Über Jahre hinweg mussten Polizisten auf völlig maroden Schießständen trainieren.
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BerlinDie Berliner Staatsanwaltschaft gerät wegen der Schießstand-Affäre weiter unter Druck. Der Ermittlungsbehörde wird vorgeworfen, die Ermittlungen zu verschleppen. Der Druck auf Generalstaatsanwältin Margarete Koppers wächst, da auch gegen sie ermittelt wird. Bisher sind 18 Polizisten gestorben, die an den giftigen Pulverdämpfen in Berlins Schießständen erkrankt sein sollen.

Wie Focus Online am Freitag berichtete, verzögere die Staatsanwaltschaft seit fünf Jahren das Ermittlungsverfahren, bei dem etwa 1600 Polizisten betroffen sind. Aufgrund giftiger Dämpfe in Berlins Schießständen wurden damals gegen Generalstaatsanwältin Margarete Koppers und die beiden früheren Polizeipräsidenten Dieter Glietsch und Klaus Kandt Strafanzeigen wegen Körperverletzung im Amt gestellt. Allerdings soll bisher keiner der Beschuldigten vernommen worden sein. Insbesondere Generalstaatsanwältin Koppers, also die Chefin der Ermittlungsbehörde, gerät durch die zurückhaltende Aufklärungsarbeit immer mehr in die Kritik.

Die frühere Polizeipräsidentin sitze derzeit auf einem Posten, der die Ermittlungen beeinflussen könnte, heißt es aus Polizeikreisen. Zudem wird ihr zu viel Nähe zu arabischen Clans nachgesagt. Nach Informationen dieser Zeitung soll ihr Anwalt der gleiche Rechtsbeistand sein, der auch eine kriminelle Großfamilie vertritt.

Generalstaatsanwältin Margarete Koppers.
Foto: Davids/Sven Darmer

Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, werde mit Nachdruck an dem „äußerst umfangreichen Verfahrenskomplex “ermittelt. Eine eigens dafür gegründete Ermittlungsgruppe von Staatsanwälten habe bislang etwa 150 Zeugen befragt und zusammen mit Ermittlern des LKA Akten von über 200.000 Blättern und 390 Gigabyte Daten ausgewertet, erklärte der leitende Oberstaatsanwalt Dirk Feuerberg. Die Ermittlungen umfassen neben rund 300 Sachverständigengutachten weitere 30 arbeitsmedizinische gerichtsärztliche Gutachten zu erkrankten Polizisten. „Im Wesentlichen konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Nachweisbarkeit eines Ursachenzusammenhangs zwischen dem Kontakt von Schadstoffen und den Erkrankungen“, so Feuerberg. 

Die Ermittler hätten das tragische Schicksal der betroffenen Beamten stets vor Augen. Laut Feuerberg würde sie dies jedoch nicht von der Notwendigkeit entbinden, die Ursachen im Falle einer Anklageerhebung gerichtsfest nachzuweisen.

Die Berliner Beamten von Spezialeinheiten sollen bei ihrem intensiven Schießtraining jahrelang krebserregende Pulverdämpfe eingeatmet haben, da die Entlüftungsanlage nicht funktionierte. Hohe Belastungen mit Blei, Antimon, Kupfer und Quecksilber sollen schwerwiegende Erkrankungen ausgelöst haben. Die Beschuldigten Koppers, Glietsch und Kandt waren angeblich über die Gefahren auf dem Schießstand informiert. Sie sollen allerdings nichts dagegen unternommen haben.