Noch einmal wird es im Bauhaus-Archiv am Landwehrkanal richtig krachen. Am Sonntag nämlich, mit einem Riesenprogramm, das feiert, was schon vor Jahren hätte stattfinden sollen: den Beginn der Sanierung und Erweiterung des 1979 eingeweihten Hauptbaus. Es ist nicht übertrieben, dieses Projekt als Lebenswerk der seit 2003 amtierenden Direktorin des Bauhaus-Archivs Annemarie Jaeggi zu bezeichnen.

Viele andere hätten angesichts der geizigen und oft erstaunlich uninformierten Berliner Politiker aufgegeben. Auch ihr Projekt, schon in den 1990er-Jahren von den damaligen Direktoren gefordert, wurde immer wieder verschoben. Letztlich waren es der Druck des bevorstehenden Bauhaus-Jubiläums sowie die Finanzhilfe von Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters, die Berlin dazu brachten, seinen Pflichten nachzukommen. 1919 wurde diese sicherlich einflussreichste Kunstschule des 20. Jahrhunderts von Walter Gropius in Weimar begründet, die ab 1924 in Dessau zu Weltruhm kam und 1933 in Berlin ihr Ende fand.

Verzwickte Geschichte

Allerdings ist das Bauhaus-Archiv gewohnt zu warten. 1960 war es in Darmstadt von dem Bauhaus-Historiker Hans M. Wingler begründet worden. Damals waren originale Entwürfe und Produkte der Schule, Kunst und Memorabilia noch vergleichsweise billig zu erwerben. Um aber auch Nachlässe von Bauhaus-Lehrern und -Schülern zu erhalten, brauchte es eine angemessene Unterkunft. Walter Gropius entwarf 1963-64 den Plan eines Neubaus. Doch Darmstadt und das Land Hessen wussten nicht so recht, warum diese international ausgerichtete Sammlung ausgerechnet hier unterkommen sollte, wo es wenig direkte Bauhaus-Erinnerungen gab.

In West-Berlin sahen Abgeordnete und Senat die Chance, mit dem Bauhaus-Archiv an die große Zeit der Weimarer Republik anknüpfen zu können. Sie sicherten dem vom Bund unterstützten Institut zwei Drittel des Betriebsetats zu, auch ein eigenes Gebäude. 1971 zog die Sammlung nach Charlottenburg um, 1976 wurde am Landwehrkanal der Grundstein für den Neubau nach Gropius’ Plänen gelegt. Allerdings mussten die Architekten Alexander Cvijanvic und der Berliner Kontaktarchitekt Hans Bandel sie modifizieren, so wurden die viertelrunden Oberlichtkonstruktionen zum ruhigen Nordlicht hin umgedreht. 1978 konnte der Bau übergeben werden.

„Kommunistische“ Kaderschmiede

Warum Berlin? Das historische Bauhaus hatte 1932/1933 zwar nur wenige Monate seiner Endphase in der Stadt verbracht, bis es auf Druck der Nazis geschlossen wurde. Auch war die Berliner Architektenschaft der 1920er-Jahre wie Bruno Taut oder Martin Wagner durchaus nicht auf das ideologisch oft recht dogmatische Bauhaus eingeschworen. Doch viele Lehrer und Schüler waren eng mit Berlin verbunden, Gropius ist sogar hier geboren. Sein Nachfolger als Bauhaus-Direktor Hannes Meyer war in Berlin ausgebildet worden, der letzte Direktor, Ludwig Mies van der Rohe, hatte hier sein Büro. Sie alle mussten vor den Nazis fliehen, die das Bauhaus als „kommunistische“ Kaderschmiede verunglimpften.

Doch Gropius gelang es in den USA, die sozialistisch geprägte Meyer-Zeit (1928-1930 ) zu verdrängen. Er und Kunsthistoriker wie Nikolaus Pevsner, Sigfried Gideon oder Philip Johnson stilisierten das Bauhaus zur Moderne-Schule schlechthin – was die bedeutenden Beiträge Nordamerikas, Skandinaviens, Russlands, Frankreichs, der Niederlande oder Italiens in den Schatten stellte. Ein Missverhältnis, das dazu führte, dass Tel Aviv sich als „Bauhaus-Stadt“ in die Welterbeliste eintragen ließ – dabei sind hier französische und britische Einflüsse sowie die des bauhaus-fernen Architekten Erich Mendelssohn weit wichtiger gewesen. Doch werden solche Differenzierungen dem Breitband-Label Bauhaus unterworfen.

Der Bau ist sehr in die Jahre gekommen

Dass ein deutscher Heim- und Handwerkermarkt sich „Bauhaus“ nennt, und seit sechzig Jahre alles, was mit Moderne verbunden werden kann, mit dem Bauhaus identifiziert wird, hat aber noch mehr Gründe: Für die junge Bundesrepublik wurde die Erinnerung an das Bauhaus Teil der kulturellen Entnazifizierung. Dass etwa Walter Gropius durchaus nationalistisch argumentierte, Mies seine Entwürfe für die Reichsbank liebdienerisch mit Hakenkreuzflaggen schmückte, das blieb lange ignoriert. Stattdessen wurde ein weißes, reines, weltoffenes Bauhaus idealisiert. Als die DDR im „Formalismus-Streit“ der 1950er-Jahre das Bauhaus zum Teil einer dekadent-bürgerlichen, volksfernen Kultur erklärte, war sein Aufstieg zum Teil des bundesrepublikanischen Selbstbewusstseins kaum noch aufzuhalten.

Der Umzug des Bauhaus-Archivs und der Gropius-Bau sicherten also auch den Anspruch der Halbstadt West-Berlin, gesamtdeutsche Hauptstadt zu sein. Doch der Bau ist sehr in die Jahre gekommen. Während der Sanierung werden die Sammlungen auf kaum zählbar vielen Ausstellungen zum Bauhaus-Jubiläum gezeigt. Und wenn der Entwurf von Volker Staab auch nur halbwegs so ausgeführt wird wie angekündigt wird eine der bedeutendsten Museumsarchitekturen Berlins entstehen. Staab nämlich hat sich dem Ursprungsbau von Gropius unterstellt.

Dieser wird zum Kern des Archivs, die neuen Ausstellungsräume werden überwiegend in den Hang zum Landwehrkanal eingefügt. Sogar die lange Zugangsrampe erhält damit einen neuen Sinn als eine Art schwebender Aussichtsbalkon. Nur zur Klingelhöfer Straße wird das neue Bauhaus-Archiv mit einem Turm sichtbar werden, in dem die Bildungsaktivitäten des Museums gebündelt sind. Während alle anderen Museen Berlins die Bildung in Keller und Nebengelasse verbannen – stehen sie hier im Vordergrund. Mehr kann man nicht verlangen. Eine Begeisterung für das Lernen im Museum – ganz bauhäuslerisch.