Michael Schillhaneck ist groß. Er muss den Kopf einziehen, wenn er die steilen Treppen zur obersten Ebene der Britzer Mühle hinaufsteigt. Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender eines Vereins, der sich um Wartung, Erhalt und Betrieb der Britzer Mühle kümmert. Zusätzlich bildet er Lehrlinge zu Müllern und Müllerinnen aus.

Die Britzer Mühle ist eine Galerie-Holländermühle, gebaut im Jahr 1865. Sie misst 20 Meter, hat eine umlaufende Galerie und eine sich Richtung Wind drehende schwere Kappe. Bis zur zweiten Etage ist die Mühle gemauert, der aufgesetzte hölzerne Teil ist mit Eichenschindeln gedeckt. „Die Mühle war das iPhone unter den damaligen Windmühlen“, erklärt Michael Schillhaneck stolz. Der Britzer Müller schwärmt: „Amerikanische und englische Technik wurde verbaut. Die war damals viel moderner.“

Die Windmühle? Ein technisches Wunderwerk!

Als der 65-jährige Berliner 2004 erstmals die Mühle betrat, war es sofort um ihn geschehen. „Ich bin einfach kleben geblieben“, sagt Schillhaneck, der bis zur Rente junge Menschen in technischen Berufen ausgebildet hat. Begeistert erklärt Schillhaneck, wie die Jalousieklappenflügel funktionieren. Abends werden die Jalousien, viele kleine Kläppchen an den Mühlenflügeln, geöffnet, damit der Wind durchpfeifen kann. Soll die Mühle mahlen, schließt man die Klappen, und der Wind fängt sich in den Flügeln und treibt sie an.

Schillhaneck wirkt andächtig. Es knarzt, rumpelt und quietscht in der Mühle. Wenn ihm der Trubel unten zu viel wird, steigt er auch mal alleine hoch auf den Kappboden und hört den Geräuschen der Mühle zu. „Die Kraft des Windes macht demütig.“ Er spürt sofort, wenn sich Windstärke oder -richtung ändern.

Nach altem Müller-Brauch wird „vermehlt"

Nach altem Müller-Brauch „vermehlt“ Michael Schillhaneck auch Hochzeitspaare. Damit jeder das Freudenereignis mitbekommt, werden die Mühlenflügel in eine bestimmte Stellung gebracht, in die Freudenschere.

Michael Schillhaneck gibt auch das traditionelle Müllerhandwerk weiter. Gerade ist er mit dem aktuellen Ausbildungsjahrgang aus Holland zurückgekommen, dem Land der Windmühlen. Oft führt er Kindergartengruppen durch die Britzer Mühle. Am Ende der Führung mahlen die Kinder Korn zu Mehl, setzen einen Teig an und backen im Steinofen Brötchen. Schillhaneck erklärt den Kindern dann, wie früher in der Landwirtschaft gearbeitet wurde. Er erzählt von der Kornernte mit Sensen und Frauen und Kindern, die hinterherliefen, um die Garben zu binden. Die meisten Kinder kennen das Wort nicht, aber manchmal fängt ein Kind an zu singen: „Holt die goldnen Garben“ und dann singen alle „Hejo, spann den Wagen an“.

Häufig fallen Wartungsarbeiten an. „Dazu gehört Schmieren, Schmieren, Schmieren!“ Auf die großen Kammräder kommt Bienenwachs. Scharniere werden mit Schweineliesen geschmiert. Das sind Fettkügelchen aus dem Schweinebauch. Vom selben Metzger kommt auch das Schmalz für die Britzer Schmalzstullen, die es am Pfingstmontag geben wird.

Britzer Mühle: Buckower Damm 130,12349 Berlin