Berlin - Eine Auseinandersetzung mit einem Schwerverletzten und einer Toten hält die Mordermittler der Berliner Polizei weiter auf Trab. In der Nacht zu Sonnabend war in einem Café in der Prinzenallee ein Streit um ein verlorenes Poker-Spiel eskaliert, eine 23-Jährige starb. Mittlerweile steht fest: Die aus Bosnien-Herzegowina stammende Frau starb durch eine Schussverletzung. Zudem soll ein Auto mit serbischem Kennzeichen eine Rolle spielen. Der Fall zeigt, wie brutal aus dem Balkan stammende Kriminelle sind. Und wie schnell in diesem Milieu geschossen wird.

Viel ist es nicht, was die Berliner Polizei bislang über den Vorfall in der Prinzenallee weiß. Dem Vernehmen nach sollen mehrere Teilnehmer einer illegalen Pokerrunde aus Ex-Jugoslawien in dem kleinen Café dermaßen aufgebracht gewesen sein, dass sie mit Äxten, Hämmern und Baseballschlägern aufeinander losgingen. Dann fielen mehrere Schüsse, mindestens einer davon traf die 23-Jährige, die zu einer der beiden Gruppen gehörte. Ob sie gezielt oder versehentlich erschossen wurde, dazu sagen die Ermittlungsbehörden nichts. Auch dazu, ob es bereits mögliche Tatverdächtige gibt, schweigen Polizei und Staatsanwaltschaft bislang. Was möglicherweise einfach daran liegt, dass die Täter derzeit tatsächlich noch  unbekannt sind. 

„Leute, die aus den Balkan-Staaten kommen, haben immer eine sehr gute Verbindung in ihre Heimatländer, wo sie sofort untertauchen können, wenn es nötig wird“, so ein hochrangiger LKA-Beamter. Egal ob sie aus Serbien, dem Kosovo, Kroatien oder auch Albanien stammen, die Familien-Bande sei „fast noch enger als bei den hiesigen Araber-Clans“. Und nicht nur darin unterscheiden sich die Balkan-Banden von den arabischen Clans.

In einem Dossier vom Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit wird den „hart gesottenen Gruppen“ aus dem Kosovo, Mazedonien und Montenegro eine ausgeprägte „Neigung zur Gewalt und Brutalität“ attestiert. Zudem ließen sich diese Gruppen „nicht von üblichen polizeilichen Methoden“ abschrecken. „Diese Leute haben häufig in einem der Balkan-Kriege gekämpft“, weiß auch der Berliner Ermittler. „Die haben Dinge gesehen oder auch getan, die wir uns hier gar nicht vorstellen möchten.“

Egal Ob Drogen- oder Menschenhandel, Schutzgelderpressung oder illegales Glücksspiel: Die Balkan-Banden mischen laut Bundeskriminalamt in nahezu allen „Geschäftsfeldern“ der Organisierten Kriminalität kräftig mit.

In der jüngeren Geschichte rund um Ex-Jugoslawien und seine Nachbarstaaten liegt zudem eine weitere Gefahr: Die riesige Zahl an Waffen. Mehr als vier Millionen Schusswaffen lagerten laut Interpol seit den 90er-Jahren in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. Christoph Becker, der beim Bundeskriminalamt im Referat zur Bekämpfung der Waffen- und Sprengstoffkriminalität arbeitet, bestätigt: „Der Bestand an Waffen, auch ehemaligen Kriegswaffen, auf dem West-Balkan ist sehr hoch.“ Alleine in Albanien seien bei einem Aufstand Lager mit bis zu 700.000 Waffen geplündert worden. Mordinstrumente, die in den Händen der Balkan-Banden ihren Weg nach Berlin finden – und hier skrupellos eingesetzt werden.

So kam es im Mai 2017 in der Groninger Straße in Wedding zu einer filmreifen Schießerei mit automatischen Sturmgewehren zwischen einer tschetschenisch-mazedonischen sowie einer albanischen Gang. Es soll dabei um Streitigkeiten im Drogenhandel gegangen sein. Und auch bei dem Überfall auf einen Geldtransporter in der Schillingstraße in Mitte vor zehn Tagen benutzten die Täter Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow AK 47, die vermutlich aus Ex-Jugoslawien stammen.

Das Bundeskriminalamt hat nun vorgeschlagen, den Balkan-Staaten einen Großteil der gelagerten Waffen abzukaufen. Um sie dann zu vernichten.