Die Warnung ist unmissverständlich. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) rät davon ab, an diesem Wochenende in Richtung Rostock und Stralsund zu reisen. Auch am darauffolgenden Wochenende sei das keine gute Idee. Wegen Bauarbeiten seien die Strecken von Berlin an die Ostsee unterbrochen, teilte der Verkehrsverbund am Donnerstag mit. Fahrgäste müssen unterwegs auf Busse umsteigen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisierte, dass es offenbar keine Koordination gegeben habe.

Die Warnung richtet sich vor allem an reiselustige Besitzer des 9-Euro-Monatstickets. Sie sollten an den beiden Wochenenden lieber andere Reiseziele ansteuern, empfiehlt der Verbund. Auch der Fernverkehr, in dem das Sonderangebot nicht gilt, ist betroffen.

Zwischen Berlin und Oranienburg fällt auch noch die S-Bahn aus

Schon bevor das 9-Euro-Billigticket für den Nah- und Regionalverkehr auf den Markt kam, war in den Zügen der Regionalexpresslinien RE3 (nach Eberswalde, Angermünde, Prenzlau und Stralsund) und RE5 (nach Neustrelitz, Waren und Rostock) am Wochenende viel los. Pfingsten quollen die Wagen dann über, obwohl die Bundesländer zusätzliche Zugfahrten auf beiden Strecken bestellt hatten.

Immerhin wurden die Strecken durchgängig befahren. Das wird an den beiden nächsten Wochenenden nicht der Fall sein, berichtet der VBB. „Der Regionalverkehr wird durch lange im Voraus geplante und unumgängliche Bauarbeiten noch einmal stark eingeschränkt. Die Deutsche Bahn erneuert zwischen den Bahnhöfen Berlin-Karow und Bernau weitere Brücken und führt in Birkenwerder Bauarbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik durch“, heißt es in der Mitteilung von Donnerstagnachmittag.

Die Änderungen im Einzelnen:

Auf der Linie RE3 gibt es von Donnerstag, 9. Juni, 22 Uhr, bis Sonntag, 12. Juni, 6 Uhr, keinen Zugverkehr zwischen dem Berliner Hauptbahnhof, dem Bahnhof Gesundbrunnen und Bernau. Fahrgäste können die Züge der S-Bahn-Linie S2 nutzen. Auch jenseits von Bernau gibt es eine Einschränkung: In Chorin, einem beliebten Ausflugsziel, halten in dieser Zeit keine Züge, teilt der VBB mit. Die zusätzlich eingerichteten Fahrten entfallen.

Auch die polnische Ostsee ist nur mit Mühen erreichbar

Wer auf die Idee kommt, ein reguläres Ticket für den Fernverkehr zu kaufen: Zwischen Berlin und Stralsund sind weiterhin ICE-Züge unterwegs. Sie werden aber über eine andere Strecke geleitet (über Neustrelitz) und brauchen rund 45 Minuten länger.

Sogar die Strecke nach Szczecin (Stettin) ist unterbrochen - damit ist auch die polnische Ostsee klimafreundlich nur mit Mühen zu erreichen. Die Regionalbahnlinie RB66 ist eingestellt, statt der Züge verkehren Busse. Der ursprünglich geplante dreimonatige Schienenersatzverkehr von März bis Mai 2022 zwischen Angermünde und Passow musste verlängert werden - voraussichtlich bis Mai 2023, teilte die Bahn mit.

Betroffen ist ebenfalls die Regionalbahnlinie RB24. Am Freitag, 10. Juni, und Sonnabend, 11. Juni, fallen die Züge zwischen Berlin-Lichtenberg und Bernau aus. Auch in diesem Fall können die Fahrgäste auf die S-Bahn-Linie S2 ausweichen. Oder sie nutzen den Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen, der zwischen Berlin-Hohenschönhausen und Bernau eingerichtet wird.

Fernverkehr ist ebenfalls betroffen

Auf der Regionalexpresslinie RE5 müssen die Fahrgäste von Sonnabend, 11. Juni, 20.30 Uhr, bis Dienstag, 14. Juni, 4 Uhr, sowie am 18. und 19. Juni, jeweils von 7.30 Uhr bis 21 Uhr, mit Beeinträchtigungen rechnen. Zwischen Berlin-Gesundbrunnen und Oranienburg fahren keine Züge. Ein SEV wird eingerichtet – und das ist auch erforderlich, denn die S-Bahn-Linie S1 ist ebenfalls von Baumaßnahmen betroffen. Zwischen Birkenwerder und Oranienburg fahren keine S-Bahnen, dort gibt es ebenfalls Ersatzverkehr mit Bussen.

Wer auf die Idee kommt, ein reguläres Ticket für den Fernverkehr zu kaufen: Auch die Intercity-Linie 17 ist betroffen. Zwischen Berlin und Warnemünde fallen einige Fahrten aus, andere Intercitys werden über Schwerin umgeleitet und sind rund 45 Minuten länger unterwegs.

Verkehrsclub: Fehlplanung ist „vollkommen unverständlich“

Übrigens: Auch auf der Linie RE7, die von Berlin unter anderem Bad Belzig ansteuert, gibt es Einschränkungen. Dort finden am 11. und 12. Juni verschiedene Baumaßnahmen statt. So ist der Abschnitt zwischen Borkheide und Beelitz-Heilstätten unterbrochen. Busse ersetzen die Züge.

Wilfried Kramer vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) brachte es auf dem Punkt: „Auf den wichtigsten RE-Linien Richtung Ostsee gleichzeitige Sperrungen!“ Der Ast der Linie RE5 ist sogar an zwei Stellen unterbrochen: Zwischen Demmin und Stralsund besteht bereits seit September 2021 Schienenersatzverkehr mit einer Fahrzeitverlängerungen von mindestens einer Stunde.

„Vollkommen unverständlich ist, dass der DB Regio Nordost  als Betreiber dieser beiden wichtigsten RE-Linien diese Fehlplanung nicht im Rahmen der Baukoordination und Baukommunikation  aufgefallen ist“, so Kramer. „Vor rund zwei Wochen war die Baumaßnahme auf der RE 3 zwischen Berlin- Gesundbrunnen und Bernau noch nicht in den Auskunftssystemen eingepflegt.“