Berlin - Die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. hat knapp die Hälfte des Geldes für einen Gedenkort in Neukölln gesammelt. Der 22-Jährige Burak B. war am 5. April 2012 auf offener Straße im Süden des Bezirks erschossen worden. Mit einem Mahnmal soll dem Opfer und der Tat gedacht werden, die bis heute nicht aufgeklärt ist.

Nach Angaben der Initiative hat eine Crowdfunding-Aktion bis Ende vorigen Jahres 15.000 Euro eingebracht. Seitdem sei weiter gesammelt worden, so dass jetzt „fast 50 Prozent der Gesamtsumme“ beisammen sei, wie es am Mittwochabend auf einer Veranstaltung des Museums Neukölln hieß. Jetzt werde eine Verlosung vorbereitet. Jeder Spender nehme an einer Tombola teil, in der sich Preise wie Kino- und Theatergutscheine, Museumsfreikarten oder Zeitungs-Abonnements befinden.

Gebraucht werden 50.000 Euro. Für diesen Preis will die Bildhauerin Zeynep Delibalta ein Mahnmal errichten. Ein Standort ist gefunden: Der Bezirk hat einen Grünstreifen an der Rudower Straße/ Ecke Möwenweg – wenige Meter vom Tatort entfernt – bereitgestellt.

„Für uns Migranten ist das ein rassistischer Mord“

„Mit dem Geld kann ich schon zur Gießerei gehen“, sagte Delibalta. Die Künstlerin will auf dem Grünstreifen eine knapp zwei Meter große Plastik in sich geschraubt aufstellen. Der Titel: „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle.“

Der sperrige Name weist auf den politischen Gehalt des Denkmals hin, für das am 5. April, dem fünften Todestag, der Grundstein gelegt werden soll – Einweihung soll dann am sechsten Todestag sein. Ein Algorithmus ist in der Mathematik eine „eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems“. Das „Problem“, so ist es wohl zu interpretieren, sei eine gewisse alltägliche Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen und ein rassistischer Mord im Besonderen.

Um einen Mord aus fremdenfeindlichen Motiven habe es sich nämlich am 5. April 2012 bei dem Mord an dem türkisch-stämmigen Burak B. gehandelt – dessen waren sich am Mittwochabend fast alle einig. Dafür gebe es zahlreiche Hinweise. Doch Polizei und Staatsanwaltschaft hätten das nicht sehen wollen und deswegen nicht ausreichend in diese Richtung ermittelt. „Das ist Fakt“, sagte eine Sprecherin der Initiative.

Moralische Unterstützung für derart fest gefügte Gewissheiten hatten sich die Aktivisten aus dem niedersächsischen Städtchen Mölln geholt. Ibrahim Arslan war angereist, Hinterbliebener des Brandanschlages von 1992, bei dem drei Angehörige seiner Familie zu Tode kamen. Die beiden Täter hatten einen rechtsextremen Hintergrund.

Arslan berichtete von seinen Besuchen in Schulen, wo er stets erzähle, wie wichtig die Opferperspektive sei. Wie wichtig es sei, nicht immer nur von Tätern zu sprechen. Zum Neuköllner Fall hat Arslan eine klare Meinung parat: „Für uns Migranten ist das ein rassistischer Mord. Das gilt, solange sie uns nicht das Gegenteil beweisen.“

Neuköllns Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer (SPD) zeigte sich vorsichtiger. „Ich kann nicht von einem rassistischen Verbrechen sprechen, so lange es keine Ermittlungsergebnisse gibt“, sagte er. „So oder so ist der Tatort der Ort eines abscheulichen Verbrechens. Dessen wollen wir gedenken.“