69 Meter hoher Büroturm: Total im Niemandsland

Berlin - Ein bisschen Wehmut sei schon dabei, sagt Hans-Christian Gützkow. Bald wird er nicht mehr schnell in der Pause zu seinem Lieblingsfriseur in der Schützenstraße gehen können. Auch die Cafés rings um den Spittelmarkt in Mitte wird er vermissen. Gützkow ist Geschäftsführer des französischen Mineralölkonzerns Total in Deutschland. Der 48-Jährige bezieht in anderthalb Wochen mit 500 Mitarbeitern die neue Deutschlandzentrale des Konzerns in der Europacity nördlich des Hauptbahnhofs. Das Hochhaus wurde am Donnerstag als erster Neubau auf dem 40 Hektar großen Areal eröffnet.

Start für Europacity

Gützkow fühlt sich dort aber als Pionier. Denn der 69 Meter hohe Büroturm steht am Hauptbahnhof einsam da, in einem Niemandsland. Er wurde für 66 Millionen Euro vom österreichischen Unternehmen CA Immo errichtet und an Total vermietet. „Das Haus ist ein Wahrzeichen für Berlin“, findet der Geschäftsführer. Es symbolisiere die Verbundenheit mit der Stadt.

Ähnlich sieht das der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), er spricht von einem wunderbaren Zeichen deutsch-französischer Kooperation. Zumal der Wegbereiter der Europäischen Union, der französische Unternehmer Jean Monnet (1888–1979), mit der Benennung einer Straße neben dem Tower geehrt werde. „Total gibt mit der Eröffnung des ersten Bürohauses das Startsignal für die Entwicklung der Europacity“, sagte Wowereit. In zehn Jahren werde man das Gebiet nicht wiedererkennen.

Fassade wirkt monoton

Entworfen wurde das Haus von den Architekten Regine Leibinger und Frank Barkow. Die Fassade aus Betonfertigteilen wirkt zwar monoton. Durch den leichten Knick in dem Gebäude werde aber ein „eleganter Schwung und die gewünschte Plastizität und Dynamik erzeugt“, sagte Regine Leibinger. Es sei ein Spiel von Licht und Schatten, „das sieht auch im Nebel nicht schlecht aus“, so Barkow.

Die CA Immo hofft, dass mit Total die Erfolgsstory in der Europacity beginnt. Geplant sind auf dem Gelände zwischen Invaliden- und Perleberger Straße Milliardeninvestitionen. Büro- und Geschäftshäuser, Hotels und 1200 Wohnungen sollen entstehen. So will die Gesellschaft 50Hertz, Betreiber von Hochspannungsnetzen, an der Heidestraße ihre Firmenzentrale errichten. Die Groth-Gruppe will Wohnungen bauen. Südlich des Hauptbahnhofs wird für ein Intercity Hotel bald Richtfest gefeiert, für ein Steigenberger-Hotel war Baubeginn.

Gützkow sitzt auf gepackten Koffern. Die Hälfte seiner Unterlagen hat er aussortiert. Auch im Unternehmen wurden Akten – aneinandergereiht fünf Kilometer lang – entsorgt. Wenn schon das Gebäude energieeffizient gebaut wurde, soll auch sparsam gearbeitet werden. „Wir wollen möglichst ohne Papier auskommen und haben dafür elektronische Systeme entwickelt“, sagte er. In der Schützenstraße werden am 19. Oktober um 12 Uhr die Computer ausgeschaltet, am darauffolgenden Montag will Total im Hochhaus die Arbeit aufnehmen.

Fest zur Einweihung: Total öffnet das Hochhaus, Jean-Monnet-Straße 2. Es kann Sa und So, 12–18 Uhr, besichtigt werden. Es gibt ein Rahmenprogramm, ausgestellt ist u. a. ein Formel-1-Rennwagen von Weltmeister Sebastian Vettel.