Polizisten knien auf einem festgenommenen Demonstranten.
Foto: Markus Wächter

Berlin - Es ist 9.12 Uhr, als der Gerichtsvollzieher, eskortiert von Polizisten, an der Tür der Kiezkneipe Syndikat in Neukölln erscheint. Schon tags zuvor hatte die Polizei die Weisestraße, in der die Kneipe liegt, abgesperrt. Wenig später kommt der Mann vom Schlüsseldienst. Es dauert nicht lange, dann ist die Tür offen, das Schloss ausgetauscht. Gerichtsvollzieher und Polizisten verschwinden im Inneren der Kneipe, während ein Mann von einem Balkon darüber „Schande, Schande, schämt euch!“ schreit und damit die aufgeladene Stimmung hinter der Absperrung befeuert. Nachbarn stehen an offenen Fenstern und schlagen aus Protest gegen die Räumung der Kneipe mit Löffeln auf Kochtöpfe.

Das 1985 gegründete Syndikat war nicht nur Punk-Kneipe und Kieztreff, sondern auch eine Institution in der linksradikalen Szene. Mit seiner Zwangsräumung, die an diesem Freitag durch ein Großaufgebot der Polizei durchgesetzt wurde, haben die Auseinandersetzungen um den Strukturwandel der Hauptstadt einen neuen Höhepunkt erreicht. Und es zeigt sich, dass auch der rot-rot-grüne Senat nicht viel gegen internationale Großinvestoren ausrichten kann, außer einen „Mietendeckel“ zu erfinden, dessen Haltbarkeit sich vor dem Verfassungsgericht erst noch zeigen muss.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.