Um 12 Uhr mittags geht es am Freitag los, dann sind quer durch die Stadt Autoren, Literaturagenten, Verleger und Buchhändler damit beschäftigt, ihrem Publikum ihr Arbeitsfeld persönlich nahezubringen – rund um die Uhr, bis Sonnabendmittag. „24 Stunden Buch“ heißt eine neue Veranstaltungsform des Buchhändler- und Verlegerverbands Berlin-Brandenburg mit Lesungen, Kinderprogramm und Führungen. Wir sprachen mit dessen Geschäftsführer Detlef Bluhm.

Haben Sie einen Kollegen verpflichten können, in der Nacht von Freitag zu Sonnabend auf Schlaf zu verzichten? Sie müssen doch prüfen, wie die Veranstaltungen ankommen.

Nein, da werde ich schon selbst die Nacht durchmachen, wie in alten Zeiten. Johanna Hahn, mit der ich mir die Geschäftsführung des Verbands teile, ist auch unterwegs. Wir beginnen mittags an der Kreuzung Kurfürstendamm/ Joachimstaler Straße und wollen so viel wie möglich sehen.

Wieso starten Sie eigentlich dort? Ist das einer dieser neuen Versuche, den alten Westen attraktiv zu machen?

Nein, das ist einfach eine attraktive Ecke mit viel Betrieb. Wenn der Schauspieler Frank Arnold aus der alten Verkehrskanzel Texte über Bücher vorträgt, dann fällt das auf. Und für unsere großen Bücher, von denen man sich fesseln oder umhauen lassen kann, bekommen wir dort auch viel Aufmerksamkeit.

Diese Riesenbücher gehören zur Kampagne „Vorsicht Buch!“, die schon in Leipzig präsentiert wurde und jetzt mit witzigen Plakaten in Buchhandlungen zu sehen ist. Richtet sich die gegen das E-Book?

Die richtet sich gegen gar nichts, sondern wirbt nur für etwas: für das Lesen und das Buch. Zwar werden noch mehr als 95 Prozent der Umsätze mit gedruckten Büchern gemacht, aber wir wären dumm, wenn wir ignorierten, dass der elektronische Anteil steigt. Und so wird auch zu unserer Kampagne noch ein Motiv kommen, das sich speziell auf E-Books bezieht.

Warum machen Sie dieses 24-Stunden-Theater? Müssen Sie Ihren Werbeetat leer bekommen?

Nein, Geld haben wir nicht übrig. Deshalb ist die Idee auch ziemlich verrückt. Wir wollten einmal so richtig für Furore sorgen. Als wir das den Mitgliedern im Verband vorstellten, kamen sofort sehr viele Vorschläge. Die Buchhändler und Verleger haben Lust, sich einmal deutlich zu zeigen. Dafür geben sie auch etwas aus. Der Festivalpass von 10 Euro wird nur einen Teil der Kosten decken.

Am mutigsten erscheint mir die Buchhandlung Starick in Schmargendorf, in der Kunden Kunden bedienen und in der die Kunden sogar übernachten dürfen.

Die Starick-Mitarbeiter wollen dann wirklich selbst unterwegs sein, bei anderen Veranstaltungen, und den Kunden das Geschäft überlassen. Ich bin gespannt, wie das wird. Aufregend finde ich auch die Verlagsführungen etwa bei de Gruyter und Wagenbach, die Möglichkeit, hinter die Kulissen von Dussmann zu schauen oder ein Gespräch in der Agentur Graf & Graf zu führen. Und ich freue mich auf den Kindernachmittag in Jurtenzelten in der Siedlung Eichkamp mit Workshops, Wettbewerben und Lesungen. Es wird immer so viel über die Branche geredet, hier können die Leute mal sehen, wie sie funktioniert.

Stimmt, dagegen wirkt Ihre Herbst-Lesereihe „Stadt Land Buch“ etwas langweilig. Soll „24 Stunden Buch“ die ablösen?

Nein, ich weiß es nicht. Noch nicht. Erst einmal müssen wir sehen, wie dies angenommen wird. Das Programm von „Stadt Land Buch“ haben wir ja bereits vor vier Jahren von drei Wochen auf eine Woche konzentriert.

Wie fiel eigentlich die Entscheidung für den Shuttle-Bus zu „24 Stunden Buch“? Im Vergleich zur Langen Nacht der Wissenschaften sieht mir dieser ziemlich ungerecht aus. Er fährt ja längst nicht alles an.

Bei uns geht es nicht um Museen, die tausende Besucher fassen. Und am Tag ist man mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln doch ganz gut unterwegs in Berlin. Unser Bus fasst 120 Menschen und fährt in den Abend- und Nachtstunden. Letzte Station ist die Schankwirtschaft Laidak in Neukölln, wo um 4.30 und 5.30 Uhr aus Büchern des Verbrecher Verlags gelesen wird. Nächster Programmpunkt ist um 8 Uhr das Literaturfrühstück bei Hugendubel in Steglitz, der ist gut per U-Bahn zu erreichen.

Gespräch: Cornelia Geißler