Man kann in der südlichen Start- und Landebahn des Flughafens Tegel einfach das sehen, was sie ist: eine Start- und Landebahn eben, knapp zweieinhalb Kilometer lang und 46 Meter breit. Mit dem richtigen Blick aber kann man ihre besondere Schönheit entdecken. Ralph Struck jedenfalls, der Leiter des Bereichs Facility Management bei der Flughafengesellschaft, dreht sich spontan um, als er über die Bahn läuft, genießt den Blick zum östlichen Ende der Bahn und ruft: „Diese Oberfläche!“ Die Oberfläche nämlich ist ganz neu. Mit Anti-Rutschbelag und ohne die kleinste Unebenheit. „Früher hatten wir hier 350 Flickstellen“, sagt Strucks Kollege Hergo Eggert.

Neuzugang im Technikmuseum

Es ist Donnerstagvormittag, und die Flughafengesellschaft hat zu einer Rundtour über den Flughafen Tegel eingeladen. Die Exkursion soll dazu dienen, Investitionsentscheidungen verständlich zu machen, die zunächst bizarr anmuten. Sollte alles nach Plan laufen, dann eröffnet in ungefähr zwei Jahren der BER, das Terminal in Tegel wird entkernt und zu einem zentralen Gebäude des geplanten Technologieparks. Dennoch kündigte die Flughafengesellschaft im März an, bis zur Schließung 19 Millionen Euro in Tegel zu investieren. Eine erhebliche Summe, die bestenfalls zu kleinen Teilen der späteren Nutzung zugute kommt.

Sie ist dennoch unbedingt notwendig, versichern die Experten der Flughafengesellschaft und Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD), der auch an der Besichtigung teilnimmt. „Tegel ist in die Verlängerung gegangen“, sagt Gaebler. Die Betriebssicherheit müsse unter allen Umständen aufrecht erhalten bleiben: Damit es keine Unglücke gibt, aber auch keine gravierenden Störungen. Bis zu 56 Flugbewegungen – also Starts und Landungen – finden in Tegel pro Stunde statt. „Der Flughafen fährt unter sehr großer Überlast“, sagt Gaebler. „Jede Störung setzt sich fort und ist schwer aufzuholen.“

Erster Stopp ist die Technikzentrale, ein dunkelbrauner Bau am südlichen Rand des Flughafengeländes, architektonisch dem Terminal und dem Luftfrachtgebäude sehr ähnlich. Bis vor kurzem befand sich im Inneren ein Technikmuseum im Alltagsbetrieb. Die technische Infrastruktur besteht bis heute zu wesentlichen Teilen aus der Erstausstattung von 1974.

Zeitgemäße Technik

Zumindest an zwei relevanten Stellen kommt jetzt zeitgemäße Technik zum Einsatz. Eines der Kühlaggregate musste ersetzt werden, bei einem Stromausfall war die alte Maschine irreparabel beschädigt worden. Kosten: 504.000 Euro, zumindest ein Teil wird durch den geringeren Energieverbrauch refinanziert. Der Austausch erfolgte im Juli, gerade noch rechtzeitig vor der Hitzewelle, sonst hätten im Terminal wochenlang unzumutbare Temperaturen geherrscht.

Die zweite Modernisierungsmaßnahme war im engen Sinn sicherheitsrelevant. Der riesige Tank der Sprinkleranlage hatte Rost angesetzt, Partikel drohten im Ernstfall die feinen Düsen zu verstopfen. Nun steht im Inneren der Technikzentrale ein neuer Tank. 23.000 Liter fasst er, bis zu 3000 Liter pro Minute fließen durch die Leitungen. Der Stahlbehälter war vergleichsweise günstig: 50.000 Euro.

Eine der teuersten Maßnahmen war dagegen der eingangs erwähnte Anti-Rutschbelag der Südbahn. 17 Jahre waren vergangen seit der letzten Sanierung der Piste. Nun wurde sie für drei Millionen Euro instandgesetzt. 26 Nächte dauerten die Arbeiten, vier Jahre soll die neue Oberfläche halten – nach Plan also über die Schließung hinaus.

Auch diese Maßnahme sei unverzichtbar gewesen, sagt Elmar Kleinert, Betriebsleiter der Flughafengesellschaft. Hätte sich der Verfall der Bahn fortgesetzt, dann hätten sich Teile des Belags lösen und in Flugzeugturbinen geraten können – ein ernstes Sicherheitsrisiko. „Ich unterwerfe mich keinem kommerziellen Diktat, was die Betriebssicherheit in Tegel angeht“, betont er.

Ein Jahr lang wird noch gebaut

Der neue Belag hat die Sicherheit sogar erhöht. Es handelt sich nicht etwa um eine einfache Asphaltoberfläche. Auf den Asphalt wird Harz aufgetragen, darauf kommt Split, der mit einer weiteren Harzschicht gebunden wird. „Das ist so griffig, dass Sie mit dem Fahrrad einen Platten kriegen würden, wenn Sie hier eine Vollbremsung machen“, behauptet Betriebsleiter Kleinert. Die Bahn ist ja auch nicht für Fahrräder gedacht, sondern für Flugzeuge, die nun bei schlechtem Wetter sicherer starten und landen können.

Abgeschlossen sind die Arbeiten in Tegel noch längst nicht. Die Sanitärbereiche werden renoviert, Abwasserleitungen getauscht, die Haustechnik modernisiert. Wenn es gut läuft, ist im nächsten Sommer alles fertig. Alles andere muss dann nur noch ein Jahr durchhalten.