Berlin - Ohne großes Spektakel nach außen läuft an der Humboldt-Universität derzeit ein gigantisches Umzugsprojekt. In der Uni-Bibliothek wechseln 1,2 Millionen Medien ihren Platz. Das entspricht einer Bücherreihe von 35 Kilometern. Bestände werden neu geordnet und sortiert, wenig genutzte Medien in das neu eingerichtete Speichermagazin der Humboldt-Uni nach Adlershof gebracht. „Diese umfangreichen Buchverlagerungen sind nötig, damit wir an unseren Bibliotheksstandorten auch in den nächsten Jahren genug Platz haben für die neu hinzukommenden Bücher“, sagt Frauke Engels, Leiterin der Benutzungsabteilung.

Die Umzugsaktion läuft bereits seit Anfang Februar diesen Jahres und wird bis Mitte April dauern. Im Speichermagazin in Adlershof mit einer Kapazität von 22.000 laufenden Regalmetern wurde als Erstes die Dissertationensammlung eingelagert. Das bisherige Außenmagazin musste geräumt werden, der Mietvertrag war abgelaufen.

In der größten Bibliothek der Humboldt-Uni, dem Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrum an der Geschwister-Scholl-Straße in Mitte, ist Platz für 2,5 Millionen Bücher. 1,5 Millionen von ihnen sind frei zugänglich. Weil alle Bücherregale in dem siebengeschossigen Neubau gefüllt sind, sortieren Mitarbeiter und Umzugshelfer seit Anfang März mehr als 600.000 Bücher um. Wenig genutzte Bücher werden nach Adlershof gebracht. Es sind überwiegend DDR-Bestände aus den 50-er bis 80er-Jahren, etwas russische Literatur in Originalsprache und Naturwissenschaften.

„Viel Platz für Neuanschaffungen“

Die größten Einschränkungen werden die Nutzer des Grimm-Zentrums in den kommenden zwei Woche erleben. Dann schließt die Bibliothek, nur das Foyer bleibt in dieser Zeit geöffnet. Dort können Leser geliehene Bücher zurückgeben, vorgemerkte Bücher und bestellte Fernleihen abholen und an den Computern arbeiten. Mitarbeiter geben Auskunft und beraten. Abgabefristen wurden bereits großzügig verlängert.

Nach der Schließzeit und dem Umzug der Bücher verspricht die Bibliotheksleitung ihren Lesern „viel Platz für Neuanschaffungen“. Die Uni-Bibliothek hat ihre Leserschaft mit Flyern über die anstehenden Einschränkungen informiert und an alle Nutzer E-Mails verschickt. Ein Umzugsblog informiert über Neuigkeiten.

Dort steht bereits der erste Eintragung einer schimpfenden Studentin. „Mal ganz ehrlich“, schreibt sie, „Was habt ihr euch dabei gedacht, zur Hochzeit der Hausarbeitsschreibphase die Bibliothek für zwei Wochen zu schließen? Abgesehen davon, dass das Grimm sowieso chronisch zu wenig Arbeitsplätze für die Studierenden bereithält (ich sehe so oft Studierende zwischen den Regalen ihr Lager aufschlagen). Unverschämt!“

Das Grimm-Zentrum eröffnete 2009. Der Neubau mit seinen 1250 Lese- und 500 Computerarbeitsplätzen hatte 75,5 Millionen Euro gekostet.