Berlin - Wenn der Taxifahrer Mehdi Ebrahimzadeh das Wort „Mykonos“ hört, läuft in seinem Kopf ein immergleicher Film ab, sagt er. Das funktioniert selbst dann, wenn man ihn auf dem Handy erreicht, während er am Flughafen Tegel auf Fahrgäste wartet.

„Ich kann mich an jedes Detail erinnern, jedes Wort, jede Bewegung, jedes Geräusch“, erzählt er. „Zum Beispiel daran, wie es klang, als die leeren Patronenhülsen aus den Maschinenpistolen auf den Boden fielen. Wie Hagel: Klack, Klack, Klack.“ 30 Sekunden dauerte der Anschlag. 20 Jahre sind seither vergangen.

Am 17. September 1992 stürmte ein vom Iran geschicktes Kommando in ein Hinterzimmer des griechischen Restaurants Mykonos in der Prager Straße in Wilmersdorf und schoss auf eine Gruppe von Oppositionellen. Vier Personen kamen ums Leben. Mehdi Ebrahimzadeh saß zwischen den Opfern. Er kam schwer traumatisiert davon.

Zum 20. Jahrestag des staatsterroristischen Attentats erinnern am Wochenende Veranstaltungen am Tatort (Kundgebung an der Prager Str. 2 an der Gedenktafel am Sonnabend um 14.00 Uhr) und in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen an das Verbrechen. Auch in Köln, London und Paris wird der Opfer gedacht.

Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur Mehdi Ebrahimzadeh war im Herbst 1992 Mitglied des Zentralrats der Volksfedayin Iran (Mehrheit), damals eine der größten Oppositionsparteien. Er hatte schon unter dem Schah im Gefängnis gesessen, war 1985 aus Furcht vor Folter und Hinrichtung aus der Islamischen Republik geflohen und lebte seit sieben Jahren in Berlin.

Machtbeweis der Mullahs

Am Abend des 17. September war er mit anderen Exil-Iranern Gastgeber für eine Delegation von Politikern der als sozialdemokratisch geltenden Demokratischen Partei Kurdistans (DPK-I). Alle Delegationsmitglieder wurden erschossen, ebenso ein Gastgeber. Außer Ebrahimzadeh überlebten nur vier Teilnehmer.

Ebrahimzadeh wertet das Attentat als Machtbeweis der Mullahs: „Sie wollten zeigen, dass sie ihre Gegner überall kriegen können.“ Heute habe die Bedrohung für Exilanten nachgelassen. Aber die Unterdrückung im Iran sei noch riesig.

Die juristische Verfolgung zog sich wegen der großen politischen Bedeutung über dreieinhalb Jahre hin. Nachdem sie anfangs versucht hatte, den Iran aus Opportunitätsgründen ganz aus dem Prozess herauszuhalten, hielt die Bundesregierung Informationen über die Täter zurück.

In seinen Urteilen vom April 1997 stellte das Kammergericht aber klar, dass der Mordauftrag von staatlichen Stellen des Iran kam. Die beiden Haupttäter, der Iraner Kazem Darabi und der Libanese Abbas Rhayel, erhielten lebenslänglich.

Ein Schlussstrich unter die juristische Aufarbeitung wurde am 10. Dezember 2007 gezogen: Als letzter wurde Darabi vorzeitig aus der Haft entlassen und noch am selben Tag in den Iran abgeschoben.