Berlin - René Röther fällt auf. 2,10 Meter misst er von Kopf bis Fuß. Damals, in der DDR, wartete eine Karriere als Leistungssportler auf ihn. Doch statt weiter Volleyball zu spielen, wechselte er zur S-Bahn. Nun steht er im Bahnhof Südkreuz auf dem Ringbahnsteig. In der braunen Ledertasche hat Röther das Übliche dabei: sein Handy, eine Warnweste, ein Tablet mit Dienstunterlagen. Das Peace-Zeichen am Schlüsselbund erinnert an sein Idol, den Musiker Neil Young. Die Thermoskanne mit dem Früchtetee ist für die Pause. Doch jetzt wird erst einmal gearbeitet. „Der nächste Zug ist unserer“, sagt Röther. Der Triebfahrzeugführer der S-Bahn Berlin GmbH, seit 35 Jahren in seinem Beruf tätig, ist bereit für eine Runde auf der Ringbahn. Die Uhr an Gleis 12 zeigt 9.55 Uhr.

Ring frei für 36,965 Kilometer Berlin! Für das Berlin der Mietshäuser, der Fabriken, der Hinterhöfe, der großen Weite. Für das grüne Berlin, in dem Füchse wohnen und über dem Greifvögel schweben. Für das Berlin der Wasserstraßen, in denen sich das Himmelsblau spiegelt. Für den Bauch von Berlin in Gestalt des Großmarkts und der Lebensmittel-Großhandlungen in Moabit. Und für das heiße Herz der Stadt, die Kraftwerke an der Strecke. Eine Fahrt auf dem Ring bedeutet, durch den Berliner Alltag zu reisen. Hier wirkt Berlin nicht hip, und es will auch keinem Anspruch gerecht werden.

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