Ein Jahr nach dem islamistischen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wird an diesem Dienstag mit mehreren Gedenkveranstaltungen an die Opfer erinnert. Auch linke und rechte Bündnisse wollen den Jahrestag für politische Kundgebungen nutzen. Hier sind alle Termine im Überblick:

10.30 Uhr: Inoffizielle Eröffnung des Mahnmals

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigt den Angehörigen und Opfern schon vor der Andacht die neue Gedenkstätte an der Gedächtniskirche. Geplant ist ein kurzes, stilles Erinnern ohne Öffentlichkeit.

Der Berliner Senat hat die nächsten Angehörigen der Todesopfer sowie die damals Verletzten zu den Gedenkfeiern eingeladen. Das Land übernimmt die Organisation der Reise und bei den auswärtigen Gästen die Reise- und Hotelkosten.

11.15 Uhr: Religionsübergreifende Andacht in der Gedächtniskirche 

Unter den Gottesdienst-Teilnehmern sind auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Steinmeier wird ebenso wie der evangelische Bischof Markus Dröge eine kurze Ansprache halten. Eingeladen sind neben den Opfern auch Helfer und zahlreiche Vertreter der Politik.

Mitwirken werden außerdem der katholische Erzbischof Heiner Koch, ein Rabbiner und ein Imam. Erwartet werden unter anderem Außenminister Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas (beide SPD), der komplette Berliner Senat sowie Botschafter.

12 Uhr: Offizielle Eröffnung des Mahnmals

Nach der Andacht stellt Müller die neue Gedenkstätte an der Gedächtniskirche der Öffentlichkeit mit einer kurzen Ansprache vor. Auch hier hat Merkel ihre Teilnahme zugesagt. An den Stufen an der Kirche sollen die Namen der zwölf Toten zu lesen sein.

Durch den Boden zieht sich ein Riss, der mit goldener Farbe aufgefüllt wird. Er soll den Riss durch das Leben vieler Menschen symbolisieren, der durch den Terroranschlag ausgelöst wurde. Wir werden die Eröffnung mit einem Live-Video begleiten.

13 Uhr: Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus

Ab 13 Uhr besuchen die Opfer das Berliner Abgeordnetenhaus. Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD), Müller und der Opferbeauftragte Kurt Beck werden sprechen. Dort soll es auch einen Rückzugsraum für Opfer geben. Vor Ort berichtet unsere Landespolitik-Reporterin Sabine Rennefanz.

In den Monaten nach dem Anschlag hatten immer wieder Opfer und Angehörige mangelnde Betreuung kritisiert. Viele hatten sich auch beschwert, dass die erste Gedenkandacht am 20. Dezember 2016, unmittelbar nach dem Anschlag, nicht für die - damals weitgehend noch nicht bekannten - Opfer gedacht war.

14 Uhr: Mahnwache der Schausteller

Die AG City, der Schaustellerverband Berlin und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde laden zum gemeinsamen Gedenken mit einer Mahnwache auf dem Breitscheidplatz. Vor Ort berichtet unsere Reporterin Silvia Perdoni.

17-20 Uhr: Kundgebung der Linken

„Solidarität statt Hetze“, heißt die Veranstaltung, für die in Berlin mit Plakaten geworben wird. Sie findet in der Hardenbergstraße vor dem Zoopalast statt. Bis Sonntag hatten bei Facebook schon 1400 Gäste zugesagt. Angemeldet wurde die Kundgebung von einem Mitglied der Linken: Maximilian Schirmer engagiert sich im Berliner Bündnis gegen Rechts.

„Die Kundgebung soll in Co-Existenz mit der offiziellen Gedenkfeier stattfinden. Das ist auch mit der Polizei abgesprochen. Wenn es Schweigeminuten oder Ansprachen geben sollte, werden wir die natürlich nicht mit eigenen Reden oder Sprechchören stören“, sagt er. Schon im vergangenen Jahr hatten die Aktivisten nach dem Anschlag eine ähnliche Kundgebung organisiert, um den Angehörigen und Betroffenen beizustehen. 

18-21 Uhr: Kundgebung der Rechten

„Die Grenzen schließen, nicht die Weihnachtsmärkte“, heißt die Kundgebung, die von einem NPD-Mitglied angemeldet worden ist und zwischen 19 und 21 Uhr stattfinden soll. Der Initiator rechnet mit 50 Teilnehmern. Die Veranstaltung soll zwischen der Rankestraße und Marburger Straße stattfinden..

Deutlich mehr Teilnehmer erwartet ein Privatanmelder, der die Kundgebung „Berlin gegen Islamismus“zwischen Kurfürstendamm und Rankestraße angekündigt hat - genau zwischen der NPD-Kundgebung und dem Breitscheidplatz. Er rechnet mit 200 Teilnehmern in der Zeit zwischen 18 und 21 Uhr.

Als Redner sollen unter anderem Samuel Schirmbeck und Alice Schwarzer mit einem Grußwort auftreten. „Personen, die rechtsextremen oder islamistischen Organisationen angehören, der rechtsextremen oder islamistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische, islamistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind" soll der Zutritt zur Veranstaltung verwehrt werden, so die Initiatoren.

18.30 Uhr: Friedensgebet

Öffentliches ökumenisches Friedensgebet mit dem Friedenslicht von Bethlehem in der Gedächtniskirche und dem Bachchor der Kirchengemeinde.

19.30 Uhr: Friedenskundgebung mit Jocelyn B. Smith

Eröffnung einer Friedenskundgebung durch die Sängerin Jocelyn B. Smith. Die Soulsängerin veranstaltet jeden Mittwoch einen offenen Chor in der Gedächtniskirche. Auch Laien sind bei "Everybody Can Sing" willkommen. 

Zwei Tage nach dem Anschlag sorgten diese Sänger und Sängerinnen für einen Gänsehautmoment: Gemeinsam mit dem "Begegnungschor", einem Flüchtlingschor der Hauptstadt, und Passanten, sangen sie am 21. Dezember 2016 auf dem Breitscheidplatz unter anderem den Song "We Are The World" - um zu zeigen, dass wir in diesen Zeiten enger zusammenrücken müssen, anstatt Hass zu säen. 

20.02: Glockenläuten und Lichterkette

Ab 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, läuten die Glocken der Gedächtniskirche zwölf Minuten lang. Die Besucher der Kundgebung sind aufgefordert, eine Lichterkette um die Kirche zu bilden. Wir werden mit einem Live-Video vor Ort sein.

Bei dem Anschlag mit einem entführten Lastwagen tötete der islamistische Terrorist Anis Amri am Abend des 19. Dezember 2016 zwölf Menschen und verletzte etwa 70. Dazu kommen Dutzende Helfer, die noch heute traumatisiert sind. Amri wurde vier Tage später auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen. (BLZ/dpa)