3D-Stadtmodell: Berlin als App

Berlin - Auf dem virtuellen Markt gibt es für Fans der Hauptstadt ein neues Spielzeug: Ein dreidimensionales Stadtmodell kann man sich seit Donnerstag als neue App unter dem Namen „smartMap Berlin“ auf das Smartphone oder den Tablet-PC herunterladen, die kostenlose App ist bislang aber nur für Apple-Produkte wie iPhone und iPad verfügbar. Erst 2013 soll sie auch für andere Systeme wie Android erweitert werden.

Mit der App verfolgt der Senat vor allem das Ziel, potenziellen Investoren und Unternehmen freie Grundstücke sowie Büroflächen anzubieten. „Wir nutzen modernste Medien, um den Standort Berlin zu promoten“, sagt Nicolas Zimmer, Staatssekretär in der Wirtschaftsverwaltung.

Auch auf älteren Geräten funktionstüchtig

Nachdem die Marketinggesellschaft Berlin Partner schon seit 1999 an dem virtuellen 3D-Stadtmodell arbeitet, wurde die App jetzt vom Unternehmen 3D Content Logistics aus Potsdam entwickelt, das sich als Start up aus dem Hasso-Plattner-Institut heraus gegründet hat. Die App zeigt aus der Vogelperspektive rund eine halbe Million Gebäude auf mehr als 800 Quadratkilometer Stadtgebiet. „Man kann die Ziele direkt anfliegen“, sagt Benjamin Hagedorn von 3D Content Logistics. Virtuell, versteht sich.

Er sieht Berlin dank der eigens entwickelten Technologie auch gegenüber Apple um eine Nasenlänge voraus. Denn anders als bei dem 3D-Kartendienst für das iPhone5 soll „smartMap Berlin“ auch auf älteren Geräten funktionieren, weil die Software nur eine geringe Rechenleistung erfordere.

Abgesehen von Investoren ist der Nutzwert der App für die Berliner und auch Touristen nur gering. Sie können sich zwar die Stadt von oben ansehen, Hotels oder Gaststätten finden sie aber nicht. Denn nur Bürogebäude, Grundstücke, Produktionsflächen, Laborflächen, Krankenhäuser und Studios sind markiert. „Die App konzentriert sich auf die Immobiliendaten, damit wir mit dem iPad zu den Investoren gehen können“, sagt Melanie Bähr, Geschäftsführerin von Berlin Partner. Mehr als 1000 öffentliche und private Gewerbeobjekte seien derzeit verzeichnet. Sicher bestehe auch die Möglichkeit, touristische Informationen anzubieten, kurzfristig sei das aber nicht geplant.

Die App endet am Stadtrand

Die Informationen zu den Gebäuden sind zudem sehr unterschiedlich und abhängig von den Daten, die die Eigentümer zur Verfügung stellen. Zum Hochhaus Am Potsdamer Platz 1 erfährt man viel. Zum Beispiel, dass der Turm Kollhoff-Tower heißt und über 2500 Parkplätze in einer Tiefgarage verfügt. Das Gebäude wird als eine der „besten Adressen der Hauptstadt“ beschrieben, pro Etage stehen 855 bis 1800 Quadratmeter Fläche zur Verfügung zuzüglich Dachterrasse mit grandiosem Ausblick.

Anders am Alexanderplatz, die Daten zum Gebäude der TLG Immobilien an der Alexanderstraße 1–5, bis vor kurzem Sitz des Bundesumweltministeriums, sind spärlich: 220 Meter lang, vor 15 Jahren innen komplett saniert. Mehr würde man vielleicht im Berliner Wirtschaftsportal Business Location Center der Wirtschaftsverwaltung erfahren, in das man mit einem Klick kommt. Die Daten dort zu Immobilienangeboten und Branchendaten sowie Arbeitsmarkt- und Strukturdaten sind für die Allgemeinheit aber nicht zugänglich.

Zudem sind einige Darstellungen in der App veraltet, so am Breitscheidplatz in der City West. Das Hotel Waldorf Astoria ist zwar schon eingearbeitet, von der Baustelle rings um Bikini-Haus und Zoopalast ist aber virtuell nichts zu sehen. Auch in den Zusatzinformationen findet sich kein Hinweis darauf, dass der Komplex Bikini Berlin bis 2013 umgebaut und modernisiert wird. Wie Melanie Bähr sagt, werden App und 3D-Modell ständig aktualisiert, noch in diesem Jahr sollen von der Stadt neue Luftbildaufnahmen gemacht werden. Solch ein Komplettüberflug kostet rund 200 000 Euro, den letzten gab es 2008.

Die Berlin-App endet am Stadtrand. Das Milliardenprojekt Großflughafen BER kann man sich leider nicht ansehen – er liegt in Brandenburg. Vielleicht ist das Pannen-Vorhaben aber auch gar nicht so gut geeignet, damit noch Werbung bei Investoren zu machen.