Sie wollen das 9-Euro-Ticket ausprobieren? Gute Idee! Und damit sind Sie nicht allein: Vor dem Start wurde das Ticket in Deutschland mehr als sieben Millionen Mal gekauft. In Berlin hat die Zahl der Neukunden 700.000 erreicht, sagte Verkehrs-Staatssekretärin Meike Niedbal (Grüne) im Mobilitätsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen rechnet mit 30 Millionen Nutzern – darin sind aber schon die Abonnenten und anderen Stammkunden eingerechnet, die das Ticket nicht extra kaufen müssen, sondern die Vergünstigungen automatisch nutzen dürfen.

Ein so einfaches Tarifangebot hat es im deutschen Nahverkehr noch nie gegeben. Trotzdem gibt es noch viele Fragen. Die Berliner Zeitung gibt die Antworten.

Ab wann gilt das 9-Euro-Ticket?

Am 1. Juni, um 0 Uhr, geht es los. Das 9-Euro-Ticket gibt es jeweils für die Kalendermonate Juni, Juli und August 2022.

Wie lange gilt das 9-Euro-Ticket?

Jedes 9-Euro-Ticket gilt vom ersten bis zum letzten Tag des Monats, für das es gekauft wurde. Beispiel: Wer ein Ticket für den Juni 2022 erworben hat, darf vom 1. bis zum 30. Juni, 23.59 Uhr, damit fahren.

Wo kann man das 9-Euro-Ticket kaufen?

Überall, wo es Fahrscheine für den Nahverkehr gibt. So gibt es das 9-Euro-Ticket zum Beispiel an den Fahrscheinautomaten und in den Verkaufsstellen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der S-Bahn Berlin und der Deutschen Bahn (DB).

Natürlich kann man es auch digital kaufen, mithilfe der Apps von diesen und anderen Unternehmen. Wichtig: Wer bereits eine Jahreskarte oder ein Abo hat, muss nichts unternehmen. Die gilt automatisch bundesweit als Fahrausweis.

Was muss ich bei der Benutzung beachten?

Einen amtlichen Lichtbildausweis mitnehmen! Das 9-Euro-Ticket gilt nur für eine Person. Der Name muss auf dem Ticket eingetragen sein.

dpa/Monika Skolimowska
Es muss nicht immer die Ostsee sein. Auch mit der S-Bahn (hier eine S5 nach Strausberg Nord) lassen sich schöne Ausflüge unternehmen. Das 9-Euro-Ticket wird anerkannt, für Fahrräder sind Fahrradkarten zu lösen.

Ich habe bereits eine Jahreskarte, meine Frau ein Abo. Was müssen wir tun?

Nichts. Wer bereits Stammkunde zum Beispiel der BVG oder S-Bahn Berlin ist, darf sein Ticket in ganz Deutschland nutzen. Die VBB-Fahrcard, die man bekommen hat, wird in Juni, Juli und August zusammen mit einem Lichtbildausweis automatisch bundesweit als Fahrausweis anerkannt. Diese Regelung gilt für Abonnements von VBB-Umweltkarten mit monatlicher und mit jährlicher Abbuchung. Auch wer ein Abo Ausbildung und Schüler, ein Schülerticket Berlin, ein Semesterticket oder ein VBB-Abo Azubi besitzt, darf die Leistungen eines 9-Euro-Tickets automatisch nutzen. Nicht zu vergessen die Inhaber des Seniorentickets: Auch die Besitzer eines VBB-Abos 65plus sind einbezogen.

Muss ich auch als Abonnent oder Jahreskarteninhaber nur 9 Euro pro Monat zahlen?

Ja! Der monatliche Fahrpreis wird automatisch auf neun Euro reduziert. Wer die Abo-Beträge monatlich abbuchen lässt, der bekommt in Juni, Juli und August nur jeweils neun Euro abgezogen. Wer sein Jahresticket im Voraus bezahlt hat, bekommt Geld von seinem Verkehrsunternehmen zurück – ebenfalls, ohne dies beantragen zu müssen. Doch die Abwicklung wird eine Zeit lang dauern. Die Verkehrsbetriebe bitten um Verständnis. Allein die BVG hat 870.000 Stammkunden. Also etwas Geduld!

Brauchen Kinder ein eigenes 9-Euro-Ticket?

Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos. Kinder ab sechs Jahren und Jugendliche benötigen ein eigenes 9-Euro-Ticket. Es ist nicht möglich, sie kostenlos mitzunehmen.

Darf ich andere Reisende unentgeltlich mitnehmen?

Nein! Jeder Fahrgast, der älter als fünf Jahre ist, braucht ein eigenes 9-Euro-Ticket, das auf ihn oder sie ausgestellt ist. Es gibt keine Gruppenermäßigung und keinen Rabatt.

Darf mein Hund kostenlos mitfahren?

Haustiere, die klein (bis zur Größe einer Hauskatze), ungefährlich und in geschlossenen Behältnissen (zum Beispiel Tierboxen) untergebracht sind und wie Handgepäck transportiert werden, dürfen schon jetzt bei Bahnfahrten kostenlos mitgenommen werden. Dagegen gelten Hunde, die größer als eine Hauskatze sind, im deutschen Bahnverkehr als entgeltpflichtig.

Es ist nicht möglich, für Hunde ein 9-Euro Ticket zu kaufen. Die Tickets sind personalisiert, auf Tiere können sie nicht ausgestellt werden. Für entgeltpflichtige Hunde müssen die jeweiligen jetzt schon gültigen Bestimmungen beachtet werden.

Ein Beispiel: Wer einen solchen Hund zum Beispiel innerhalb von Berlin und Brandenburg mitnehmen will, muss für die gewünschte Strecke einen Fahrschein zum Ermäßigungstarif kaufen. Außerhalb von Berlin und Brandenburg wird es kompliziert, dort gelten unterschiedliche Bestimmungen je nach Verkehrsverbund und/oder Verkehrsunternehmen. Es ist leider so, man muss sich vorab informieren.

Muss ich das 9-Euro-Ticket kündigen?

Nein. Die Gültigkeit eines jeden Tickets endet automatisch am Ende des jeweiligen Kalendermonats. Der  Geltungszeitraum ist aufgedruckt.

Kann ich Tickets für alle drei Monate auf einmal kaufen?

Ja, das ist möglich.

Ist das 9-Euro-Ticket personalisiert?

Ja, jedes Ticket gilt nur die Person, für die es ausgestellt wurde. „Beim Kauf des Tickets sind Name und Vorname des Reisenden anzugeben, sie werden auf dem Ticket erfasst. Erfolgt kein automatisierter Namenseintrag auf dem Ticket, sind Name und Vorname durch den Reisenden in dem vorgesehenen Namensfeld oder an geeigneter Stelle auf dem Ticket handschriftlich einzutragen“, heißt es in den Beförderungsbedingungen.

„Bei der Fahrkartenkontrolle ist auf Aufforderung die Identität durch einen amtlichen Lichtbildausweis nachzuweisen.“ Also: Stets den Personalausweis mitnehmen!

In welchem Gebiet gilt das 9-Euro-Ticket?

In ganz Deutschland. Von Flensburg bis Berchtesgaden, von Aachen nach Görlitz. Aber nur in besonders bekannt gegebenen Ausnahmefällen über Deutschland hinaus – etwa nach Salzburg oder von Ahlbeck nach Świnoujście (Swinemünde). Wer hingegen zum Beispiel nach Szczecin (Stettin) oder Kostrzyn (Küstrin) reist, muss für den Abschnitt ab der letzten Station in Deutschland (Tantow beziehungsweise Küstrin-Kietz) ein reguläres Ticket nach dem Tarif des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg lösen.

In welchen Zügen gilt das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket ermöglicht es, den gesamten Nahverkehr in ganz Deutschland zu nutzen – so oft man will. So wird es zum Beispiel in S- und U-Bahnen, Straßenbahnen, Linienbussen in Dörfern, Städten und Landkreisen sowie auf einigen Fähren anerkannt.

Auch der Schienen-Personennahverkehr gehört dazu. Dazu zählen Regionalbahnen und Regionalexpresszüge, egal, ob sie von der DB, der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg), der Niederbarnimer Eisenbahn oder anderen Unternehmen betrieben werden. Auch Freizeitverkehre wie die Mecklenburgische Südbahn nach Plau am See und bestimmte Dampfzuglinien wie der „Molli“ oder der „Rasende Roland“ an der Ostsee stehen offen.

In welchen Zügen gilt das 9-Euro-Ticket nicht?

Weil es sich um ein Nahverkehrsticket handelt, ist eine Nutzung des Fernverkehrs ausgeschlossen. So gilt das 9-Euro-Ticket nicht im Intercity Express (ICE), auch nicht in Intercity, Eurocity, Railjet und Nightjet.

Zwar gibt es einige Strecken, auf denen Fahrgäste Züge von DB Fernverkehr mit Regionaltarifen nutzen dürfen. Doch ob diese Züge auch mit dem 9-Euro-Ticket genutzt werden dürfen, müssen die Länder von Fall zu Fall mit der DB vereinbaren – und bezahlen. Für Berlin und Brandenburg gilt bislang: Auch Fernzüge, die Fahrgästen mit einem Ticket des Verkehrsverbunds VBB offenstehen, sind für das 9-Euro-Ticket tabu.

Nicht zu vergessen: Deutschlandweit wird das 9-Euro-Ticket auch nicht im Flixtrain, im Flixbus oder in anderen privaten Fernverkehrsmitteln anerkannt.

Darf ich mit dem 9-Euro-Ticket in die erste Klasse?

Nein. „Ein Übergang in die 1. Wagenklasse ist ausgeschlossen“, heißt es in den Beförderungsbedingungen. Wer erstklassig reisen will, muss vor der Reise eine reguläre Fahrkarte für die erste Klasse lösen. Das 9-Euro-Ticket wird nur in der zweiten Klasse anerkannt.

dpa/Rüdiger Walk
Andrang vor einem Regionalzug im Berliner Hauptbahnhof. Auch in Berlin und Brandenburg werden weiterhin Räder befördert.

Kann man im Nahverkehr Sitzplätze reservieren?

In der Regel ist das im Nahverkehr nicht möglich. In Berlin und Brandenburg gibt es keine Möglichkeit, in Regionalzügen Plätze zu reservieren. In anderen Bundesländern auf bestimmten Strecken dagegen schon – zum Beispiel zwischen München und Mittenwald, Kiel und Flensburg sowie im Main-Spessart-Express zwischen Würzburg und Frankfurt am Main. Meist wird eine Gebühr fällig.

Darf ich mein Fahrrad mitnehmen – und was kostet das?

Grundsätzlich ja. Für jedes Fahrrad ist jedoch eine Fahrradkarte nach den jetzt schon geltenden Bestimmungen zu lösen.

Drei Beispiele: Wer innerhalb von Berlin ein Rad in die Bahn mitnehmen will, zahlt 2,10 Euro. Eine Fahrradmitnahme in Berlin und Brandenburg, also im Gesamtnetz des VBB, kostet 3,60 Euro. Für weitere Reisen bietet sich die Fahrradtageskarte Nahverkehr der DB an – sie kostet deutschlandweit 6 Euro.

Aber Achtung: Weil  viele Züge voller als sonst sein werden, sollte man sich gut überlegen, ob man nicht lieber am Ziel ein Fahrrad mietet.

Faustregel: Vor allem auf touristisch interessanten Strecken und insbesondere am Wochenende können die Radabteile so voll werden, dass nicht jeder mitkommt – oder mit dem Rad nach Hause fahren muss.

Volle Regios dank 9-Euro-Tickets: Droht der Nahverkehr-Kollaps?

Schon bisher wurden Regionalzüge auf Bahnstrecken, die touristisch oder für den Ausflugsverkehr interessant sind, stark frequentiert. Vor allem an Wochenenden bei schönem Wetter kann es so voll werden, dass es nur noch Stehplätze gibt oder weniger durchsetzungsfähige Reisende am Bahnsteig zurückbleiben müssen.

Auf welchen Linien könnte es besonders eng werden?

Diese Warnung gilt unter anderem für die Regionalexpresszüge der Linie RE2 in den Spreewald, der Linie RE3 zwischen Berlin und Stralsund sowie der Linie RE5 zwischen Berlin und Rostock. Aber auch auf Regionalbahnlinien kann es bei Sonnenschein voll werden – etwa auf der RB26 zwischen Berlin und Kostrzyn (Küstrin) und der RB27 zwischen Berlin und der Schorfheide.

Wie umgeht man das Gedränge?

Wann immer es möglich ist: Stark frequentierte Linien möglichst am Wochenende meiden. Unter der Woche ist die Situation meist entspannter.

Wer trotzdem am Sonnabend oder Sonntag in Richtung Norden fahren will: die zusätzlichen Ausflugszüge nutzen, die am Vormittag von Berlin ins Umland und am Nachmittag wieder zurückfahren. In den Spreewald fährt auch die Regionalbahn RB24.

Wer einen Ausflug in die  Uckermark plant, sollte sich nach Möglichkeit die Regionalexpresszüge aussuchen, die Schwedt als Ziel haben. Sie sind meist (aber auch nicht immer) leerer als die Züge nach Stralsund. Und generell gilt: Auch mal andere Ziele ausprobieren. Im Havelland (am besten per Regionalbahn via Nauen) ist es auch schön. Mit der S-Bahn lassen sich ebenfalls Ausflüge organisieren.

9-Euro-Offensive: Fahren mehr Züge in Richtung Ostsee?

Tatsächlich ist das geplant – das hätte lange niemand für möglich gehalten. So werden die zusätzlichen Ausflugszüge, die bisher am Wochenende von Berlin nach Norden fuhren, bis ans Meer verlängert. Das bedeutet zusätzliche Fahrmöglichkeiten vom Berliner Hauptbahnhof um 10.12 Uhr nach Rostock und um 10.22 Uhr nach Stralsund. Um 14.59 Uhr geht es von Rostock und um 15.46 Uhr von Stralsund zurück nach Berlin.

Außerdem verkehren an Wochenenden und Feiertagen zusätzliche Regionalzüge in Mecklenburg-Vorpommern im Anschluss an Züge von und nach Berlin. Dadurch entstehen neue Umsteigeverbindungen: um 15.43 und 19.43 Uhr von Berlin mit Umsteigen in Neustrelitz nach Rostock, um 15.37 und 19.37 Uhr zurück - und um 9.32 Uhr von Berlin mit Umsteigen in Angermünde nach Stralsund und um 7.02 und 17.47 Uhr wieder zurück. Achtung: Auf jeden Fall vorher www.bahn.de konsultieren.

Ab Mitte Juni verkehrt ein Zusatzzug Sonnabend und Sonntag zwischen Berlin, Greifswald und Stralsund.

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Alles einsteigen nach Binz und Göhren. Auch der Dampfzug „Rasender Roland“ auf der Ostseeinsel Rügen darf mit dem 9-Euro-Ticket genutzt werden – wie auch der „Molli“ zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn.

Wird die Kapazität auch auf anderen Strecken erhöht?

Die Züge der Regionalexpresslinie RE7, die von Berlin aus Bad Belzig und Dessau ansteuern, sollen an Wochenenden verlängert werden. In der Lausitz wird es ebenfalls mehr Sitzplätze geben, genauer gesagt auf den Zügen der Linien RE15 und RE18 zwischen Hoyerswerda, Cottbus und Dresden. „Weitere Zusatzzüge, insbesondere für den Ferienzeitraum ab Anfang Juli, sind mit den Verkehrsunternehmen in Prüfung“, so der Verkehrsverbund VBB.

Warum darf man nicht gleich kostenlos reisen?

Um den Nahverkehr besser planen zu können, setzte sich vor allem der Bund dafür ein, den Kauf von Tickets zu verlangen. So lässt sich besser feststellen, wie viele Menschen ein solches Angebot nutzen.

Was passiert nach dem Rabattzeitraum?

Vom 1. September an gelten wieder die regulären Tarife. Und weil sich Bund und Länder immer noch darüber streiten, wie viel Geld der öffentliche Verkehr braucht, drohen vielerorts Fahrpreiserhöhungen.

Das gilt auch für Berlin und Brandenburg: Hier könnte es sein, dass die Fahrkarten für BVG, S-Bahn & Co. zum 1. Januar 2023 teurer werden. Nach ersten Rechnungen müsste die Anhebung im Schnitt etwas mehr als fünf Prozent betragen.

Jetzt ist aber erst mal Sommer – viel Spaß beim günstigen Bahnfahren!