Der Ort für diese Jubiläumsfeier war geeignet, Zweifel an Großzügigkeit, Geschmack und Stilempfinden der Gastgeberin auszulösen. Wer lädt denn zum 20. Berufsjubiläum in eine Filiale des Burgerbraters McDonalds ein? Gerlinde Jänicke tut so etwas. Und sie hat ihre Gründe.

Als Radiolegende Rik De Lisle (Kampfname: Der alte Ami) sie vor zwei Jahrzehnten ans Mikrofon holte, stand sie nämlich in der Steglitzer Schlossstraße hinter einem Verkaufstresen dieser Schnellrestaurantkette. Nie stimmte bei ihr die Kasse. Immer wieder musste sie deshalb die Klos putzen. „Ich war bei Burger-King gerade rausgeflogen, weil ich einen Gast mit einem Wischmopp verprügelt hatte. So lautete jedenfalls die Interpretation des Filialleiters. Nach meiner Erinnerung habe ich mich nur gewehrt und dazu den Mopp benutzt.“

Und dann kam De Lisle. Zu den urbanen Mythen gehört es, dass er bei seiner Burgerbestellung die Stimme von Verkäuferin Gerlinde hörte und ausrief: „Ich mache dich zum Star!“ Der Spruch stimmt, aber ganz so schicksalshaft-zufällig war ihre Begegnung dann doch nicht. Gerlinde Jänicke, die heute bei 104.6 RTL Radio am Wochenende und als Urlaubsvertretung moderiert, war De Lisle schon Jahre zuvor begegnet: „Ich ging mit seiner Tochter auf eine Schule. Dann verloren wir uns aus den Augen.“ Irgendwann rief er bei ihr an und fragte, was sie so treibt. Und bot der Verrückten, die seiner Meinung nach dringend hinter ein Mikro gehörte, einen Job bei r.s.2 an, wo er gerade Programmdirektor geworden war.

Gerlinde Jänicke erinnert sich: „Ich konnte nichts. Die anderen waren alle gelernte Journalisten und einige von ihnen haben mich das auch spüren lassen.“ Mangelnde Qualifikation versuchte sie durch besonderen Einsatz wettzumachen: „Ich habe an sieben Tagen pro Woche jeweils 14 Stunden gearbeitet. Ich wollte Rik, der sich so für mich einsetzte und damit seinen Job riskierte, nicht enttäuschen.“

Bestsellerautor Sebastian Fitzek, der Gerlinde Jänicke in seiner Zeit als Programmdirektor des Berliner Rundfunks mal abwarb und auch einige Jahre mit ihr liiert war, hatte sich bereiterklärt, bei der Jubiläumsfeier die Rede zu halten. Eine heikle Aufgabe: „Vieles kann ich nicht erzählen, schließlich hören Gerlindes Vater und ihr Lebensgefährte zu.“ Fitzek erinnert sich daran, wie Gerlinde ihre aktuelle Festanstellung bei 104.6 RTL bekam: „Die damalige Ko-Moderatorin von Arno Müller war erkrankt und wir telefonierten vier Uhr in der Frühe eine Liste mit möglichen Ersatzkolleginnen ab. Die konnten alle nicht oder gingen nicht ans Telefon. Am Ende versuchte ich es bei Gerlinde.“ Kurz darauf stand sie im Studio und lieferte so eine beeindruckende Ko-Moderation ab, dass Müller ihr direkt nach der Sendung einen festen Job anbot.

Später folgte eine Abmahnung für ein mit Bier überschwemmtes Mischpult. Und keine Abmahnung für ein Hundehäufchen vor dem Büro der Geschäftsführung, weil ihr niemand nachweisen konnte, dass das ihr Hund war (sie streitet es bis heute ab). Inzwischen haben sich alle an Gerlindes Macken gewöhnt. Sie könnte sich zum Beispiel niemals auf einen Stuhl setzen, der von einer anderen Person noch warm ist. Sie steht dann lieber. Fitzek nennt eine weitere Besonderheit: „Alle, die mit Gerlinde zusammengearbeitet haben, brauchen anschließend eine Stunde Erholung.“