Der Angeklagte (vorne, 2.v.r.) im Drogen-Prozess wartet neben einem Dolmetscher und seinem Verteidiger im Saal des Landgerichtes auf den Beginn der Verhandlung.
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Frankfurt (Oder)Mit Handschellen wird Süleyman Ö. an diesem Dienstagmorgen in den Saal 207 der Landgerichts in Frankfurt (Oder) geführt. Er nimmt neben seinem Anwalt und einem Dolmetscher Platz. Süleyman Ö. soll Betäubungsmittel in nicht geringer Menge nach Deutschland eingeführt haben. Der in der Türkei lebende Mann schweigt zu Prozessbeginn.

Im Lkw, den der 63-Jährige fuhr, machten Zollbeamte in diesem Frühjahr einen sensationellen Fund. In den 532 Plastikschachteln mit den Aufschriften Turkish Delights und Helva steckten keine türkischen  Süßigkeiten, sondern Heroin - insgesamt 658 Kilogramm. Soviel hatten die Fahndern zuvor noch nie in Deutschland auf einen Schlag entdeckt.

Es war kein Zufallsfund, den die deutschen Zöllner auf der brandenburgischen Autobahn machten. Fahnder aus den Niederlanden hatten den brandenburgischen Kollegen Hinweise auf eine international agierende Drogenbande und den von Süleyman Ö. gesteuerten Lkw geliefert.

Am Vormittag des 31. Mai dieses Jahres hatte der Laster die deutsch-polnische Grenze passiert. Zöllner stoppten das Fahrzeug mit georgischen Kennzeichen schließlich gegen 10.40 Uhr an der Anschlussstelle Fürstenwalde.

"Leckereien" für 50 Millionen Euro

Süleyman Ö. wurde als Kurierfahrer festgenommen, er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Laut Anklage waren die "Schachteln mit den Süßigkeiten" in Krigisistan präpariert worden.

Die "Leckereien" mit einem Verkaufswert von rund 50 Millionen Euro sollten mit dem Laster über die sogenannte Nordroute, also Weißrussland, Polen und Deutschland, in die Niederlande transportiert und dort gewinnbringend weiterverkauft werden.

An diesem ersten Verhandlungstag scheitert Anwalt Maik Bunzel mit einem Antrag auf Aussetzung des Verfahrens. Der Verteidiger von Süleyman Ö. begründete sein Begeht damit, dass seinem Mandanten in der Untersuchungshaftanstalt Cottbus/Dissenchen die Akten nicht in elektronischer Form auf einem Notebook zur Verfügung gestellt worden seien.

In dem Verfahren sollen Anfang des nächsten Jahres zwei Beamte  aus den Niederlanden, darunter ein Staatsanwalt, sowie ein Beamter aus Belgien als Zeugen gehört werden. Sie ermitteln gegen die international agierende Drogenbande - die Hintermänner der Ende Mai in Brandenburg geplatzten Großlieferung.

Medien hatten schon zuvor berichtet, dass das Heroin aus dem Iran stammen und einen Reinheitsgehalt von 53 Prozent haben soll.  Für das Verfahren gegen Süleyman Ö. sind bisher sechs Verhandlungstage terminiert. Bei einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und 15 Jahren.