Angreifer zerschlagen die Fenster einer Flüchtlingsunterkunft am Berliner Tierheim. Brandstifter legen Feuer in einem Flüchtlingsheim in Buch. Ein Waffenbesitzer schießt mit seiner Luftdruckpistole auf die Fenster eines Asylbewerberheims in Neukölln. Das alles sind Fälle aus einer Statistik des Berliner Senats, die am Dienstag  veröffentlicht wurde.

Demnach gab es im Jahr 2016 insgesamt 50 Übergriffe auf Berliner Einrichtungen, in denen Geflüchtete untergebracht sind.  Ein Großteil der Taten fand in den Ostbezirken statt.

Die meisten Fälle, genau 14, wurden in Marzahn gezählt. Mit deutlichem Abstand  folgen Hellersdorf,  Lichtenberg, Pankow und Treptow: Hier wurden  jeweils fünf Attacken registriert.  Hinzu kommen Köpenick und Schöneberg mit je drei Fällen, gefolgt von Charlottenburg und Wilmersdorf mit je zwei Fällen.   Jeweils einen Übergriff stellte die Polizei in Moabit, Neukölln, Steglitz, Tempelhof, Reinickendorf und Spandau  fest.

44 von 50 Übergriffen rechtsextrem motiviert

Die Gesamtzahl kann im Zuge weiterer Ermittlungen aber noch steigen – und auch der Vergleich mit früheren Jahren ist schwierig, weil die meisten Unterkünfte erst nach dem August 2015 eingerichtet wurden.

Die Polizei kann aufgrund der entstandenen Schäden meist Rückschlüsse auf das Tatmotiv ziehen.  So vermutet sie hinter 44 der 50 Übergriffe rechtsextrem eingestellte Täter. Nur sechs Fälle werden in der Rubrik „nicht zuzuordnen“ geführt. Die Bewertung fällt eindeutig aus, wenn Flüchtlingsheime etwa mit Hakenkreuzen beschmiert werden – oder etwa im Fall  eines Angreifers, der am 23. März 2016 vor einem Flüchtlingsheim am Glambecker Ring in Marzahn auftauchte. Er zog eine Schusswaffe, zielte auf einen Bewohner und rief: „Du bist Moslem!“ Dann verschwand er wieder.

Auch in anderen Fällen gelang den Tätern die Flucht. So konnten zu den Übergriffen 2016 bisher nur  acht Verdächtige ermittelt werden – sieben davon sind Männer.

Auffällig ist, dass sich die meisten Straftaten nicht unmittelbar gegen Menschen richten. Insgesamt wurden sieben Opfer verletzt oder anderweitig persönlich geschädigt. Gängige Zwischenfälle sind Flaschenwürfe, Schmierereien mit Graffiti und Fäkalien, Zeigen des Hitlergrußes oder auch der Einsatz übelriechender Substanzen.

SPD-Büros am häufigsten attackiert

Politisch motivierte Gewalttaten betrafen aber  vor allem auch Parteibüros.    Die  Polizei registrierte im vergangenen  Jahr insgesamt 48 Attacken auf Wahlkreisbüros, Parteizentralen und Geschäftsstellen. Am stärksten betroffen war dabei die SPD mit insgesamt 19 Angriffen, gefolgt von  CDU und AfD (je 9), Grünen (6), Linken (5), Piraten (2) und der NPD (1).

Dass in der Summe 51 Attacken auf 48 polizeilich registrierte „Fälle“ kommen, liegt daran, dass mitunter mehrere Parteien betroffen sind. So beschädigten Täter am 1. Februar 2016 drei Büros von SPD und Grünen sowie ein Wohnhaus,  in dem   mehrere SPD-Mitglieder und Abgeordnete wohnen.  Die Gebäude wurden mit Farbbeuteln beworfen, die Täter hinterließen auch Graffiti.

Die Polizei ordnet 29 der 48 registrierten Fälle einer linken und zehn einer rechten Tätermotivation zu.  Neun Fälle seien nicht zuzuordnen.