17-jähriger soll Anschlag in Berlin geplant haben: Cousin verriet Nidal A. an die Polizei

Gerswalde - Ein 17-jähriger Jugendlicher hat möglicherweise einen Terroranschlag in Berlin geplant. Brandenburger Spezialeinheiten nahmen deshalb den jungen Mann am Dienstagmorgen in Gerswalde (Uckermark) fest. Es habe Gefahr im Verzug bestanden, hieß es.

Nach Informationen der Berliner Zeitung wurde der junge Mann von Syrern angezeigt. Nidal A. hatte sich nach Angaben von Ermittlern per Messenger-Nachricht von seiner Mutter, die im Libanon lebt, verabschiedet und mitgeteilt, dass er in den Dschihad eingetreten sei.

Die Frau informierte daraufhin einen Cousin des Verdächtigen, der in Berlin lebt. In der Nacht zum Dienstag, gegen 1.10 Uhr, wandte sich der Mann am U-Bahnhof Strausberger Platz in Berlin-Friedrichshain an Polizisten und informierte sie über die Abschieds-Nachricht. Der Cousin gab in der weiteren Vernehmung an, dass Nidal A. der islamistischen Szene angehöre.

Selbstmordanschlag am Montag in Berlin geplant?

Ebenfalls in der Nacht zum Dienstag erschienen zwei syrische Staatsangehörige auf dem Polizeirevier Wolfhagen in Hessen. Sie sagten dort ebenfalls aus, dass der 17-jährige Nidal am Montag einen Selbstmordanschlag in Berlin verüben wolle. Die Informationen wurden sofort an die Brandenburger Behörden weitergeleitet. Am frühen Morgen fuhren Polizisten zu dem Jugendheim in Gerswalde, in dem Nidal A. wohnte. In dem Heim, das von der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung Brandenburger Kinder und Jugendlicher mbH betrieben wird, einem Kinder- und Jugendhilfeträger, sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Dort lebte Nidal A. seit August des vergangenen Jahres.

Um 9 Uhr stürmten die Beamten das Zimmer des Jugendlichen. Er und sein Mitbewohner schliefen noch zu dieser Zeit. Die Beamten nahmen die beiden Jugendlichen in Gewahrsam. Der Verdächtige sei dabei nicht verletzt worden, sagte Polizeisprecher Torsten Herbst. Er habe auch keinen Widerstand geleistet. Der Mitbewohner, der zu den mutmaßlichen Plänen von Nidal A. nichts habe sagen können, sei wieder frei gekommen.

Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) durchsuchten danach die Räume des Heims. „Es wurden drei Handys und ein Tablet sichergestellt“, sagte der Polizeisprecher Herbst. Man könne derzeit sagen, dass das Tablet mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Tatverdächtigen gehöre. Die elektronischen Geräte würden nun von Experten des LKA ausgewertet. Mit Ergebnissen sei voraussichtlich am Mittwoch zu rechnen. „Anhaltspunkte für die Planung konkreter Taten konnten im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen bislang nicht erlangt werden“, sagte Herbst. Man habe in dem Heim weder Waffen, noch Sprengstoff, noch eine Flagge des IS oder ein Bekennerschreiben entdeckt.

Unerlaubt nach Deutschland eingereist

Laut Polizeisprecher ist der 17-Jährige im Herbst 2015 unerlaubt nach Deutschland eingereist. „Er kam über den Süden – also Österreich – nach Deutschland“, sagte Herbst. Unklar sei jedoch, ob es sich bei dem Jugendlichen wirklich um einen Syrer handele. „Das LKA hat Hinweise, wonach der junge Mann auch aus den Maghreb-Staaten kommen könnte“, erklärte der Polizeisprecher. Das hieße aus Nordafrika.

Nidal A. hatte bei seiner Einreise in Deutschland einen Asylantrag gestellt. „Er wird derzeit als Asylbewerber geführt. Wir haben die Unterlagen angefordert“, sagte der Polizeisprecher. Bei seiner Registrierung hatte der Jugendliche offenbar angegeben, im September 1999 in der syrischen Stadt Rakka geboren zu sei. Laut Herbst hege man keinen Zweifel daran, dass Nidal A. 17 Jahre alt sei. Polizeilich sei er bisher in Deutschland nicht in Erscheinung getreten.

Wie die Staatsanwaltschaft jetzt mit Nidal A. weiterverfahren wird, ist noch unklar. Er wird zurzeit intensiv befragt. Der Betreiber des Heims im uckermärkischen Gerswalde wollte sich nicht zu Nidal A. äußern.