Für viele Autofahrer ein gewohntes Bild: Stop-and-go auf der A114 im Nordosten von Berlin. Doch nun kommen größere Einschränkungen in Sicht. Die alte Betonfahrbahn wird komplett abgetragen und neu gebaut.
Foto: Gerd Engelsmann / Berliner Zeitung

BerlinAchtung, es wird gearbeitet! Auf der Autobahn A114 im Nordosten von Berlin müssen Kraftfahrer schon seit Jahren mit Baustellen zurechtkommen. Doch die gravierendsten Einschränkungen stehen ihnen erst noch bevor, teilte die Senatsverkehrsverwaltung jetzt mit. Bis Ende 2023 wird der Pankow-Zubringer zum Berliner Ring, zugleich eine der wichtigsten Routen in die östliche Innenstadt, zur Großbaustelle. Autofahrer müssen sich auf Staus einrichten. „Es wird eng“, warnen die Planer.

Schlaglöcher, holprige Teilstücke, maximal Tempo 80: Wer auf der A114 unterwegs ist, der spürt, dass die acht Kilometer lange Betontrasse kaputt ist. Trotzdem wird sie laut Senat werktags von bis zu 45.000 Fahrzeugen genutzt. Viele Pendler sehen keine Alternative zur A 114, die zu DDR-Zeiten ab 1973 in Betrieb genommen wurde. Warum fahren sie nicht mit der Bahn? Schienenstrecken in diesem Gebiet, zum Beispiel die S-Bahn-Linie S2, fallen häufig aus – wegen Baustellen.

An diesem Wochenende leiden die Autofahrer. Die A 114 wird voll gesperrt. Anlass ist der Abriss der Königsteinbrücke, eines Stegs für Radler und Fußgänger. Danach wird es stadteinwärts es nur noch eine Fahrbahn geben, für viele Monate. Schlechte Nachrichten für Pendler.

A114: Endlich zwei Standspuren

Aber selbst das ist nur ein Vorspiel für die „umfänglichen Hauptbauleistungen“. So nennen die Planer den Kern ihres Projekts, dessen Gesamtkosten heute auf 95 Millionen Euro veranschlagt werden. Das ist mehr als doppelt so viel als vor drei Jahren, als noch von 45 Millionen Euro die Rede war.  

Die Betonplatten werden weggemeißelt, danach entsteht eine neue Fahrbahn aus „lärmoptimiertem Asphalt“, wie es sie bereits auf der Avus in Nikolassee gibt. Er senkt die Lärmbelastung, verspricht der Senat. „Flüsterasphalt“ wird dagegen nicht verlegt. Er müsste relativ häufig erneuert werden, was stets mit großen Verkehrseinschränkungen, die über die ganze Fahrbahnbreite gingen, verbunden wäre, entgegnen Ingenieure. Offenporiger Asphalt, kurz OPA genannt, müsste relativ häufig erneuert werden, was stets mit großen Verkehrseinschränkungen verbunden wäre - die zudem über die ganze Fahrbahnbreite gingen.

Foto: BLZ/Hecher

Auch künftig wird der Pankow-Zubringer zwei Fahrstreifen pro Richtung haben. Sie fallen aber mit 3,25 und 3,50 Metern schmaler aus als die jetzigen, die jeweils 3,75 Meter breit sind. Auch der Mittelstreifen ist künftig nicht mehr so großzügig wie heute. Er verliert einen Meter und misst künftig in der Breite zwei Meter.

Hauptgrund dieser Änderungen ist, dass die Pankower Autobahn beiderseits zwei Meter breite Standstreifen erhält. So etwas hat sie heute nicht – weshalb liegen gebliebene Autos den Verkehr aufhalten können. Wenn die neue Autobahn fertig ist, wird sie mit 25 Metern zwei Meter breiter sein als heute. Aber bis dahin wird noch viel Zeit vergehen.

700 geschützte Bäume werden gefällt

"Eine Erneuerung ist dringend erforderlich und auch unumgänglich, auch vor dem Hintergrund, dass der Berliner Norden weiter baulich verdichtet wird", sagte Sandra Hass vom ADAC Berlin-Brandenburg.

Ursprünglich sollte die Autobahn A114 bereits ab 2013 erneuert werden – doch weil die Planungen viel Zeit beanspruchen, zog sich das Verfahren hin. 2016 hieß es, dass die Arbeiten 2017 beginnen. Nun stellte der Senat den neuen Zeitplan vor - dazu gab es am Mittwochabend eine Informationsveranstaltung in Buch.

Los geht es im dritten oder vierten Quartal 2020, hieß es. Ab dann gilt Tempo 40 oder 60. Zunächst bekommt die Fahrbahn stadteinwärts eine provisorische Asphaltdecke, damit sie durchhält. Denn sie wird 15 Monate lang, voraussichtlich ab Anfang 2021, den gesamten Verkehr aufnehmen – mit einer Fahrspur pro Richtung. Währenddessen wird die alte Fahrbahn stadtauswärts abgebrochen und neu gebaut. Dort soll ab Mitte 2022 der Verkehr konzentriert werden – während die andere Hälfte der Autobahn neu angelegt wird. Ende 2023 soll die neue A114 fertig sein, fit für die kommenden Jahrzehnte.

Insgesamt 700 geschützte Bäume werden abgesägt. Ausgleichsmaßnahmen sind geplant. Auch an der A114 werden später Bäume gepflanzt.

Keine Baustelle auf der A111 bis 2023

Welche Alternativen für Kraftfahrer sind während der Hauptbauarbeiten geplant? Es wird eine Entlastungsstrecke geben, die über die Berliner, Pasewalker, Haupt- und Schönerlinder Straße verläuft. Ein Abschnitt wurde bereits saniert, eine intelligente Ampel, die den Verkehr in den Hauptrichtungen flüssig halten soll, installiert. Weitere kapazitätserhöhende Maßnahmen sind geplant – zusätzliche Abbiegespuren am Knotenpunkt Bucher/ Schönerlinder Straße und zusätzliche Ampelanlagen, die ebenfalls dazu beitragen sollen, den Verkehr flüssig zu halten.

Die Autobahn A114

Verspäteter Start: Die Autobahn A114, die im Bezirk Pankow zur A10 führt, ist verschlissen. Sie sollte bereits ab 2013 erneuert werden – doch weil die Planungen viel Zeit beanspruchen, zog sich das Verfahren hin. 2016 hieß es, dass die Arbeiten 2017 beginnen. Nun geht es 2020 endlich los, so die Planer.

Bäume werden gefällt: Am 1. Oktober wurde damit begonnen, Gehölze zu entfernen. Insgesamt 700 geschützte Bäume werden abgesägt. Ausgleichsmaßnahmen sind geplant. Auch an der A114 werden später Bäume gepflanzt.

Kritik aus der Politik: Der SPD-Abgeordnete Tino Schopf begrüßt es, dass lärmarmer Asphalt verlegt wird. Doch er kritisiert, dass die westliche Schallschutzwand nach 2023 entstehen soll. „Eine nachträgliche Baustelle erhöht den Arbeitsaufwand und belastet die Umwelt.“

Klar ist auch: Die A111, die zweite Autobahn, die aus dem Norden in Richtung Berliner Stadtzentrum führt, bleibt während der Bauarbeiten auf der A114 voll funktionsfähig. Die dort geplante Erneuerung und der Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke, die weiter südlich die A100 über die Spree hinwegführt, werden erst danach beginnen, versprechen die Planer.

Dennoch müssen sich Autofahrer auf „größere Einschränkungen“ einstellen, so die Planer des Pankower Projekts. Im gesamten Nordosten wächst die Stauanfälligkeit, Reserven fehlen auch für weitere Fahrten im Schienenverkehr, warnen sie.

"Autofahrer in der Region müssen sich während der Bauzeit auf Einschränkungen einstellen, insbesondere während der Hauptverkehrszeiten sowie auch zu den Ferienzeiten, da die A114 als wichtiger Zubringer zur Ostsee dient", sagte Sandra Hass vom ADAC Berlin-Brandenburg. "Wir rechnen damit, dass die Bundesstraßen B 2, B 96 a, B 109 und vor allem die A 111 erheblich betroffen sein werden."

Lärmschutzwand auch im Westen

Womit müssen Anwohner rechnen? Gearbeitet wird im Mehrschichtbetrieb von 6 bis 22 Uhr, und die 1,4 Kilometer lange Schallschutzwand auf der Ostseite bleibt erhalten, hieß es.

Lange hieß es, dass die Westseite ohne Schallschutzwand bleibt. Doch nun wird noch einmal gerechnet, so die Verwaltung. Denn der Plan, das Tempo auf leise 80 Kilometer pro Stunde festzusetzen, ließe sich wohl nicht umsetzen. Erwartet wird, dass Kraftfahrer dagegen klagen würden. Darum gehen die Planer inzwischen von Tempo 100 auf dem neuen Pankow-Zubringer aus – was die Lärmbelastung erhöhen würde.

Hieß es bislang, dass künftig an knapp 90 Gebäuden die Lärmgrenzwerte überschritten würden, muss nun neu gerechnet werden. Das Lärmgutachten soll im Februar 2020 vorliegen. Unter anderem wird dafür geprüft, ob auch auf der Westseite teilweise eine Schallschutzwand nötig wird. Sie würde aber nicht während der Autobahnsanierung gebaut, sondern erst „mittelfristig“ danach.

Der SPD-Abgeordnete Tino Schopf begrüßte es, dass lärmarmer Asphalt verlegt wird. Doch er kritisierte, dass die westliche Schallschutzwand, wenn sie denn kommt, offenbar erst nach 2023 entstehen soll. „Eine nachträgliche Baustelle erhöht den Arbeitsaufwand und belastet die Umwelt. Eventuell sollte noch einmal geprüft werden, ob es sinnvoll ist, dies parallel durchzuführen", so der Pankower Politiker.

Unterstützt wird er vom ADAC. "Es könnte geprüft werden, ob die angedachte Schallschutzwand auf Westseite gleich in den Bau integriert werden kann", sagte Sandra Hass.