Berlin - Gut eine Woche nach dem Sturmtief Xavier wird das Bild immer klarer, welche Schäden der Herbststurm angerichtet hat. Die Senatsverwaltung für Umwelt ist zunächst davon ausgegangen, dass 20.000 Bäume in Berlin und umliegenden Wäldern zerstört worden sind. Das Landesforstamt rechnet inzwischen aber mit der dreifachen Zahl. Die Berliner Behörden sind deshalb bemüht, zumindest auf Stadtgebiet rasche Neupflanzungen zu organisieren. Nach Möglichkeit sollen alle kaputten Bäume ersetzt werden.

Die Senatsverwaltung für Umwelt kündigte am Freitag an, noch in diesem Herbst mehr als 500 Bäume zu pflanzen. Sie sollen zusätzlich zu den regulären Pflanzungen der Bezirke eingesetzt werden. „Der Berliner Straßenbaumbestand muss erhalten bleiben, auch und gerade nach dem Sturm Xavier“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Senatsumweltverwaltung. Um diesen Plan zu verwirklichen, setzt die Behörde auch auf die Unterstützung privater Spender. Bereits am kommenden Dienstag sollen zehn Spree-Eichen in der Paul-Löbe-Allee in der Nähe des Reichstagsgebäudes gepflanzt werden. Spender sind die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie zwei weitere Verbände aus dem medizinischen Bereich.

Mitte hat Warnung vor Betreten von Parks und Grünanlagen erneuert

An Plänen für Neupflanzungen wird derweil auch in den Berliner Bezirken gearbeitet. „Keine Baumscheibe soll leerbleiben, alle entwurzelten Bäume werden nachgepflanzt“, sagte Sara Lühmann, Sprecherin des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Wie lange es dauern wird, alle Schäden zu beheben, sei noch nicht abzusehen. Die Neupflanzungen seien, so Lühmann, nicht schnell zu erledigen, sondern „eine Frage von Monaten“.

Das Bezirksamt Mitte hat derweil seine Warnung vor dem Betreten von Parks, Grünanlagen und Spielplätzen erneuert. Bis alle Aufräumarbeiten erledigt seien, bestehe die Gefahr, dass beschädigte Bäume auf Spaziergänger stürzen, sagt Derk Ehlert, Experte der Senatsumweltverwaltung. Vor allem in den Wäldern bestehe noch immer Lebensgefahr. Man sei insbesondere entlang der Hauptwege noch mit umfangreichen Aufräumarbeiten befasst. Nachdem bereits drei Friedhöfe in der Innenstadt aus Sicherheitsgründen geschlossen worden waren, sind nun weitere hinzugekommen.

So darf der Alte Friedhof St. Marien und St. Nikolai in der Prenzlauer Allee vorerst nicht mehr betreten werden, nachdem dort eine Lärche auf die Kapelle des Friedhofs gestürzt war. Erst am Donnerstag war eine 75-jährige Radfahrerin in Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz von einem Baum erschlagen worden. Drei weitere Radfahrer wurden dabei verletzt. Starke Windböen hatten den Baum erfasst, bevor er auf die Gruppe stürzte.

Die Schadenssumme liege bei etwa 600.000 Euro 

Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gewährte am Freitag neue Einblicke in den Stand ihrer Aufräumarbeiten. Nach dem Sturmtief Xavier sei ein Totalverlust von 240 Bäumen zu beklagen. Dazu kämen 270 vollständige Kronenausbrüche und 405 weitere Bäume, die trotz Kronenausbrüchen noch zu retten seien. Die Schadenssumme liege, wie die Stiftung mitteilte, mit mehr als 600.000 Euro deutlich höher als zunächst angenommen. Die Aufräumarbeiten in den Schlossgärten in Berlin und Potsdam würden voraussichtlich noch bis Februar 2018 dauern. Die Parks in Sacrow, Caputh, Paretz und Königs Wusterhausen blieben weiter geschlossen.

Nach Schätzungen des Brandenburger Umweltministeriums hat Xavier bis zu zwei Millionen Bäume in dem Bundesland zerstört. Viele Waldgebiete seien aber schwer zugänglich, so dass konkrete Angaben erst in Wochen zur Verfügung stehen würden. Der Sturm habe tiefe Schneisen in die Wälder geschlagen. Keine weiteren Sturmböen, sondern Sonnenschein erwartet der Deutsche Wetterdienst für dieses Wochenende. Am heutigen Samstag seien bis zu 20 Grad, am Sonntag bis zu 21 Grad möglich. (mit dpa)