BerlinEin Berliner Bauprojekt wird – wieder einmal – teurer. Die Kosten für Sanierung und Umbau des Robert-Koch-Forums im Regierungsviertel sind von zunächst veranschlagten gut 52 Millionen Euro auf voraussichtlich über 87 Millionen Euro gestiegen. Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hat die für die Jahre 2020 und 2021 vorgesehenen 33 Millionen Euro gesperrt und trotz dringender Bitte der Senatsfinanzverwaltung noch nicht freigegeben.

Gleich neben den Bundestagsgebäuden steht zwischen Spree, Wilhelm-, Bunsen- und Dorotheenstraße der über 130 Jahre alte Komplex, dessen Steinfassade sich deutlich von der Glas-Stahl-Architektur der Umgebung abhebt: das Robert-Koch-Forum. Einstmals für Medizin-, Naturwissenschaft- und Technikinstitute der heutigen Humboldt-Universität errichtet und früher auch von der Charité genutzt, soll es Sitz der Hertie School werden, einer privaten Universität, die noch in der Friedrichstraße residiert.

Außerdem soll die Geschäftsstelle der Berlin University Alliance (BUA) einziehen, ein Forschungsverbund von Humboldt-, Freier und Technischer Universität sowie der Charité. Mieter ist bereits das Einstein Center Digital Future.

Für die neuen Mieter muss umgebaut werden, die Laborräume beispielsweise werden nicht mehr benötigt. Nach einer ersten Kalkulation der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM, die die Arbeiten organisieren soll, wurde zunächst mit gut 52 Millionen Euro Gesamtkosten gerechnet. Doch dann schlugen diverse Kostensteigerungen zu Buche.

Foto: imago images/Raimund Müller
Das Gebäude ist nach dem großen Mediziner Robert Koch benannt, der 1882 den Tuberkulose-Erreger fand und die Entdeckung in einem Vortrag in diesem Haus bekannt machte.

Als im Februar 2020 mit der Schadstoffsanierung begonnen wurde, tauchte in Nachkriegseinbauten Asbest auf. Die Hereinnahme der BUA als Nutzer machte Umplanungen und Neubauten nötig. Der „Große Saal“ muss mit mindestens 15 Meter tief in die nasse Erde reichenden Pfählen neu gegründet werden. Und zwar erschütterungsfrei, weil das nebenan liegende ARD-Hauptstadtstudio kein Beben verträgt. Dazu kamen noch Erhaltungswünsche des Denkmalschutzes.

Kommt kein Geld, könnte der Hauptmieter abspringen

In einem Bericht an den Hauptausschuss bat Finanz-Staatssekretärin Vera Junker (SPD) darum, die wegen der zuvor fehlenden Bauplanungsunterlagen (BPU) gesperrten Mittel für das Robert-Koch-Forum freizugeben, weil die BPU jetzt vorliegen. Denn ohne die Freigabe könnte die Hertie School, mit der noch kein Mietvertrag, sondern nur eine Absichtserklärung abgeschlossen wurde, als „Ankermieter“ verloren gehen.

So ein Mieter ist aber notwendig, damit sich die Kosten über die Miete nach 30 Jahren amortisieren, wie es die Finanzverwaltung als Eigentümerin anstrebt. Die Zeit drängt, weil die Privatuniversität 2024 ihren Betrieb im Robert-Koch-Forum aufnehmen will. Auch kürzere Verzögerungen könnten lehrplanbedingt dazu führen, dass der Betrieb erst ein ganzes Jahr später beginnen kann. 2018 war bereits 2022 ins Auge gefasst worden.

Dennoch wurde der Tagesordnungspunkt bei der letzten Sitzung des Hauptausschusses auf den 20.  Januar vertagt – es war zu lange über andere Themen gesprochen worden.

Die BIM konnte zu dem Vorgang keine konkrete Stellungnahme abgeben. Axel Baisch, kaufmännischer Geschäftsführer der Hertie School, zeigte sich trotz der Vertagung relativ entspannt. Noch gebe es einen mehrmonatigen Zeitpuffer, um den Einzug im Sommer 2024 noch halten zu können, sagte er der Berliner Zeitung. Was jedoch noch immer fehlt, ist ein Mietvertragsvorschlag der BIM, der Eckdaten wie die Miethöhe und Investitionskostenzuschüsse enthält.