ORANIENBURG - Den Festumzug zum Stadtjubiläum führt Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke an. Gemeinsam mit den Stadtverordneten folgt er dem aus tausenden Blumen gesteckten Stadtwappen. Die Oranienburger Fahne trägt er auf der Schulter, später bekommt er Blumen, und obwohl er die Hände voll hat, begrüßt er dauernd jemanden, winkt und strahlt über das ganze Gesicht. Die Stadt hat am Wochenende die Festwoche anlässlich ihres 800-jährigen Bestehens eröffnet. Vom 3. bis 12. Juni 2016 finden von Konzerten bis Drachenbootrennen rund um das Schloss zahlreiche außergewöhnliche Veranstaltungen statt.

Laesicke ist einer der dienstältesten Bürgermeister des Landes Brandenburg. Seit 1993 leitet er hauptverantwortlich die Geschicke der Stadt, von 1990 bis 1993 war er stellvertretender Bürgermeister. „Es ist meine Stadt. Für die fühle ich mich verantwortlich wie ein Vater für seine Familie, und insofern ist es klar, dass ein Vater vorweg geht. Nicht bloß bei der 800-Jahr-Feier, sondern auch bei Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit und bei anderen Anlässen. Man muss als Bürgermeister eine Haltung vorleben. Wie er sich seine Stadt wünscht, so muss der Bürgermeister auch selber sein“, sagt er.

Die Stadt hat sich herausgeputzt. Die Balkons der Wohnhäuser, die Geschäfte und Stände sind mit orangen Luftballons geschmückt. Auf vielen Straßen herrscht dichtes Gedränge. Hans-Joachim Laesicke vergleicht die Stimmung mit dem Kölner Karneval. „Als wir um die Ecke gekommen sind und ich habe diese proppenvoll gefüllte Straße gesehen, da ist mir wirklich die Luft weggeblieben“, sagt er.

Geschichte in Bildern

Die mehr als 60 Wagen des Festumzuges, die den Stadtvätern folgen, illustrieren die Ereignisse der wechselvollen Stadtgeschichte. Natürlich spielt dabei die Barockzeit eine ganz besondere Rolle, verdankt die Stadt ihr doch letztlich neben der Namensgebung auch das Schloss und den zugehörigen Park. Beide prägen bis heute das Gesicht Oranienburgs und sind Schauplatz der Festtage. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt erfolgte im Jahre 1216 zunächst als „Bochzowe“. Später wurde daraus Bötzow. Der heutige Name Oranienburg geht auf niederländische Prinzessin Louise Henriette von Oranien-Nassau zurück, die spätere Kurfürstin von Brandenburg, die als Begründerin des wirtschaftlichen Aufschwungs in Brandenburg-Preußen gilt. Die Domäne Bötzow war ein Geschenk ihres Mannes. Hier ließ sie zwischen 1651 und 1655 einen Landsitz im holländischen Stil errichten. Oranienburg war ursprünglich nur der Name des Schlosses. Er wurde später auf die gesamte Stadt übertragen. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Große Jacht, die auch Goldene Jacht genannt wird. Der Nachbau des Schiffes der kurbrandenburgischen Marine entstand für die Landesgartenschau Brandenburg 2009. Es trägt den Namen Sehnsucht und ankert neben dem Schloss. Während der Festwoche bietet die „Sehnsucht“ täglich Fahrten zum Lehnitzsee an.

Der Festumzug beschäftigt sich auch mit schrecklichen Ereignissen. Eines der ersten Konzentrationslager wurde 1933 in Oranienburg errichtet. Weil in Oranienburg kriegswichtige Güter produziert wurden, war die Stadt eine der am dichtesten bombardierten Kleinstädte des Landes. Weitere Bilder zeigen Nachkriegsgeschichte, die DDR-Zeit, Schulen und Vereine stellen sich vor.

Der Umzug mündet schließlich im Schlosspark, der in diesen Tagen eine Festwiese samt Riesenrad ist. Bis zum 12. Juni folgen die Ereignisse dicht aufeinander. Zum Picknick in Weiß sind am Mittwochabend alle in den Schlosspark eingeladen, am Freitag und Sonnabend findet das Drachenbootrennen statt. Die gesamte Woche über werden Konzerte veranstaltet. Bürgermeister Laesicke ist zufrieden: Ein gelungenes Familienfest, findet er.