Der verstorbene DDR-Kabarettist Edgar Külow (1925 – 2012) hatte einen Running Gag: Wann immer er im DDR-Fernsehen auftrat, kam er am Ende auf den Fußballverein Einheit Pankow zu sprechen. Den Sportclub gab es zu Mauerzeiten zweimal – in Ost-Berlin und als VfB Pankow auch im West-Berliner Exil. Der Traditionsclub, im Jahr 1893 gegründet und längst wiedervereinigt, feiert dieser Tage seinen 125. Geburtstag.

„Attacke Einheit“ steht in blauen Graffiti-Buchstaben an der Fassade des Clubhauses im Paul-Zobel-Stadion. Draußen vor der Tür wartet Dirk Weißbach, standesgemäß mit einem Fußball unterm Arm. Der 59-Jährige ist Erster Vorsitzender des Clubs, der einst zu den Gründungsvereinen des Deutschen Fußballbundes (DFB) gehörte – und mehrere Nationalspieler hervorbrachte.

Oberliga Berlin seit 1918

Für die DDR-Auswahl standen Karl-Heinz Spickenagel (1932 – 2012) und Horst Assmy (1933 – 1972) auf dem Platz. Noch vor dem Ersten Weltkrieg gelang es Club-Eigengewächs Willy Schwedler (1894 – 1945), für ein Länderspiel in den deutschen Kader berufen zu werden. Am 18. September 1921 wurde er beim Unentschieden (3:3) gegen die finnische Nationalmannschaft in Helsinki eingesetzt. „Ich zeige Ihnen mal unsere Chronik“, sagt der heutige Club-Chef Dirk Weißbach und deutet auf ein leicht vergilbtes Heft, das 1993 zum 100. Vereinsgeburtstag entstand. Darin haben die Mitglieder ihre Erinnerungen hinterlassen.

Der VfB Einheit zu Pankow wurde am 10. August 1893 zunächst als VfB Pankow gegründet und kickte ab 1918 in der Oberliga Berlin. Bekanntestes Mitglied der frühen Jahre war der Stürmer und Profi-Fotograf Franz John (1872 – 1952). Ihn verschlug es aus beruflichen Gründen nach Süddeutschland, wo er am 27. Februar 1900 zu den Hauptinitiatoren der Gründung des FC Bayern München gehörte. John wurde erster Präsident des neuen Vereins und blieb bis 1903 in diesem Amt. 1904 kehrte er nach Pankow zurück, um auch dort Club-Chef zu werden.

Im Westen konnte man Geld verdienen

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der VfB Pankow aufgrund der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrats wie alle anderen Berliner Vereine aufgelöst werden. An seine Stelle trat die Sportgemeinschaft Pankow-Nord, die ab 1947 in der Berliner Stadtliga spielte und ab 1948 wieder VfB Pankow heißen durfte. Doch das Glück währte nur kurz.
„Über die Ereignisse, die 1951 zur Spaltung unseres Vereins führten, gibt es voneinander abweichende Geschichten“, sagt der heutige Club-Chef Dirk Weißbach. Er glaubt, dass Geld eine wesentliche Rolle spielte.

„Im West-Teil Berlins wurde das sogenannte Vertragsspielersystem eingeführt. Das hieß, man konnte mit Fußballspielen Geld verdienen.“ Davon ließen sich sechs Stammspieler locken. In der Folge wurde am 19. Juli 1951 der VfB Pankow (West-Berlin) gegründet. Er bekam Gastrecht im Fußballbetrieb West und durfte einen Sportplatz in Tegel nutzen.

Gewinn des FDGB-Pokals 1967

„Die DDR-Sportführung war natürlich nicht begeistert davon, dass es den Club nun zweimal gab“, sagt Weißbach. Sie zog die Mannschaften VfB Pankow (Ost-Berlin) und Union Oberschöneweide aus der Berliner Stadtliga zurück und gliederte sie in die höchste DDR-Fußball-Liga, die DDR-Oberliga, ein. Der VfB erhielt zu diesem Anlass auch einen neuen Namen: BSG Einheit Pankow.

Die sportlichen Erfolge waren wechselhaft. Es gab Spielzeiten in der DDR-Oberliga, der DDR-Liga und niedrigeren Ligen. Zu den Höhepunkten zählten der Gewinn des FDGB-Bezirkspokals (1967) und die Ost-Berliner Meisterschaft (1973). Daran denkt man im Verein, wie Dirk Weißbach bestätigt, noch heute gern zurück.

„Wir sind sehr stolz, dass auch im Jahr 2018 noch Spieler aus DDR-Zeiten bei uns aktiv sind, zum Beispiel in der Ü 60-Mannschaft.“ Dazu zählen Leo Weixelbaum, Thomas Newerla, Udo Solfrian (ältestes aktives Mitglied seit 1957), Klaus-Peter Pauly und Reinhard Mach.

"Einheit" (Ost) und "VfB" (West)

Aber weiter der Reihe nach: Mit dem Mauerfall 1989 kam bei den Fußballern die Frage nach einer möglichen Wiedervereinigung mit den West-Kickern auf. „Ich gebe zu, dass ich skeptisch war“, sagt Weißbach, der 1985 als Spieler zum Ost-Verein gestoßen war. Seine Zweifel legten sich am 14. Mai 1991. Es war der Tag des legendären Treffens bei „Joe am Wedding“, einer damals angesagten Gaststätte.

Ost- und West-Fußballer beschlossen in Anwesenheit des damaligen Reinickendorfer Bürgermeisters Detlef Dzembritzki (SPD), ab sofort wieder ein Verein zu sein. Der neue Club-Name sollte die Bestandteile „Einheit“ (Ost) und „VfB“ (West) zusammenführen. Er lautet deshalb seither: VfB Einheit zu Pankow 1893. Gemeinsame Heimstätte ist der Paul-Zobel-Sportplatz.

125. Vereinsgeburtstag am 10. August

„Heute haben wir 560 Mitglieder, davon 280 in der Jugendabteilung“, sagt Club-Chef Weißbach. Sportlich bewegt man sich nicht mehr im Spitzenbereich, aber die Jugendabteilung wurde im Jahr 2010 mit dem Eberhard-Bernatzki-Preis für herausragende Jugendarbeit geehrt. „Wir haben Ost und West erfolgreich integriert, nun integrieren wir Deutsche und Migranten“, so Weißbach.

Es gebe türkischstämmige Mitglieder unter den Spielern, aber auch im Trainerstab. Das Integrationsrezept sei im Grunde einfach: „Im Sport ist Fairness oberstes Gebot, und es gibt klare Regeln, die für alle gleich sind.“

Am 10. August, dem 125. Vereinsgeburtstag, findet ein Festakt im Rathaus Pankow statt. Am 8. September ist ein Team ehemaliger DDR-Nationalspieler um Lothar Kurbjuweit auf dem Paul-Zobel-Sportplatz zu Gast.