110 Jahre KaDeWe: Zehn Fakten über Berlins berühmtestes Kaufhaus

An diesem Montag ist es genau 110 Jahre her, dass das inzwischen berühmteste Kaufhaus Berlins die ersten Kunden empfing. Es gab bereits einige Warenhäuser in der Stadt, als der Kommerzienrat Adolf Jandorf das Kaufhaus des Westens am 27. März 1907 eröffnete, in Schöneberg, das damals noch nicht zu Berlin gehörte.

Auch Jandorf besaß bereits fünf Warenhäuser. Doch keines war so wie das neue Haus am Wittenbergplatz, so luxuriös, was die Waren betraf, und so modern mit Klimatechnik und Rohrpostanlage. „Das Kaufhaus des Westens knüpft nicht an die bekannte Reihe an, sondern eröffnet selber eine höhere Ordnung des weltstädtischen Kaufhauses“, schrieb damals das bildungsbürgerliche Wochenblatt „Der Roland von Berlin“.

Jandorf hatte einige Zeit in den USA verbracht und führte amerikanische Verhältnisse im KaDeWe ein, wie das Kaufhaus bald von jedermann genannt wurde. Neu war die räumliche Gliederung in Abteilungen. Es gab einen Friseursalon, eine Wechselstube und die Möglichkeit, auf Kredit zu kaufen.

Das Kaufhaus des Westens ist das einzig verbliebene Luxuswarenhaus aus der Berliner Gründerzeit. Bis heute zieht es Kundschaft aus aller Welt an und ist nach dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor die am dritthäufigsten von Touristen besuchte Sehenswürdigkeit der Hauptstadt. Wir haben die zehn interessantesten Fakten aus der bewegten Geschichte des Hauses gesammelt. (BLZ)

Tauentzien galt als unwirtliche Gegend

Der Standort des Kaufhauses galt um die Jahrhundertwende noch als der „Wilde Westen“. „Adolf Jandorf wurde als verrückt bezeichnet, weil er in diesem jungfräulichen Gebiet investieren wollte“, sagt Hans-Dieter Werk, Organisationsleiter im KaDeWe und Kenner der Kaufhaus-Historie. 1905 ließ Jandorf an der Tauentzienstraße einen Mietshausblock abreißen, um Platz zu schaffen für das neue Haus. Er setzte darauf, dass sich in den noch von Berlin eigenständigen Stadtgemeinden Charlottenburg und Schöneberg der gehobene Mittelstand niederlassen würde. Er behielt Recht. 

250.000 Mark in zwei Tagen

Der Kaiser von Siam gehörte im Eröffnungsjahr 1907 zu den besten Kunden im Kaufhaus des Westens. Zwei Tage lang kaufte er mit seinem Hofstaat in dem Warenhaus am Wittenbergplatz ein und gab dort nicht weniger als 250.000 Mark aus.

Hier entdeckten Berliner die Zitrone

Schon in den ersten Jahren war das Haus für seine Lebensmittelabteilung berühmt. Angeboten wurden Herrlichkeiten aus exotischen Ländern. Durch das KaDeWe lernten die Berliner zum Beispiel Zitronen kennen. In der Fischabteilung waren die Wände mit Marmor verkleidet. Heute ist die Feinschmeckerabteilung in der sechsten Etage die größte Feinkostabteilung Europas. Es gibt Vitrinen mit Trüffeln, Stopfleber, Kaviar, 14 Sorten Lachs, Langustenschwänze, Canapés. Hunderte Regale mit Hunderten Sorten Salz, Öl, Essig, Senf, Soßen, Tees, Konfitüren, Keksen und Pralinen aus aller Welt - 35.000 Artikel werden hier angeboten und es gibt mehr als 35 „Feinschmeckerbars“ für einen hochwertigen Imbiss, an denen jährlich 223.000 Gläser Champagner getrunken werden.

Als Erstes arisiert

Außer Rudolf Karstadt, der 1929 sein Haus am Hermannplatz in Neukölln eröffnete, waren die meisten Warenhausgründer jüdischen Glaubens. Auch Adolf Jandorf, der das KaDeWe 1927 an Hermann Tietz verkaufte. Jandorf starb 1932. Ein Jahr darauf übernahmen die Nazis das Kaufhaus des Westens, aus dem Unternehmen Hermann Tietz wurde Hertie. Das KaDeWe war das erste Warenhaus, das arisiert wurde: Die Eigentümer und die jüdischen Kaufleute wurden aus der Geschäftsleitung vertrieben, alle weiteren jüdischen Mitarbeiter entlassen.

Im Krieg zog es in einen Tanzpalast um

Im Jahr 1943 zerstörte ein amerikanisches Kriegsflugzeug das Haus nahezu vollständig. Aber das KaDeWe überlebte, in einem Notverkauf im Femina-Tanzpalast an der Nürnberger Straße. Am 3. Juli 1950 schließlich wurde der Neubau am Wittenbergplatz eröffnet. 180.000 Besucher kamen am ersten Tag. In der Nachkriegszeit deckte das Kaufhaus vornehmlich den Grundversorgungsbedarf. Erst in den siebziger Jahren besann sich das KaDeWe wieder stärker auf Luxusartikel.

Kindheitstraum von Berggruen

Nach langen und schwierigen Verhandlungen mit den Gläubigern von Highstreet übernahm 2010 die Berggruen Holdings des Investors Nicolas Berggruen die Geschäftsführung der Karstadt Warenhaus GmbH. „KaDeWe“ sei eines der ersten Worte gewesen, das Berggruen als Kind auf Deutsch sagen konnte. Das KaDeWe funktionierte für ihn so gut, dass er nichts an dessen Konzept ändern wollte.

Das größte Kaufhaus Europas

Mit seinen 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf acht Etagen ist das KaDeWe das größte Kaufhaus auf dem europäischen Kontinent. Täglich streifen über 50.000 Gäste durch das Haus, in der Vorweihnachtszeit sogar 100.000. Fast die Hälfte von ihnen sind Touristen. Es gibt etwa 2000 Verkäufer, 64 Rolltreppen, 26 Aufzüge und 14.000 Sprinklerdüsen. Allein die Weinabteilung bietet über 3400 Weine der weltweit bedeutendsten Weingüter an, die eigens von einem Sommelier ausgewählt und eingekauft werden.

Beliebt bei Räubern

Das KaDeWe gilt als eines der am besten geschützten Warenhäuser Europas; auch die Mitarbeiter unterliegen Schutzvorkehrungen. Trotzdem ist das Luxus-Kaufhaus in den vergangenen Jahren immer wieder zum Ziel von Kriminellen geworden. Zuletzt waren im Januar Einbrecher in einen Seiteneingang an der Ansbacher Straße eingedrungen. Sie erbeuteten Schmuck und Uhren im Wert von mehreren Hunderttausend Euro. Mit einem dunklen Mercedes flüchteten sie über den Wittenbergplatz. In der Wendlandzeile wurde das Auto brennend gefunden.

Bereits 2014 hatten fünf maskierte Männer das Luxus-Kaufhaus gestürmt und mit Axt, Machete, Hammer und Reizgas bewaffnet Vitrinen eingeschlagen. In nur 79 Sekunden waren Uhren, Schmuck im Wert von 817.000 Euro verschwunden. 13 Menschen wurden durch versprühtes Reizgas verletzt.

2009 hatten Diebe Schmuck und Uhren der im KaDeWe ansässigen Juwelier-Handelskette Christ im Wert von über vier Millionen Euro entwendet. Die Aktion war filmreif: Über ein vermutlich von innen geöffnetes Fenster an der Ansbacher Straße brachen sie im ersten Stockwerk ein und umgingen durch ein Abseilen im Lichthof die Lichtschranken oder Bewegungsmelder, die bis dahin an allen Rolltreppen und einigen Passagen angebracht waren.  

Italiener haben das Sagen

2013 wurde bekannt, dass die österreichische Signa Holding von René Benko das KaDeWe mit den beiden anderen Kaufhäusern der Karstadt Premium Group sowie den 28 Karstadt-Sporthäusern mehrheitlich mit 75,1 Prozent übernehmen wollte. 2014 genehmigte das Bundeskartellamt den vollständigen Verkauf des Karstadt-Konzerns der Berggruen Holdings an die Signa Holding. 2015 veräußerte Signa den Mehrheitsanteil (50,1 Prozent) an die italienische Warenhauskette La Rinascente. Deren Verwaltungsratsschef Vittorio Radice ist auch für die Umgestaltung des KaDeWe verantwortlich.

Umbau für 180 Millionen

Für insgesamt 180 Millionen Euro soll das Luxuskaufhaus für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht werden. Ein Anfang ist auch bereits gemacht: So wurde die Eingangsfront umgestaltet, statt der nur zwei Meter hohen Schaufenster Exemplare von 4,50 Meter Höhe in Rundbogenform installiert. Bis ins Jahr 2022 soll großflächig umgebaut werden - natürlich bei laufendem Betrieb.

Dabei soll die Geometrie des Kaufhauses komplett umgekehrt werden. Statt der üblichen Etagen-Gliederung soll nun vertikal sortiert werden. Dazu sollen vier unterschiedlich gestaltete Treppenhäuser entstehen. Dadurch sollen die Verkaufsbereiche übersichtlicher geraten und nicht mehr so uferlos flächig erscheinen. Das Dach wird die finale Krönung: Es weicht einem Glasbau, der die siebte Etage umrundet. Die Restaurants, Bars und der Dachgarten erhalten einen separaten Eingang und sind nach Ladenschluss geöffnet.