BerlinDer Ball der Wirtschaft ist eine traditionsreiche Veranstaltung. Zum 70. Mal lud der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) zur rauschenden Ballnacht. Rund 2500 Gäste kamen am Sonnabend ins Hotel InterConti. Und es war dann eigentlich wie immer: Es kamen Vertreter aus Wirtschaft, Politik und ein wenig Showbiz - diesen Part übernahm diesmal der Schauspieler Ralf Möller quasi im Alleingang - und sie redeten über Politik.

Schauspieler Ralf Möller.
Foto: Christian Schulz

Den Auftakt hatte der Gastgeber höchstpersönlich gemacht. In einem zum Balltermin veröffentlichten Interview mit dem Tagesspiegel ließ VBKI-Präsident Markus Voigt wenig gute Haare am rot-rot-grünen Berliner Senat. Vor allem der Mietendeckel, der – welch ein bemerkenswertes Zusammentreffen - an diesem Sonnabend in Kraft trat, hat die Unternehmer nach Voigts Worten tief getroffen.

Man habe sich gewünscht, „dass sich die Politik auch mit Vertretern der Wirtschaft an einen Tisch gesetzt hätte, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen“, sagte Voigt. Man ahnt, welches Rezept zur Bekämpfung der Schieflage in der Berliner Wohnungslandschaft diese vorgeschlagen hätten: Bauen, bauen, bauen!

Auch der Regierende Bürgermeister selbst bekam in dem Interview sein Fett weg. Anfang sei Michael Müller „sehr bemüht gewesen, um Berlin voranzubringen“, sagte VBKI-Präsident Voigt, zuletzt habe er aber zu viele Zugeständnisse an seine roten und grünen Koalitionspartner gemacht.

Politiker der SPD und der Grünen drehten ihre Runden

Angesichts dieser harschen Worte zum Empfang war es schon fast erstaunlich, dass sich zumindest Politiker der SPD und der Grünen den Ball nicht entgehen lassen wollte. So drehte SPD-Fraktionschef Raed Saleh ebenso unverdrossen seine Runden wie Staatssekretärin Sawsan Chebli, Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel oder Justizsenator Dirk Behrendt zusammen mit dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Daniel Wesener.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl war das Ehepaar Dregger an diesem Abend unterwegs. CDU-Fraktionschef Burkard Dregger erzählte, dass er sich anfangs gar nicht sicher war, ob er überhaupt kommen wollten. Der rassistische Terroranschlag von Hanau hat dem gebürtigen Hessen aufs Gemüt geschlagen. So hatte er am Donnerstag auf einen Berlinale-Empfang verzichtet und war stattdessen zu einer Mahnwache ans Brandenburger Tor gegangen.

Burkard und Petra Dregger.
Foto: Christian Schulz

Schließlich entschied Dregger sich doch noch für den Ball der Wirtschaft in der „Hoffnung auf gute Gespräche“.

Ehefrau Petra Dregger war aus einem anderen Grunde beklommen zu Mute. Sie hatte sich fest vorgenommen, an diesem Abend auf das eigentlich obligatorische Händeschütteln zu verzichten. Der Grund: Vorsicht vor dem Coronavirus. „Es ist mir lieber so“, sagte sie.

Dilek und Hivzi Kalayci.
Foto: Christian Schulz

Dilek Kalayci hält so viel Vorsicht für unbegründet. Natürlich sei es immer richtig, „ganz normale Distanz“ zu anderen Menschen zu halten – was im Ballgedränge naturgemäß nicht immer ganz einfach ist - doch niemand in Deutschland oder Berlin müsse sich wegen des Virus‘ ernsthaft Sorgen machen. „Wir sind gut vorbereitet“, sagte die Gesundheitssenatorin und begab sich mit ihrem Ehemann Hivzi ins Getümmel.