Davon träumt so mancher Schnäppchenjäger. Da kauft eine Frau auf dem Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni einen Ring für einen Euro. „Der hatte einen großen Stein, so einen richtigen Klopper“, sagt Marktchef Michael Wewerka. Und wie sich herausstellt, ist es ein echter Brillantring. Oder die Sache mit dem Bilderrahmen. Sie liegt schon lange zurück, damals hatte Michael Wewerka seinen Markt noch auf dem Klausenerplatz: Ein Mann zahlte 150 Mark für einen Bilderrahmen. In ihm, so zeigte sich später, befand sich eine verschollene Druckplatte von Lucas Cranach dem Älteren. „Von dem Geld, das der Mann dafür bekommen hat, hat er sich ein Bauernhaus gekauft“, sagt Wewerka.

Fester Teil des Stadtbildes

Michael Wewerka, inzwischen 77 Jahre alt, kennt noch mehr Geschichten von Kostbarkeiten, die für wenig Geld den Besitzer wechselten. Seit gut 40 Jahren ist er nun Trödelmarkt-Chef. Und nicht nur das: Er nimmt für sich auch in Anspruch, dass sein Markt der erste Berliner Trödelmarkt überhaupt war. An diesem Wochenende lädt er zur Feier „40 Jahre Berliner Trödelmarkt“ an die Straße des 17. Juni ein. Wie immer werden die Händler dort Kunsthandwerk, Bücher, Bilder oder auch Autogramme verkaufen. Eine Gräfin aus Venedig hat sich angekündigt, sie will ihr Familiensilber verscherbeln. Anders als sonst gibt es aber auch ein Musikprogramm. Zur Feier des Jubiläums.

Wobei das ein wenig geschummelt ist. Denn den ersten Markt hat Wewerka 1973 veranstaltet. Streng genommen hätte er das Jubiläum also im vorigen Jahr feiern müssen. Doch da ging es aus familiären Gründen nicht. Und besser spät gefeiert als nie. „Ach, seien Sie nicht so pingelig“, sagt Michael Wewerka, wenn man ihn darauf anspricht. Sein Markt an der Straße des 17. Juni ist heute eine Institution, die in keinem Stadtführer fehlt. Auch Michael Wewerka selbst ist eine bekannte Größe in der Stadt. Nicht nur als Marktchef. Der gebürtige Berliner, der heute in Pankow wohnt, hat sich auch einen Namen als Galerist und Kunsthändler gemacht. Als er den ersten Markt organisierte, hätte er sich nicht vorstellten können, dass es einmal zig Flohmärkte in der Stadt geben würde – geschätzt sind es derzeit etwa 50. „Bevor wir anfingen, gab es so etwas hier nicht“, sagt er.

Des einen Müll...

Dass er Trödelmarkt-Chef wurde, habe sich in den 1970er-Jahren so ergeben, erzählt er. Damals lebte er in einer Ladenwohnung an der Charlottenburger Danckelmannstraße. Zur Sperrmüllsammlung stellten die West-Berliner ihre ausrangierten Sachen auf die Straße. Wewerka verwandelte seine Ladenwohnung in einen Trödelladen. Ein Freund gab ihm den Tipp, die Sachen mal in Hannover zu verkaufen. Da gebe es einen großen Trödelmarkt. Er fuhr hin, und es lief gut. Danach fragt er sich: „Warum machen wir das nicht hier?“

1973 organisierte er mit Freunden den ersten Markt auf dem Sophie-Charlotte-Platz, später auf dem Klausenerplatz und schließlich ab 1978 an der Straße des 17. Juni vor dem Ernst-Reuter-Haus. Schon zu Beginn kamen rund 50 Händler, erzählt er. Doch es gab auch Tiefen, vor allem wenn das Wetter schlecht war. Einmal, noch auf dem Sophie-Charlotte-Platz, stand er ganz allein da und bot seine Ware an. Aber bei besserem Wetter kamen wieder mehr Händler und Kunden. 1988 erweiterte er den Markt an der Straße des 17. Juni um den Kunst- und Kunsthandwerkermarkt. Mittlerweile kommen jedes Wochenende rund 200 Händler. Wewerkas Firma hat heute 20 Angestellte.

...ist des anderen Schnäppchen

„Der Markt war von Anfang an ein Schmelztiegel“, sagt Wewerka. Hier verkaufen Türken und Kurden, Dänen, Tschechen und Deutsche. „Sie müssen sich alle vertragen“, sagt er, „sonst fliegen sie runter“. Zu ihm kommen viele Profi-Händler, aber auch Privatleute, die etwas dazuverdienen müssen oder das Trödeln als Hobby betreiben. Wewerka sagt, er achte sehr darauf, dass ordentliche Ware angeboten wird. Er kooperiere auch mit der Polizei, damit kein Hehlergut auftaucht. Die Preise auf seinem Markt sind höher als auf manch anderem Flohmarkt. Dafür sagt der Chef ganz unbescheiden: „Was die Ware betrifft, sind wir der beste.“

Viele Touristen suchen auf dem Markt nach einem Souvenir. Andere Besucher hoffen auf das ultimative Schnäppchen. „Trödelmarkt, das ist immer ein Abenteuer“, sagt Wewerka. Er weiß, wovon er spricht. Fast jedes Wochenende kauft er selbst etwas. Was rät er Schnäppchenjägern? Eigentlich nur so viel: „Man muss die Augen offen halten und darf nicht gleich die Nase rümpfen.“