Auch an diesem Wochenende wird es in den Zügen an die Ostsee wieder voll werden. Doch eine neue Zugverbindung, die sonnabends und sonntags zwischen Berlin und Stralsund das Angebot im Regionalverkehr ergänzt, könnte das Gedränge zumindest etwas lindern. Auf anderen Strecken von Berlin in Richtung Meer droht dagegen erneut Ungemach. Fahrgäste sollten sich vorher informieren.

Die Premiere der neuen Verbindung nach Norden fand bereits am 12. Juni statt, ganz im Stillen, ohne Mitteilungen. Das Neun-Euro-Ticket hat den Andrang auf die Züge an die Ostsee erhöht, da muss für sie nicht auch noch geworben werden, sagten sich die Verantwortlichen. Etwas geheimnisumwoben ist der neue Regionalexpresszug von Berlin nach Stralsund und zurück auch jetzt noch. In der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn (DB) war er am Freitagmittag noch nicht zu finden.

Die Reise an die Ostsee startet in Berlin am Südkreuz

Doch es gibt ihn wirklich. „Der Zug wird bis Ende August an den Wochenenden verkehren“, teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) auf Anfrage mit. Er hatte mit der zuständigen Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern schon andere Zusatzangebote ausgehandelt. Die Fachleute ahnten: Wenn im Juni, Juli und August das Neun-Euro-Monatsticket gilt, wird der Andrang noch größer ausfallen als sonst. Voll war es auch vorher schon, jetzt könnte es noch voller werden.

Zumindest in der Fahrplanauskunft des Verkehrsverbunds ist der zusätzliche Zug bereits zu finden. Danach soll er sonnabends um 8.13 Uhr in Berlin im Bahnhof Südkreuz abfahren. Um 8.21 Uhr verlässt er den Hauptbahnhof, um 8.33 Uhr den Bahnhof Gesundbrunnen. Am Sonntag geht es schon um 8.12 Uhr am Südkreuz los, ansonsten sind die Fahrzeiten in Berlin dieselben. Wie gesagt: Das Neun-Euro-Ticket gilt. Und wer ein Abo oder eine Jahreskarte hat, kann mit ihr ohne Aufschlag ans Meer reisen.

Fahrzeit ist kürzer als mit den regulären Regionalexpresszügen nach Stralsund

Unterwegs hält der neue zusätzliche Regionalexpresszug an weniger Stationen als der reguläre Regionalexpress. Stopps sind vorgesehen in Eberswalde, Angermünde, Prenzlau, Pasewalk, Züssow (mit Anschluss nach Usedom) und Greifswald. Am Sonnabend ist die Ankunft in Stralsund für 11.03 Uhr vorgesehen, am Sonntag um 11.09 Uhr. Er ist also eine halbe Stunde eher am Ziel als die anderen Regionalzüge. Dafür ist der Anschluss nach Rügen nicht so gut: Wer dort hin will, muss in Stralsund fast eine Stunde warten.

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Ein Zug der Ostdeutschen Eisenbahn im Berliner Hauptbahnhof. Eine solche Zuggarnitur wird auch bei der zusätzlichen Fahrt von Berlin nach Stralsund und zurück eingesetzt.

Auch die Fahrzeiten für die Rückfahrt stehen fest. Laut VBB startet der neue Regionalzug am Sonnabend um 16.45 Uhr in Stralsund, um 19.38 Uhr ist er am Berliner Hauptbahnhof. Am Sonntag geht es erst um 18.57 Uhr zurück, Endstation ist an diesem Tag bereits in Berlin Gesundbrunnen, und zwar laut Fahrplan um 21.36 Uhr.

Die vierteilige Zuggarnitur, die 428 Sitzplätze bietet, wird von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) gestellt. Sie ist also nicht rot wie die Regionalexpresszüge der DB, die normalerweise auf der Linie RE3 über Berlin nach Stralsund verkehren.

Bauarbeiten unterbrechen die Regionalexpresslinie von Berlin nach Rostock

Doch auch die roten Züge des Bundesunternehmens sind an Wochenenden häufiger unterwegs, um der durch das Neun-Euro-Ticket noch gesteigerten Nachfrage zumindest ansatzweise gerecht zu werden. Wie bereits berichtet, wird der auf dieser Regionalverkehrsstrecke sonst übliche Zwei-Stunden-Takt durch zusätzliche Angebote ergänzt. So wurde der Ausflugszug, der um 10.22 Uhr im Berliner Hauptbahnhof startete und bisher in Prenzlau endete, nach Stralsund verlängert. Bei der Rückfahrt am Nachmittag ergänzt er auch in diese Richtung das Angebot nach Berlin.

So gesehen kann man sagen: Das Neun-Euro-Ticket wirkt. Was bisher nicht möglich schien, wird nun umgesetzt: Angesichts des großen Andrangs ist der Fahrplan wenigstens etwas ergänzt worden. Der VBB und der VMV, die im Auftrag der Bundesländer arbeiten, haben mehr Zugfahrten bestellt.

Trotzdem müssen Fahrgäste, die einen Ausflug planen, auch an diesem Wochenende wieder Unbequemlichkeiten einkalkulieren. So ist die Verbindung von Berlin in Richtung Müritz, Rostock und Warnemünde an diesem Sonnabend und Sonntag erneut unterbrochen. Der Regionalexpress RE5 verkehrt jeweils zwischen 7.30 und 21 Uhr nicht zwischen Berlin und Oranienburg. Fahrgäste der S-Bahn-Linie S1 müssen weiterhin ebenfalls auf Busse umsteigen. Grund ist ein und dieselbe Baustelle nördlich von Berlin.

Kurzfristige Krankmeldungen dünnen den Fahrplan aus

Gebaut wird auch auf der Strecke, die von Berlin an die polnische Ostsee führt. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Angermünde und Szczecin (Stettin), der ausgebaut und elektrifiziert wird. Weil es nicht gelang, Weichen einzubauen, um neben dem starken Güterverkehr von und zur PCK-Raffinerie in Schwedt zusätzliche Trassenkapazitäten zu schaffen, muss der Schienenersatzverkehr auf dem Teilstück Angermünde–Passow der Regionalbahnlinie RB66 bis Mai 2023 verlängert werden. Bis auf jeweils eine Zugfahrt am Mittag und späten Abend fahren dort ausschließlich Busse.

Doch auf der Stettiner Bahn zeigt sich immer wieder ein anderes Problem: Personalmangel, unter anderem verursacht durch einen hohen Krankenstand bei der DB. Das konfrontiert Fahrgäste kurzfristig mit Überraschungen – Reisen dauern länger, Anschlüsse werden nicht erreicht. So fielen am 11. Juni auf der Linie RB66 einige der verbliebenen Züge auf dem Reststück zwischen Passow und Szczecin aus. „Wegen kurzfristiger Krankmeldung“, wie die Bahn mitteilte. „Ein Busnotverkehr kann leider nicht eingerichtet werden (keine Busse bei den Unternehmen verfügbar).“

Auch südlich von Berlin mussten Fahrgäste länger warten

Einen Komplettausfall meldete die Bahn von der Regionalexpresslinie von Pasewalk nach Ueckermünde, auf der am vergangenen Wochenende alle Fahrten auf Schienenersatzverkehr umgestellt wurden. Auch auf der Linie RE5 zwischen Neustrelitz und Demmin wurde der Zugfahrplan notgedrungen ausgedünnt - dort sogar ersatzlos.

Am 11. Juni fanden südlich von Berlin Regionalbahnfahrten nicht statt – ebenfalls wegen „kurzfristiger Krankmeldung“. Betroffen waren fünf Züge pro Richtung auf der Linie RB24 auf dem Abschnitt zwischen Berlin und Senftenberg.

Wie die Situation im Regionalzugverkehr an diesem Wochenende konkret aussehen wird, lasse sich nicht sagen, so ein Bahnsprecher: „Wir geben unser Möglichstes. Wir können aber nicht alle Faktoren, die zu Zugausfällen führen können, selbst beeinflussen.“