Berlin - Bei den Demonstrationen zum 1. Mai in Berlin sind nach vorläufigen Zahlen mehr als 100 Menschen festgenommen und etwa 30 verletzt worden. Das sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstagmorgen. Dies sei jedoch noch keine endgültige Bilanz des Mittwochs, betonte er. Diese falle nach bisheriger Einschätzung insgesamt positiv aus und sollte später am Donnerstag veröffentlicht werden.

In einer ersten Einschätzung hatte sich Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Mittwochabend im RBB-Fernsehen zufrieden mit dem Verlauf der Demonstrationen geäußert. „Unsere Strategie ist voll aufgegangen“, sagte sie mit Blick auf die „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“ mit mehreren tausend Teilnehmern. Innensenator Andreas Geisel (SPD) dankte am Abend per Twitter den Polizeikräften für ihre „hervorragende Arbeit“.

Nach dem Ende des nicht angemeldeten Protests linksradikaler Gruppen kam es in der Warschauer Straße zu Flaschen- und Steinwürfen gegen Polizisten sowie Rangeleien. Mehrere Personen wurden dort vorläufig festgenommen. Auch an anderen Orten seien vereinzelt wiedererkannte Straftäter festgenommen worden, twitterte die Polizei.

Der Protestzug unter dem Motto „Gegen die Stadt der Reichen“ führte in diesem Jahr durch den Stadtteil Friedrichshain und nicht durch Kreuzberg wie in den Vorjahren. Die Demonstranten zogen auch durch Teile der Rigaer Straße, die lange als Symbol der Hausbesetzerszene galt. Dort waren die Teilnehmer von Sympathisanten minutenlang mit Böllern und Rauchfackeln begrüßt worden. Noch am Mittwochabend machten Mitarbeiter der Stadtreinigung dort sauber.

Sprecher Cablitz sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Großteil der Demonstranten habe sich friedlich verhalten. Es sei gut, wenn gesellschaftliche Themen auf die Straße gebracht werden.

In früheren Jahren gab es bei der abendlichen Demonstration linksradikaler Gruppen mit bis zu 10.000 Teilnehmern immer wieder Gewalt und Zusammenstöße zwischen Randalierern und Polizei. Wie im Vorjahr nahm die Gewalt nun deutlich ab.

An dem Mai-Feiertag waren 5500 Polizisten in der Hauptstadt im Einsatz, darunter Kräfte aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei. Allein für die „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“ waren 2000 Beamte eingeteilt.