Natürlich möchte ich ein Teil der Verkehrswende sein. Ich bin seit fast drei Jahren nicht geflogen, wobei ich zugeben muss, dass das auch an der Pandemie lag. Wenn ich mit einem Auto mitfahre, ein eigenes besitze ich nicht, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Hätten mein Freund und ich nicht irgendwie mit der Bahn zu diesem Ferienhaus auf Rügen gelangen können?

Die Antwort ist, es wäre zu umständlich gewesen, zumal es weit und breit keine Einkaufsmöglichkeit, kein geöffnetes Restaurant und keine Bushaltestelle gab. Vielleicht sollte ich Urlaube an abgelegenen Orten aufgeben.

Zumindest in große Städte kann man aber ja mit der Bahn fahren, dachte ich. Es ist ökologischer, geht oft schneller, im Zug kann man lesen oder über den Gang schlendern. Als mich ein guter Bekannter vor ein paar Wochen zu einer Feier in der Nähe von München einlud, freute ich mich fast so sehr auf die Bahnfahrt wie auf den Abend.

Drei Tage vorher buchen? Viel zu kurzfristig!

Drei Tage vorher buchte ich die Zugtickets. Ja, drei Tage vorher erst. Bis dahin war nicht klar gewesen, ob wir wirklich fahren können. Jeder Bahnfan, dem ich das erzähle, rollt mit den Augen. Viel zu kurzfristig! Ich habe immerhin eine Bahncard 25, die ich mir, im festen Willen, öfter Bahn zu fahren, vor zweieinhalb Jahren zugelegt hatte. Kurz danach begann die Pandemie, aber ich vergaß zweimal, die Bahncard wieder abzubestellen. Mein Freund hat keine.

Die Tickets kosteten jedenfalls fast 400 Euro. Erst dachte ich, ich hätte mich verguckt. Sonnabend hin, Sonntag zurück. Zweite Klasse. Sie galten nur für jeweils einen Zug, nicht auch für den davor oder danach, das wäre noch teurer gewesen.

Die Rückfahrt war mittags, eigentlich wäre ich lieber ein paar Stunden länger in Bayern geblieben. Die späteren Rückfahrten hätten den Preis für uns beide auf fast 500 Euro getrieben. So viel kosteten übrigens zwei Flüge, hin und zurück, am selben Wochenende, wie ich bei einer kurzen Suche feststellte.

Man muss das mit der Verkehrswende wirklich sehr wollen, dachte ich. Und man muss es sich leisten können. Mein Freund sagte, dass das Benzin für die Strecke vielleicht 200 Euro gekostet hätte. Weil die Spritpreise gerade so hoch sind, sonst sei es billiger.

Zwei Tage später mussten wir die Reise nach München leider absagen. Weil im Leben immer etwas dazwischen kommen kann, hatte ich Tickets genommen, die sich stornieren ließen (auch das kostete extra). Die Bahn zog eine Gebühr ab und stellte mir einen Gutschein über 380 Euro aus.

Eine Woche später schrieb mir eine Freundin, die im Ausland lebt, dass sie am Sonnabend in Hamburg sei. Wir beschlossen, uns zu treffen. Ich wollte natürlich wieder mit der Bahn fahren. Dann brannte ein Kabel in Hamburg, viele Züge fielen aus, die Bahn warnte beinahe, ein Ticket zu buchen.

Ein absurd billiges Sommerangebot

Ein Kollege, der nach Hamburg musste, nahm mich am Morgen mit dem Auto mit. Nachmittags nahm ich einen Zug zurück. Wegen des Kabelbrands fielen immer noch viele Züge aus, die anderen hatten Verspätung. Die Bahnfahrt war trotz meiner Bahncard teurer (im Auto waren wir zu dritt), unbequemer und kaum schneller als die Autofahrt am Morgen.

Alles daran machte mir schlechte Laune. Ich versuchte, meine Beine zu strecken, ohne an einen anderen Fahrgast zu stoßen, und dachte an das Neun-Euro-Ticket, mit dem man ab Juni durch ganz Deutschland fahren darf, in Regionalzügen. Ein absurd billiges Sommerangebot, das einen wahrscheinlich drei Monate lang vergessen lassen soll, dass es in Deutschland einfach viel zu teuer ist, mit der Bahn zu fahren.

Wenn man das sagt oder schreibt, entgegnet immer jemand: Es gibt so viele Sonderangebote bei der Deutschen Bahn! Man müsse nur frühzeitig buchen. Wahrscheinlich ist mein Leben das Problem, kann ich da nur sagen. Es ist zu schlecht planbar. Es ist für die Verkehrswende einfach nicht geeignet.