelkiez, wo zuletzt vor allem kriminalpräventive und städtebauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Form von eher unattraktiven Pollern umgesetzt wurden. Es könnte ein erster Schritt Richtung Verbesserung der Lebensqualität für die Bewohner sein.