Berlin - Konfetti gibt es nicht, weil die Straßenreinigung zu teuer wäre, laute Musik ist auch verboten und der Präsident persönlich kümmert sich darum, dass keiner der fröhlichen Jecken über steinerne Pflanzkübel trampelt. Trotzdem soll es lustig zugehen beim Karneval in Berlin. Am Sonntag wollen bis zu 4 000 Faschings-Begeisterte durch die Stadt ziehen. Um 11.11 Uhr geht’s los, etwa 30 selbst geschmückte Wagen und weitere 50 sogenannte Fußgruppen sowie Musikkapellen sind dabei. Erwartet werden Zehntausende Besucher an der viereinhalb Kilometer langen Strecke, heißt es bei den Organisatoren.

Das Motto des diesjährigen Umzugs wurde quasi von der Politik diktiert, es kann gar nicht anders lauten als „BERlin – wir starten durch!“. Der verhinderte Möchtegern-Großflughafen verlockt überall zu Häme und Spott. Ein dreifaches Hei-Jo! den Organisatoren, die ansonsten nicht allzu viel zu lachen haben, wie die Leiterin des Umzuges Christiane Scholz einräumt: „Wir müssen die Schallobergrenze von 75 Dezibel für die Musik auf jedem Wagen vorher einpegeln lassen, nachdem sich in den Vorjahren Anwohner über Lärm beschwert hatten.“ Man sollte also nicht allzu laut jubeln, will man von der Musik etwas hören. In Düsseldorf, Mainz und Köln, wo während des Karnevals Ausnahmezustand herrscht, werden sie jetzt vollends überzeugt sein, dass Berlin zwar in vieler Hinsicht närrisch ist, aber vom Karneval nicht wirklich was versteht...

Nochmal richtig die Sau rauslassen

Dabei ist die Hauptstadt mal wieder vorneweg mit dem Umzug, eine Woche vor dem echten Rosenmontag wird hier gefeiert. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass es erneut „Entwicklungshilfe“ aus dem Rheinland gibt, wie der Präsident des Festumzugs Eddy Braun sagt: „Die Gruppen aus den Karnevalshochburgen helfen uns, sie üben in Berlin noch mal für ihre Umzüge.“

Traditionell wird Karneval am Wochenende vor der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern gefeiert. Der Name leitet sich ab aus dem lateinischen „carne levare“ – Fleisch wegnehmen – ab. Also vor der Fastenzeit noch mal so richtig die Sau rauslassen. Und obwohl Berlin weltweit als Feier-Hauptstadt gilt: Mit dem Karneval fremdelt die Stadt, dieser Brauch wird hier als eine Art Stiefbruder des Karnevals der Kulturen angesehen, zu dem immer zu Pfingsten die Massen strömen.

Eddy Braun ist trotzdem sicher, dass Karneval-affine Menschen in Berlin auf ihre Kosten kommen. Mitmarschieren am Sonntag wird er nicht, sagt er: „Ich muss am Breitscheidplatz aufpassen, dass niemand über die Beete latscht. Wir müssen sonst die Reparatur bezahlen.“