Berlin - Vor zwei Jahren wurde das Haus Liebigstraße 14 in Friedrichshain von der Polizei geräumt. 2 500 Beamte waren damals gegen verbarrikadierte und Steine werfende Bewohner und Sympathisanten im Einsatz. Es gab 82 Festnahmen und Schäden in Millionenhöhe. Mehr als 30 Randalierer standen seither vor Gericht, der möglicherweise letzte Prozess gegen sechs junge Männer läuft derzeit vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Der Altbau an der Ecke zur Rigaer Straße ist zwar längst saniert und neu vermietet, doch für viele Ex-Bewohner und ihre Freunde bleibt er ein Symbol. Zum zweiten Jahrestag der gewaltsamen Räumung am kommenden Sonnabend wird kräftig mobilisiert – zur „Zombie-Kundgebung mit Musik und „brandneuen Infos zu aktuellen Bewegungen“, wie es im Internet heißt.

Direkt vor dem Haus, auf der Kreuzung Liebigstraße/Rigaer Straße, die von den Ex-Bewohnern auch Dorfplatz genannt wird, soll die Kundgebung mit Mahnwache steigen. Man fühlt sich dazu politisch legitimiert. „Immer noch werden Mieter und linke Hausprojekte gekündigt, raussaniert und aus der Innenstadt verdrängt“, heißt es im Aufruf. Und: „Von der offiziellen Politik ist keine Hilfe zu erwarten.“ Es bleibe wichtig, Investoren und Politikern zu zeigen, dass ihre Probleme mit einer Räumung noch längst nicht vorbei sind.

Demo zum Jahrestag geplant

Die Liebigstraße 14 galt über Jahre als sogenanntes linkes Hausprojekt. Der Fünfgeschosser war 1990 besetzt worden, die Besetzer erhielten 1992 ordentliche Mietverträge für neun Wohnungen. Doch der neue Eigentümer, der das Haus 1999 kaufte, erkannte die Verträge nicht an und klagte die Mieter erfolgreich raus. Das Hausprojekt, das bis dahin in der linken Szene eher unbeachtet war, erfuhr jetzt eine beispiellose Solidarität.

Sympathisanten aus aller Welt reisten an und halfen beim Barrikadenbau vor der Räumung. So wurde ein ganzes Treppenhaus demoliert. Auch später kam es immer wieder zu Gewalttaten. Neue Fenster gingen zu Bruch, Ziegel wurden vom Dach geklaut, Steine und Farbbeutel flogen.

Am ersten Jahrestag der Räumung im Vorjahr kam es vor dem Haus zu Straßenschlachten zwischen Randalierern und Polizei. Von den für diesen Sonnabend angekündigten Aktionen wie zum Beispiel einem „Weihnachtsbaumverbrennen“ weiß die Polizei nichts. Es sei nur eine Demonstration angemeldet worden, heißt es. Ihr Motto: Mehr Lebensqualität durch Mietsteigerung! Die Demo soll um 16 Uhr von der Rigaer Straße über die Schillingbrücke zur Köpenicker Straße nach Mitte führen. Dort planen die Liebig-14-Leute eine Solidaritätsaktion für die Köpi-Wagenburg, die bedroht sei.

Die Aufrufer zur Demo nennen sich Friedrichshainer Patriotische Demokraten, abgekürzt FPD. Wer dahinter steht, ist unklar. Ihre gelb-blauen Plakate an Häuserwänden tragen Aufschriften wie „Zombies raus aus unseren Kapitalanlagen!“ Auch „Wagenplätze zu Townhouses!“ ist zu lesen. Auch wenn dies das Werk einer Spaßguerilla ist, für ausreichend Zorn am Sonnabend ist gesorgt.