Flughafen Schönefeld.
Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

BerlinEinen Tag nach dem pannenreichen Start für freiwillige, kostenlose Corona-Tests von Reiserückkehrern aus Risikogebieten am Flughafen Tegel hat es auch in Schönefeld eine Verschiebung gegeben. Dort sollen sich Passagiere nun erst ab dem heutigen Freitag auf das Virus testen lassen können. Ursprünglich war der Start für Donnerstag geplant. Mit einem negativen Test können die Rückkehrer einer obligatorischen ein- bis zweiwöchigen Quarantäne entgehen.

In schönster Pressestellen-Prosa teilte die Flughafengesellschaft am Mittwochabend mit, dass sich Rückreisende aus Risikogebieten ab Freitag auch in Schönefeld testen lassen können. Kein Wort davon, dass das eine Verspätung um 24 Stunden bedeutet. Kein Wort davon, dass der Start am Mittwoch in Tegel von Pannen überschattet war und die Stelle dort erst Stunden später in Betrieb ging, sodass viele Passagiere längst frustriert nach Hause gegangen waren. Kein Wort davon, dass der Regierende Bürgermeister noch in der vergangenen Woche davon gesprochen hatte, dass es Ziel des Senats sei, „dass wir zu Beginn der kommenden Woche an den Berliner Flughäfen Covid-19-Teststellen anbieten können“. Die Woche ist fast um.

„Es sind noch technische Vorbereitungen nötig“, sagte am Donnerstag Manuela Zingl, Pressesprecherin der Charité, in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung. Das Universitätsklinikum ist für die Tests zuständig und erhält dabei Hilfe vom Personal des landeseigenen Krankenhauskonzerns Vivantes. Man habe sich dazu entschlossen, „einen weiteren Tag für die Einrichtung der Teststelle zu nehmen“, sagte Zingl.

Mit dieser Fristverlängerung will die Charité sicherstellen, dass es in Schönefeld nicht wieder zu einer solchen Panne kommt wie in Tegel. Dort waren die Verzögerungen tags zuvor mit „Netzwerkproblemen“ begründet wurden. Offenbar war es zunächst nicht möglich, die Daten der zu Testenden zu speichern und sicher weiterzuleiten. Am Nachmittag war die Havarie behoben, wer wollte, wurde getestet. Sollte die Stelle in Schönefeld tatsächlich am Freitag starten, soll sie wie ihr Pendant in Tegel sieben Tage die Woche von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein.

Das Prozedere für das Testen steht dagegen längst fest: Nach Landung, Gepäckaufnahme und Passkontrolle können sich die Passagiere zur Teststelle – in Tegel an Gate A00, in Schönefeld soll es nun Terminal L sein – begeben. Dort werden ihre Personalien aufgenommen. Anschließend werden sie auf das Coronavirus getestet. Danach sollen sie auf direktem Weg nach Hause fahren und dort auf das Ergebnis warten. Dieses soll nach rund 48 Stunden eintreffen. Ist das Ergebnis negativ, ist die Quarantäne sofort beendet – ist es positiv, soll sich das automatisch benachrichtigte Gesundheitsamt des Wohnbezirks mit weiteren Instruktionen melden.

In Tegel beginnt das Problem freilich bereits gleich nach der Landung. Kein Schild oder Aufkleber weist den Weg zur Teststelle. Am Mittwoch sprach ein türkisch-sprechender Flughafenmitarbeiter einige Passagiere eines Turkish-Airlines-Fluges aus Istanbul persönlich an und klärte sie über die Gelegenheiten zum kostenlosen Testen auf. Diese eher defensive Informationspolitik steht im offensichtlichen Widerspruch zu den offiziellen Verlautbarungen nach Ende der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern am Freitag vergangener Woche. Die Vorsitzende des Gremiums, Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), sagte in ARD und ZDF: „Wir wollen alle Rückreisenden erreichen.“

Zuvor, so Kalayci, seien die Reisenden „bei Tests zurückhaltend“ gewesen. Nun solle das Test-Angebot „mehr sein als eine Bitte“, es sei als Aufforderung zu verstehen. Man wolle mit den kostenlosen Tests „den Anreiz erhöhen“. Schließlich sei „weltweit ein sehr dynamisches Infektionsgeschehen“ zu verzeichnen. „Das Einschleppungsrisiko ist sehr hoch.“

Verpflichtend sind die Tests aber dennoch noch nicht. Zwar wünscht sich nicht nur Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine solche Pflicht, doch die rechtliche Prüfung läuft noch. Sollten die Tests für Einreisende verpflichtend werden, würden zum Beispiel in Tegel und Schönefeld größere Raumkapazitäten benötigt.

Ebenfalls im Gespräch ist ein kostenloses Test-Angebot auch für Menschen, die aus Nicht-Risikogebieten zurückkommen. Dazu gehören derzeit alle EU-Staaten außer Luxemburg sowie die Schengen-assoziierten Länder wie die Schweiz, aber etwa auch Großbritannien. Dazu ist jedoch noch keine Entscheidung gefallen.

Wer sich in den vergangenen Tagen einmal die Mühe gemacht hat, die Situation an anderen deutschen Flughäfen mit denen in Berlin zu vergleichen, kommt zu einem sehr differenzierten Bild. So gehörten die Airports Halle/Leipzig, Düsseldorf, Frankfurt am Main, München und Stuttgart zu den ersten, die entsprechende Teststellen eingerichtet haben. Jedoch war der Service zunächst nur in Düsseldorf kostenlos für alle Rückreisende aus Risikogebieten. Kurios die Regel in Halle/Leipzig: Dort richtete sich das kostenlose Angebot nur an Personen aus einer der beiden Städte – alle anderen mussten bezahlen.