Anfang der Neunzigerjahre hatten die zusammenwachsenden Stadthälften ein schweres Erbe zu bewältigen: Die Strukturen aus der Vorwendezeit waren nicht wettbewerbsfähig. Viele Betriebe wurden geschlossen, Zehntausende Arbeitsplätze gingen verloren. Das ist vorbei. Seit etlichen Jahren steigt die Zahl der Beschäftigten – und zwar so stark wie in kaum einem anderen Bundesland. Einige Fakten zum Berliner Arbeitsmarkt im Überblick:

Der dickste Fisch

Siemens in Berlin ist einmalig, denn hier befindet sich der weltweit größte Produktionsstandort des Konzerns. Siemens ist damit der größte industrielle Arbeitgeber. Umstrukturierungen hatten allerdings Folgen. Die Zahl der Mitarbeiter ist um mehrere Tausend auf 12.000 gesunken.

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Start-ups

Innovativ, schnell und kapitalgierig – das sind Start-ups, die unglaubliche Zuwachsraten haben und mit ihren Ideen ganze Branchen aufmischen. Berlin ist ein Hotspot dieser Szene und kämpft mit London um die Ehre, der beste Standort in Europa zu sein. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres floss mit 1,4 Milliarden Euro der Löwenanteil der nach Deutschland vergebenen Investorengelder in Berliner Start-ups. Der Versandhändler Zalando fing so an – und ist heute an der Börse notiert.

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Wenig Besitz

52.600 Euro betrug 2013 das durchschnittliche Vermögen (inklusive Immobilienbesitz und Schulden) eines Berliner Haushalts. Im Bundesschnitt waren es 117.600 Euro. Da müssen die Berliner noch viel aufholen!

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Gründer mit Ideen

Berlin ist schon immer experimentierfreudig gewesen – auch mit Geschäftsideen. In keiner anderen Stadt versuchen mehr Existenzgründer ihr Unternehmens-Glück. 2013 gab es 32,8 „echte“ Betriebsgründungen je 10.000 Erwerbspersonen – das sind Firmen, die nicht nur aus dem Gründer bestehen, sondere weitere Mitarbeiter einstellen. Im Bundesgebiet erreichte dieser Gründerindex nur einen Wert von knapp 21.

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Der bekannteste Manager

Ein Berliner Manager steht seit nunmehr zweieinhalb Jahren an der Spitze einer der wichtigsten Wirtschaftsorganisationen im Land: Eric Schweitzer (50) führt als Präsident den Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Der DIHK vertritt die Interessen von mehr als drei Millionen gewerblichen Unternehmen aller Branchen und Größenklassen gegenüber der Politik in der Bundesrepublik und in Europa.

Eric Schweitzer ist in dieser Funktion auch ein Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt Berlin. Denn nur ein erfolgreicher und durchsetzungsstarker Manager – er ist mit seinem Bruder Axel Chef des Berliner Recyclingunternehmens Alba – aus einer florierenden Region kann glaubhaft die Belange der Wirtschaft vertreten.

Welche Sorgen und Nöte Unternehmer umtreiben, weiß er bestens aus Berlin: In seinem zweiten Ehrenamt ist er zudem noch Präsident der Berliner IHK, und das seit 2004. Damals wurde er als jüngster IHK-Präsident in Deutschland überhaupt in dieses Amt gewählt.

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Einkommen

Das verfügbare Jahreseinkommen (für Konsum und Sparen) je Einwohner in Berlin lag 2013 nur bei 86 Prozent des Bundesschnitts. Grund: Zwar gab es viele neue Arbeitsplätze, aber die Produktivitätsentwicklung blieb in der Stadt verhalten. Daher stiegen die Löhne nicht so stark wie anderswo in Deutschland.

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Weniger Staatsdiener

Rund 145.000 Stellen gab es 1990 in der Verwaltung von West-Berlin – Lehrer, Angestellte, Polizisten, Feuerwehrleute, Richter, Hausmeister. Wie viele Stellen es im Osten der Stadt waren, ist nicht genau bekannt. Erst 1991 setzt die gemeinsame Zählung ein – und da waren es insgesamt rund 195.000 Stellen. Heute gibt es laut Finanzverwaltung noch gut 105.000 Stellen im öffentlichen Dienst.