Clanboss Arafat Abou-Chaker (3. v. li.) setzt sich am Eingang des Zwölf-Apostel-Friedhofs in Schöneberg eine Maske auf.
Foto: Eric Richard

BerlinDie Bestattung der Mutter des bekannten Berliner Clanchefs Arafat Abou-Chaker hat am Freitag einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Mehr als 200 Beamte hatten sich am Vormittag rund um den Zwölf-Apostel-Friedhof in Schöneberg positioniert, um die Corona-Regeln durchzusetzen. Entgegen der Befürchtungen der Polizei folgten die zahlreichen Mitglieder arabischer Großfamilien den Vorgaben des Staates. Sie trugen sich gewissenhaft in eine Namensliste ein und legten brav ihre Masken an.

„Da die Veranstaltung unter freiem Himmel stattgefunden hat, waren die Auflagen jetzt nicht allzu streng. Und eigentlich haben sich alle bemüht, sich an den Infektionsschutz zu halten“, sagte Polizeisprecherin Anja Dierschke. Etwa 700 Trauergäste strömten zwischen 10 und 11 Uhr auf den Friedhof, darunter die vier Söhne der verstorbenen Frau. Der wohl bekannteste von ihnen, Arafat Abou-Chaker, hatte am Tag zuvor auf Instagram dazu aufgerufen, die derzeitigen Hygienemaßnahmen zu beachten. Er bat die Gäste zudem, früh zu kommen, da es nur wenige Parkplätze gibt. „Bitte parkt nur an erlaubten Stellen“, schrieb der 44-Jährige. Um Staus zu verhindern, setzte die Polizei Beamte der Verkehrslenkung ein. Einige wenige Einsatzkräfte kontrollierten während der Beisetzung, ob Maskenpflicht und Mindestabstand eingehalten wurden. Nach Angaben der Polizeisprecherin musste nicht eingegriffen werden. 

Auch Clanboss Issa Remmo nahm Abschied

Nach Redebeiträgen und Gebeten wurde der Sarg über die Schultern der Trauergäste zur Grabstelle geleitet. Wie bei islamischen Begräbnissen üblich, nahmen die Männer und Frauen getrennt voneinander Abschied von der Verstorbenen. So verließen die ersten Herren nach mehr als einer Stunde die Beerdigung, woraufhin der deutlich kleineren Gruppe, den Frauen, der Zutritt gewährt wurde.

Auch Issa Remmo, Oberhaupt einer libanesischen Großfamilie, zollte der Verstorbenen seinen Respekt. Der 53-jährige Clanchef erschien mit seinem Sohn, kurz nachdem die Zeremonie begonnen hatte. Damit entsprach Remmo einer Sitte unter Großfamilien. Auch Arafat Abou-Chaker war bei der Beerdigung der Mutter von Remmo im April dieses Jahres. Die Polizei hatte die Bestattung damals ebenfalls begleitet. Da noch strengere Auflagen zum Infektionsschutz galten, kam es vereinzelt zu Lautsprecherdurchsagen. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz.

Auch Issa Remmo, Oberhaupt einer libanesischen Großfamilie, erwies der Verstorbenen eines anderen Clans die letzte Ehre. Er kam mit seinem Sohn.
Foto: Eric Richard

Abseits der Trauerfeier müssen sich Arafat Abou-Chaker und seine drei Brüder derzeit vor dem Berliner Landgericht verantworten. Dem 44-Jährigen werden Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido vorgeworfen. Die Brüder sind als Gehilfen sowie Mittäter angeklagt. Am Montag hatte die Verteidigung beantragt, die Verhandlung zu unterbrechen. Das Gericht gab dem statt, ohne den Inhalt mitzuteilen. Am Rande des Prozesses sagte eine Gerichtssprecherin, der Mutter der Angeklagten gehe es sehr schlecht. Kurz darauf starb sie. Der Prozess soll am 30. September fortgesetzt werden.