Spätestens jetzt, im Februar, geht der Berliner Winter schön langsam auch den größten Optimisten auf die Nerven. Man könnte sagen: Die gesamte Hauptstadt sehnt sich nach ersten Anzeichen des Frühlings – eine grüne Knospe hier, ein frischer Grashalm da. Bis die Natur draußen so weit ist, werden wir aber noch ein paar Wochen durchhalten müssen. Zur Überbrückung kann man Augen und Seele dieses Wochenende mit ganz viel Grün und sogar Blüten erfreuen – auf der Messe „Gartenträume“ im ehemaligen Postbahnhof am Gleisdreieck. Mehr als 100 Aussteller, viele davon aus Berlin und Brandenburg, machen Lust auf die kommende Pflanz-Saison.

Herzstück der Messe sind große Modellgärten, mit mit denen Gartenspezialisten die Kunst ihres Handwerks zeigen. Gleich am Eingang erwartet ein Lagunengarten mit Grotte und tropischen Pflanzen die Besucher – Karibikflair, das sich laut Veranstaltern auch bei uns verpflanzen lässt.

Eine Vielfalt, von der man im Supermarkt nur träumen kann

Neben Blümchen, Stauden und Bäumen, die schön anzusehen sind, setzt die Messe dieses Jahr erneut auf Bio-Angebote. „Auf Qualität wird Wert gelegt, und so verzeichnen wir eine zunehmende Anzahl von Anbietern von Bioland-Pflanzen“, sagt Gartenträume-Sprecherin Susanne Schneider-Kettelför. Bioland ist ein Gütesiegel, das nur Produkte erhalten, die ohne Gentechnik, Massentierhaltung, chemisch-synthetische Dünger und Pestizide hergestellt werden. Nach eigenen Angaben sind die Bioland-Richtlinien somit viel strenger als die gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards für Bio-Lebensmittel. „Bei den Gartenträumen haben wir Rosenschulen, Gärtnereien, eine Baumschule und dieses Mal neu einen Hof mit Bioland-Gütesiegel als Aussteller“, sagt Schneider-Kettelför.

Letztgenannter wird von Landwirt Gerhard Wacha betrieben, der sich auf Pflanzkartoffeln spezialisiert hat (Stand 3b, Halle 3). Über hundert Sorten der nahrhaften Knolle hat Wacha im Angebot. Ob hörnchenförmig, rot, lila oder klassisch: „Wir haben eine Vielfalt, von der man im Supermarkt nur träumen kann“, so der Landwirt, dem in Vergessenheit geratene Sorten aus ganz Europa am Herzen liegen. Es sind Kartoffeln mit Namen wie „Rosa Tannenzapfen“, „Golden Wonder“ oder „Linda“ – ganz unterschiedlich im Geschmack und manche besonders resistent gegen heimische Pflanzenkrankheiten. Übrigens: Kartoffeln kann man auf dem Balkon im Kübel ziehen, wenn der groß genug ist. Natürlich gibt’s auch ganz normale Blumen und Blumenzwiebeln für kleine Balkone auf der Messe.

Obstbäume direkt vor Ort veredeln lassen

Mehr Platz und auf jeden Fall einen eigenen Garten braucht man für die dezent verrückte Erfindung „Flying Aquarium“ – ein Aquarium, das frei treibend über einem Gartenteich „schwebt“, aber mit diesem verbunden ist, sodass die Fische zwischen Teich und Glaskasten hin- und herschwimmen können.

Erfunden hat das Spezialdings ein Berliner. Der heißt Kristian Bethke und verspricht: „Wenn Sie Ihren Fischen bisher keine Namen gegeben haben – mit dem Flying Aquarium wird sich das ändern.“ Schließlich kann man die Fische im Spezialaquarium besser beobachten als im Teich. Technisch funktioniert das Ganze mittels Unterdruck. Dieser wird mit einer Pumpe im Aquarium erzeugt, so dass es sich über der Wasseroberfläche des Teichs mit Wasser aus demselben füllen kann. (Stand 75, Halle 7)

Neben Spielereien wie dieser gibt’s natürlich auch Bewährtes. Zum Beispiel kann man direkt vor Ort Obstbäume veredeln lassen (Kosten: 20 Euro). Mitbringen braucht man dafür bloß einen Reis, einen einjährigen Trieb des gewünschten Baumes. Experten erklären auch, wie man den Zweig einpflanzen und pflegen muss, bis man sich über eigene, leckere Äpfel, Kirschen oder Pflaumen freuen darf.

Für die Kinder gab es eine Schnitzeljagd

Durchs Bühnenprogramm der Gartenträume führen Diana Holdorf und Ingo Hoppe, beide Moderatoren von „RadioBerlin 88,8“. Zu Gast haben die zwei an allen drei Messetagen verschiedene Experten. Die Bandbreite reicht vom Berliner Pflanzendoktor Jens Packwitz, der über den perfekten Rasen und Heckenpflege spricht, genauso wie Stefan Mingramm vom Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, der Auskunft über die Berufsaussichten in seiner Branche gibt. Für Jugendliche, die ihren vielleicht künftigen Beruf lieber gleich testen wollen, gibt es auf der Messe auch eine Azubi-Baustelle, die die ganze Bandbreite der verschiedenen Berufe rund ums Gärtnern zeigen soll.

Auch die Jüngeren hat man nicht vergessen. Kinder dürfen sich bei einer Schnitzeljagd quer durch die Messehallen austoben, in der Hüpfburg oder in mehreren Spielecken mit Sandkästen.