Berlin - Das Goethe-Institut muss seine Bücher offenlegen. Es geht um den Verdacht des Sozialversicherungsbetrugs. Seit Januar diesen Jahres prüft die Deutsche Rentenversicherung die Verträge von bundesweit 400 Honorar-Lehrern des Instituts. Sie sind bis zum Ende der Ermittlungen freigestellt und erhalten kein Geld. 70 dieser Fälle gibt es nach Informationen der Berliner Zeitung in der Hauptstadt.

159 Standorte, 13 davon in Deutschland

Das Goethe-Institut, ein gemeinnütziger Verein, der die Aufgabe hat, die deutsche Sprache zu fördern und ein aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln, hat weltweit 159 Standorte, 13 davon in Deutschland. Einer davon ist an der Neuen Schönhauser Straße in Mitte.

Eine  Honorar-Lehrerin, die dort gearbeitet hat, weiß nun nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt  finanzieren soll. Das ihr Arbeitgeber sie einfach so vor die Tür gesetzt hat, sei „menschenverachtend und zynisch.“ Ihre Situation sei untragbar, sagt sie. Sie sei eine hoch qualifizierte Lehrerin mit Berufserfahrung, die nun nach elf Jahren beim renommierten Goethe-Institut arbeitslos sei.

Kein geordneter Unterricht

Auch andere Kollegen klagen. Mehr als 60 Prozent des Unterrichts werden nach Angaben des Goethe-Instituts mit Honorarkräften abgehalten. Die Gewerkschaft GEW geht sogar davon aus, dass bisher 80 Prozent der Lehrkräfte auf Honorarbasis gearbeitet haben. Stimmt diese Zahl, kann man zur Zeit und bis zur Klärung des Verdachts nicht von einem geordneten Unterricht am Goethe-Institut ausgehen. Aus Sicht der Gewerkschaft müssten  die Honorarkräfte fest eingestellt werden, wofür laut GEW die Tatsache spricht, dass die Lehrkräfte regulär Schlüssel zu den Klassenräumen besitzen und in den Dienstplänen eingeteilt sind wie ihre fest angestellten Kollegen.

Die betroffenen Honorar-Kräfte fühlen sich von ihrem Arbeitgeber im Stich gelassen. Um nicht als scheinselbstständig zu gelten, hätten sie belegen müssen, dass sie bei mindestens einem weiteren Arbeitgeber beschäftigt sind. „Beim Goethe-Institut hat uns aber niemand gefragt, ob wir noch andere Auftraggeber haben“, sagt die Lehrerin. „Ich selbst habe mich schon gewundert, warum manche Honorar-Kollegen hier am Goethe-Institut permanent beschäftigt waren.“

Freie sollen sich auf feste Stellen bewerben

Oliver Brückert von der Gewerkschaft GEW steht mit vielen Betroffenen in Kontakt  „Sie können sich vorstellen, was das bedeutet, es ist dramatisch“.  Brückert wirft dem Goethe-Institut vor, über Jahre ein Sparmodell gefahren zu haben. Das Institut habe einen Pool an flexiblen und preiswerten Honorarkräften aufgebaut. So sollen möglichst viel Sprachkurse bei möglichst geringen Lohnkosten angeboten werden. Aus Sicht der GEW ein unlauteres Geschäftsmodell. Die Gewerkschaft fordert deshalb, mindestens 80 Prozent der Honorarkräfte fest anzustellen.

Das Institut räumt Fehler ein: „Die Rentenversicherung hat uns im Januar mitgeteilt, dass sie den Status der Honorarkräfte als freie Mitarbeiter in Frage stellt. Wir widersprechen dieser Bewertung“, so eine Mitteilung. Das Kurs- und Prüfungsangebot müsse derzeit angepasst werden. Derzeit laufen intensive Gespräche mit der Rentenversicherung. Das Institut hofft auf eine zeitnahe Lösung für alle Mitarbeiter. „Wir werden bis Ende Februar 45 Lehrkräfte fest anstellen. Auf diese Stellen können sich diese Honorarkräfte bewerben“. Ob diese bei der Auswahl bevorzugt werden, ist offen.