Jede und jeder kennt dieses Gefühl: Man hat etwas gemacht, das falsch ist, wie man es auch wendet und dreht. Man wird dabei erwischt und ärgert sich – vor allem, weil um einen herum doch alle das Gleiche tun, ohne dass dies für sie irgendwelche Konsequenzen hätte. Die eigene Schuld wird dadurch nicht kleiner, dafür aber durch die Relation umso schwerer: Warum ausgerechnet ich?

Es gibt bei verschiedentlichem Fehlverhalten durchaus einen Graubereich, etwa wenn der Fehler nicht vorsätzlich erfolgt: gedankenverloren mit einem abgelaufenen Fahrschein in den Bus steigen, zum Beispiel. Egal, wie aufrichtig erschrocken man über sich selbst ist, die Strafe bleibt die gleiche.

Teurer Strafzettel für Carsharing-Parkvergehen

Etwa auf diesem Level flatterte dieser Tage ein Schreiben der Polizei Berlin in den Briefkasten. Angezeigt war eine Ordnungswidrigkeit, die allerdings gar kein Bußgeld nach sich zog. Um das in Rechnung stellen zu können, lag das Vergehen nämlich schon zu lange zurück: über ein halbes Jahr. Es ist schon eine sportliche Herausforderung, eine Situation vor über sechs Monaten zu rekonstruieren. Es soll Menschen geben, die nicht mal wissen, was sie vorgestern gemacht haben.

Ein halbes Jahr ist, sprechen wir es aus, ziemlich happig. Zumal das Schreiben zwar kein Bußgeld forderte, dafür aber die Begleichung von Abschleppkosten in Höhe von knapp 200 Euro. Wenn Sie sich nun fragen, warum es so lange dauert, bis endlich der konkrete Grund genannt wird: Genau so hat es sich für mich ja auch angefühlt: Was? Wann? Wo? Wieso?

Zumal als jemand, der zumindest von sich behauptet, um umsichtiges Verhalten bemüht zu sein.

Fast so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn: 20 Stunden kein Neumieter

Anhand von alten Abrechnungen eines Carsharing-Anbieters gelang es, die Dinge zu erhellen: Ich hatte am vorgeworfenen Tatort tatsächlich einen Kurzzeit-Mietwagen abgestellt – im sicheren Glauben, dass das Auto zu der Zeit, die tags darauf zur Tatzeit werden sollte, dort gar nicht mehr stehen würde. In der Praxis ist es meistens eine sichere Nummer: Die gerade abgemeldeten Carsharing-Wagen finden binnen Minuten neue Fahrer.

Wohl in diesem Selbstverständnis stellen viele Nutzerinnen und Nutzer die Autos an den unmöglichsten Stellen ab – und bleiben eben meist straffrei. In diesem Fall hatte ich den Wagen ordentlich geparkt, in einem Bereich, der am Wochenende als Parkzone diente – allerdings ab dem nächsten Tag zum Parkverbot wurde. Dass eines dieser Autos über zwanzig Stunden nicht neu vermietet wird, ist in Sachen Wahrscheinlichkeit nahe vorbeigeschrammt am Lottogewinn. Was bleibt, ist Verwunderung: Warum bleiben gleichzeitig so viele vorsätzliche Falschparker unbehelligt? Und wie viele Bußgelder gehen der Stadt wohl flöten, weil die Bearbeitung zu lange dauert?