24-Stunden-Streik in Berlin: Darum hält die BVG den Warnstreik für völlig unangemessen

Berlin - Obwohl die Arbeitgeberseite ihr Angebot für die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erneut aufgestockt hat, ruft Verdi zu einem weiteren Warnstreik auf. Ab Montag, 3 Uhr früh, sollen alle Busse, U- und Straßenbahnen 24 Stunden stillstehen. Beim Fahrgastverband IGEB kann man nicht verstehen, warum Verdi diesen Schritt geht. Allmählich gleiche der Tarifstreit bei der BVG einem „Schmierentheater“, hieß es. So oder so werde es Tariferhöhungen geben, kündigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Freitag an. „Ein Busfahrer soll von seiner Arbeit gut leben können.“ In Senatskreisen warnt man Verdi aber davor, die Forderungen zu überreizen – „wie einst die Lokführer“.

In der Tat wirkt die Offerte, die während der Verhandlung am Donnerstag vorgestellt worden war, sehr attraktiv. „In der Summe bieten die Arbeitgeber ein Plus von 90 Millionen Euro pro Jahr“, teilte die BVG mit. „Rückwirkend zum 1. Januar geht es damit um Einkommenssteigerungen von 17 Prozent.“ Rechnerisch bedeute das für jeden im BVG-Konzern im Durchschnitt monatlich rund 450 Euro brutto mehr Gehalt.

„Die 450 Euro entsprechen nicht den tatsächlichen Zuwächsen für alle Beschäftigten“, entgegneten die Verdi-Vertrauensleute bei der Straßenbahn. Die angebotene Lohn- und Gehaltserhöhung bestehe in einem Festbetrag von 300 Euro. „Alles andere kommt nur einzelnen Berufsgruppen oder zum Teil auch nur einzelnen Teilen einer Berufsgruppe zugute“, so die Gewerkschafter. Was die Arbeitgeberseite öffentlich angekündigt habe, sei „inhaltlich völlig undifferenziert und dient der Stimmungsmache und der Spaltung“.

BVG über angekündigten Stillstand von 24 Stunden: Der Warnstreik sei „völlig unangemessen“

So heißt es zum Beispiel, dass der Lohn für neu eingestellte Busfahrer inklusive Zulagen, Zuschlägen und dem Anteil an der Weihnachtszuwendung um mehr als 520 Euro von rund 2720 auf fast 3241 Euro brutto steigen soll – ein Zuwachs um 19 Prozent. Busfahrer, die schon etwas länger bei der BVG sind, sollen 469 Euro mehr erhalten. In der nächsten Stufe würde das Plus 418 Euro betragen.

Doch wer länger als sechs Jahre im Fahrdienst ist, soll einen deutlich niedrigeren Lohnaufschlag erhalten, sagte Verdi-Sekretär Jeremy Arndt. „Das Werkstatt- und Verwaltungspersonal sowie Ingenieure bekommen nach diesem Angebot fast alle nur 300 Euro dazu.“ Um ein neues Angebot einzufordern, habe die Tarifkommission einstimmig den Warnstreik für Montag beschlossen. „Wir sind verhandlungsbereit und verhandlungswillig“, sagte Arndt.

Der Warnstreik sei „völlig unangemessen“, bekräftigte die BVG am Freitag. „Offenbar sollte auf jeden Fall noch einmal gestreikt werden.“ Dass einzelne Entgeltgruppen höheren Aufschläge als andere erhalten, entspräche einem Wunsch von Verdi. Falsch sei die Verdi-Darstellung, dass BVG-Finanzvorstand Henrik Haenecke die Verhandlung am Donnerstag abgebrochen habe. Er musste einen Termin übernehmen, den BVG-Chefin Sigrid Nikutta wegen einer Familienangelegenheit nicht wahrnehmen konnte, hieß es am Freitag.

Warnstreik am Montag: BVG-Nutzer seien die Leidtragenden

Die Verdi-Forderungen würden sich auf zusätzliche Personalkosten von 160 Millionen Euro pro Jahr summieren, so die BVG. Das wäre „untragbar“ und würde dazu führen, dass die Fahrpreise ab 2020 viel stärker steigen müssten als geplant. Bislang wird angestrebt, Stammkunden ganz oder größtenteils zu verschonen und vor allem Tickets für Gelegenheitskunden zu verteuern – etwa Einzelfahrscheine. Zumindest dazu gebe es keine Alternative, sagte der Regierende Bürgermeister. „Wir wollen, dass die BVG-Mitarbeiter gute Arbeitsplätze und ein vernünftiges Einkommen haben“, so Müller.

Die BVG-Nutzer seien die Leidtragenden, kritisierte der Fahrgastverband. Für die nächsten Ausstände müsse die BVG endlich einen Notfahrplan vorbereiten, forderte er.