Bisher ist es noch eine Vision, doch spätestens 2014/15 soll der Rohbau fertig sein: Der Berliner Projekt- und Immobilienentwickler Dirk Moritz (50) plant am Sportforum in Alt-Hohenschönhausen einen Komplex für Handel, Gewerbe, Arztpraxen, Gastronomie, Hotellerie, Büro, Wohnen und Kultur. Der Clou: Dabei soll auch ein Hochhausturm mit 118 Metern Höhe entstehen – genau so hoch wie das „Zoofenster“ in der City West. Rund 450 Millionen Euro soll der Komplex kosten, der vor allem durch drei hohe Häuser geprägt wird. Haus zwei und drei sollen 66 und 48 Meter hoch werden, weitere kleinere Gebäude sind geplant.

„ The Square³ “ hat Moritz den Komplex genannt. Weil er sich zu einem lebendigen Platz für die Hohenschönhauser entwickeln soll. Das „hoch 3“ stehe für die drei Hochhäuser, sagt der Projektentwickler. Und die sollten, schließlich befindet man sich am Sportforum mit Olympiastützpunkt, in ihrer höhenmäßigen Abstufung auch ein wenig an ein Siegertreppchen erinnern.

Das Ensemble soll auf einem früheren TLG-Gelände an der Konrad-Wolf-Straße/Weißenseer Weg gebaut werden, das seit vielen Jahren ziemlich verwahrlost ist. Verschiedene Investoren wollten sich dort schon versuchen, geschehen ist bisher nichts. Vor zwei Jahren hat eine internationale Investorengruppe das Grundstück von der TLG gekauft. In deren Auftrag will die Anfang der 1990er-Jahre gegründete Moritz-Gruppe das Areal, auf dem sich früher unter anderem ein Sporthotel und ein Internat befanden, aus dem Dornröschen-Schlaf wecken. Dirk Moritz, früher selbst Leistungssportler und als studierter Sportlehrer ein Seiteneinsteiger in der Immobilienbranche, ist zuversichtlich, dass er das schafft.

Erfahrung mit schwierigen Arealen

Denn dem in Prenzlauer Berg aufgewachsenen Projektentwickler, der auch ein Büro in London hat, ist es bereits gelungen, andere Grundstücke, die als hoffnungslos für Investoren galten, erfolgreich zu entwickeln und zu vermarkten. Von ihm stammt die Idee, die alte Zuckerwarenfabrik an der Konrad-Wolf-Straße, ergänzt durch Neubauten, zum modernen Wohnstandort zu machen. Seit vergangenem Jahr kann man nun erstmals auch in Alt-Hohenschönhausen in Lofts wohnen. Auch in der Scharnhorststraße in Mitte entwickelte die Moritz-Gruppe erfolgreich ein 13 Jahre brachliegendes Gelände zu einem exklusiven Wohnstandort, ebenso das „Umspannwerk“, ein Industriegelände in Prenzlauer Berg.

Für Alt-Hohenschönhausen sagt Moritz eine rasante Entwicklung voraus: „Die City ist schließlich nicht weit.“ Nur etwa zehn Minuten braucht man mit der Straßenbahn bis zum Alexanderplatz. Der Ortsteil habe aber mit Ober- und Orankesee auch gute Erholungsmöglichkeiten zu bieten, mit dem Faulen See zudem das größte innerstädtische Naturschutzgebiet Berlins. Das Sportforum, in dem täglich mehr als 3500 Sportler trainieren und aus dem etliche Berliner Olympiasieger und Weltmeister kommen, werde bisher viel zu wenig als Standortvorteil vermarktet.

Gespräch in Schanghai und London

Mit diesen Pluspunkten will Moritz internationale Investoren für „ The Square³ “ werben, erste Gespräche sind schon in Schanghai und London vereinbart. Für eines der drei Baufelder auf dem Areal gibt es sogar bereits Bauherren: Die aus Dernbach im Westerwald stammenden Investoren Lutz Lakomski und Arndt Ulrich werden ein ehemaliges Wohnheim sanieren und zu einem Apartmenthaus mit etwa 150 bis 200 preiswerten Ein- und Zweizimmer-Wohnungen umbauen. Dort könnten Sportler oder auch Studenten wohnen, sagt Moritz. Ewa 400 weitere Wohnungen, etwas luxuriöser, könnten in den geplanten Hochhäusern entstehen.

Lichtenbergs Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) sagt, dass Alt-Hohenschönhausen mit dem Projekt eine nachhaltige Aufwertung erfahre. Es werde auch positive Wirkungen für die weitere Entwicklung des Sportforums haben. Karin Seidel-Kalmutzki (SPD), die Vorsitzende des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus, die selbst im Ortsteil wohnt, sieht das Projekt als „Highlight für Hohenschönhausen“, das weit über dessen Grenzen hinaus wirken wird: „Ich finde es gut, dass an diesem Standort endlich etwas passieren wird.“