Berlins 13. Stadtbezirk? Was für eine Schnapsidee der CDU!

Das Umland muss der Stadt dienen? Die Union Berlin weiß offenbar nicht, wovon sie da redet. Ihre Idee schadet den Beziehungen zu Brandenburg.

Hinten am Horizont geht's weiter: Für einen 13. Bezirk muss das Grün weichen.
Hinten am Horizont geht's weiter: Für einen 13. Bezirk muss das Grün weichen.imago/Günter Schneider

Berlin, eine Stadt ohne Raum? Ein beklagenswertes Gemeinwesen, das durch Landnahme in der Nachbarschaft seine Wohnungsprobleme löst? Auf diese Schnapsidee ist die CDU Berlin verfallen. Sie will einen neuen 13. Bezirk errichten. 60.000 Wohnungen für 120.000 Einwohner auf einem Brandenburger Acker.

Das Ansinnen hat im Nachbarland fassungsloses Schulterzucken ausgelöst – wer will das ernst nehmen? Doch man hat seine Erfahrungen mit den Großstädtern, die glauben, das Umland müsse ihnen selbstverständlich zu Gebote stehen. Nur eine Zahl: Etwa ein Viertel der Bevölkerung der Großstadtregion lebt in Umlandkommunen.

Sie wissen nicht, wovon sie reden

Der christdemokratische Unfug ist also leider nicht nur ein wegzulachender Witz, er schadet den heiklen Beziehungen beider Bundesländer. Seit die Volksabstimmung über eine Fusion 1996 an den Brandenburgern krachend scheiterte, nähern sich die politisch und wirtschaftlich ungleichen Nachbarn mühsam an, denn sie müssen – auf Gedeih und Verderb – miteinander klarkommen. Seit 2019 gibt es den Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion. Das Modell des „Siedlungssterns“ soll die Balance zwischen wachsenden und neuen Siedlungen entlang von Verkehrsachsen und grünen Räumen dazwischen sichern.

Das Unionshirngespinst läuft dem klugen, langfristig und auf Ausgleich angelegten Konzept zuwider. Seine Urheber wissen offenkundig nicht, wovon sie reden. Wenn so der kommende Wahlkampf aussieht – armes Berlin.